„Mensch, Puppe!“ widmet sich seltenem Stoff

Eine kurze Attacke der Zeit

Messbar, aber nicht zu fassen: Zeit. - Bild: Menke/Vahrmeyer

Bremen - Von Rolf Stein. Es ist eine dieser ewigen Fragen: Ob der Baum beim Fallen auch dann ein Geräusch macht, wenn keiner zuhört. Zum Beispiel. Oder: Zeit, was ist das eigentlich? Wir können sie messen, verschwenden, gewinnen, stehlen, vertreiben – und eigentlich müssten wir sie, wie beinahe alles andere, auch kaufen können. Schließlich richten manche Unternehmen Zeitkonten für ihre Mitarbeiter ein.

Die Schweizer Autorin Gisela Widmer lässt allerdings die Protagonistin einer ihrer Erzählungen an dem Plan scheitern, sich das ersehnte Gut zu kaufen. Die Geschichte nahmen nun die Schauspielerin Claudia Spörri, die Dramaturgin Sibille Hüholt, die Cellistin Lynda Anne Cortis und die Regisseurin Christiane Ahlhelm zum Ausgangspunkt ihrer „philosophischen Attacke“ (Untertitel) auf die Zeit.

Beim Bremer Theater „Mensch, Puppe!“, das seit Bestehen immer wieder neu die Grenzen von Figuren- und Objekttheater, Musik und klassischeren Schauspielformen verschwimmen lässt, haben die Ergebnisse unter dem lapidaren Titel „Zeit“ heute Abend Premiere.

Wer die bisherige Arbeit des kleinen Theaters verfolgt, das zuletzt unter anderem mit einer sehenswerten Fassung von Dürrenmatts „Physikern“ Aufmerksamkeit erregte, wird sich nicht wundern, dass die neueste „Mensch, Puppe!“-Produktion formal zwischen diversen Stühlen sitzt.

Das beginnt schon bei der Besetzung. Spörri ist nicht nur als Schauspielerin aktiv, sondern hat auch mit Chanson-Programmen von sich reden gemacht, die Cellistin Lynda Anne Cortis nennt sich auch „Looping Lynda“, was auf ihren Umgang mit elektronischen Effekten anspielt, die sie in die Lage versetzen, ganz allein orchestrale Klänge zu produzieren, mit denen sie sich zwischen klassischer Musik verschiedener Epochen und Pop-Methoden positioniert. Wobei der Loop, also ein in Schleife gelegtes musikalisches Element, in sich schon ein Statement zum Thema ist, aber natürlich Musik generell viel mit dem zu attackierenden Phänomen zu tun hat und deswegen eine prominente Rolle spielt.

Aber natürlich gibt es auch explizitere Überlegungen ausgewählter Experten von Augustinus über Shakespeare, Büchner und Jandl bis zu Hilde Domin, lose zu einer Geschichte verknüpft, die mit Widmers Erzählung im Grunde nur noch die Protagonistin gemeinsam hat. Die auch in dieser Inszenierung versucht, des wertvollen Stoffs Zeit, der einerseits überall in mannigfacher Form vorhanden scheint, aber praktisch kaum zu greifen ist – selbst für Quantenphysiker. Die dramaturgischen Suchbewegungen sind dabei so reizvoll schillernd wie ihr Materiel, zu dem neben Musik und Schauspiel auch das virtuose Spiel mit Figuren und Objekten gehört.

Premiere: Freitag, 20 Uhr, weitere Vorstellungen: Samstag, 1. Oktober, Freitag, 14. und Samstag 15. Oktober, jeweils 20 Uhr, „Mensch, Puppe!“, Theaterkontor, Schildstr 21, Bremen

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