Premiere der „Pionierin der Moderne“ in Österreich: Kunsthalle Krems zeigt Paula Modersohn-Becker retrospektiv

Eine Neuentdeckung für das Nachbarland

Paula Modersohn-Becker: Säugling mit der Hand der Mutter, um 1903

Von Rainer BeßlingBREMEN/KREMS (Eig. Ber.) · „Wir hoffen, die Kunstgeschichte ein wenig weiter voranzubringen und unsere wichtigste Künstlerpersönlichkeit im Nordwesten international zu positionieren.“ Der Bremer Kunsthallen-Direktor Wulf Herzogenrath hatte im Oktober 2007 die Erwartungen auf den Punkt gebracht, die sich mit im 100.

Todesjahr von Paula Modersohn-Becker mit mehreren großen Ausstellungsprojekten verknüpften. Nicht zuletzt „Paula in Paris“ sollte vor dem Hintergrund von Meisterwerken der französischen Kunst um 1900 eine deutsche „Pionierin der Moderne“ vom einschnürenden Worpswede-Etikett befreien.

Viele hofften auf stärkere internationale Beachtung der Malerin und globale Tourneen ihres Werkes. Eine schon sicher geglaubte USA-Tournee platzte jedoch. Das Bremische Paula Modersohn-Becker-Feuerwerk schien früh abgebrannt. Nun hat immerhin Österreich Interesse angemeldet. Zwar kein Wiener Haus, dafür aber die Kunsthalle Krems, eine ambitionierte Institution, die mit erheblichen Marketing-Mitteln und inhaltlicher Profilierung operiert. Sie wird in diesem Jahr noch unter anderem die Sammlung Olbricht, den Nouveau Réalisme und Daniel Spoerri zeigen, so dass Paula Modersohn-Becker in der Tat im Kontext von Moderne und Zeitgenossenschaft auftritt.

„Pionierin der Moderne“ heißt die retrospektiv angelegte Ausstellung, die am kommenden Wochenende eröffnet wird. Der Kremser Kunsthallen-Direktor Hans-Peter Wipplinger hat die Schau in Kooperation mit dem Bremer Paula Modersohn-Becker-Museum konzipiert, dessen Direktor Rainer Stamm einen Essay zum Katalog beisteuert.

Der Umbau der Bremer Kunsthalle und die derzeitige Ausstellungssituation in der Böttcherstraße begünstigen eine großzügige Ausleihe nach Österreich. So kann die Kunsthalle Krems zu Recht eine „repräsentative Auswahl“ der Werkes der 1876 geborenen Malerin ankündigen, einen Querschnitt, der alle Werkphasen angemessen berücksichtigt.

Dieser Überblick erscheint umso angemessener, als die deutsche Malerin, „die für die Kunst des 20. Jahrhunderts von so wesentlicher Bedeutung ist“ (Wipplinger), bisher in Österreich noch nicht durch eine Ausstellung gewürdigt worden ist. Liest man das Vorwort zum Katalog scheint Paula Modersohn-Becker in den Kremser Kuratoren engagierte Anwälte gefunden zu haben: „Mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und größter Zielgerichtetheit hat sie die Reduktion komplexer Dingwelten auf einfache bildnerische Formen vorangetrieben und sich dadurch zunehmend vom Naturvorbild gelöst. Obwohl alles Idealisierend-Beschönigende und Sentimentale in ihren Bildern fehlt, strahlen ihre Arbeiten auf eigentümliche Weise eine feierliche Bedeutung und menschliche Würde aus.“

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