Eine Ausstellung im Hamburger Bucerius Kunst Forum führt die Schweizer Maler Ferdinand Hodler und Cuno Amiet zusammen

Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne

Eine Besucherin betrachtet im Bucerius Kunst Forum Cuno Amiets Bild „Die gelben Mädchen“. ·
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Eine Besucherin betrachtet im Bucerius Kunst Forum Cuno Amiets Bild „Die gelben Mädchen“. ·

Von Wilfried DürkoopHAMBURG · Im Hamburger Bucerius Kunst Forum ist der Schweizer Maler Cuno Amiet zu entdecken, der nie ganz aus dem Schatten seines gefeierten Landsmanns Ferdinand Hodler heraustreten konnte. Gezeigt werden fast 90 meist geradezu frühlingshafte Gemälde, die den künstlerischen Dialog der beiden Zeitgenossen an der Schwelle zur Moderne beleuchten.

Die Künstlerfreundschaft begann 1898, als Amiet von dem Sammler Oskar Miller den Auftrag erhielt, Hodler zu porträtieren. Hodler schätzte Amiets lockere Malweise mit kräftigen Farben. Jener wiederum bewunderte an dem Werk des 15 Jahre Älteren Symmetrie, Ornament und Linearität. Die Verbindung zwischen den beiden war zunächst recht harmonisch; Hodler bot dem Jüngeren gar eine Ateliergemeinschaft in Genf an. Amiet bewunderte den willensstarken und kämpferischen Einzelgänger, war stolz auf dessen Protektion. Bald traten Spannungen auf, Hodler zeigte sich als selbstherrlich. Die beiden entfremdeten sich 1904 anlässlich einer Gruppenausstellung in Wien, als Hodler wieder niemanden neben sich gelten ließ. Amiet bezeichnete Hodler als „bitteren Feind“, bewunderte ihn gleichwohl als Künstler.

Die reine Farbenmalerei, der sich Amiet jetzt wieder zuwandte, fand ihren stärksten Ausdruck in leuchtenden Bildern wie „Der gelbe Hügel“ und „Die gelben Mädchen“; in dem Gemälde „Säublumen“ ist die Abstraktion sehr nahe. Die Ausstellung seiner Bilder in der Dresdner Galerie Emil Richter 1906 stieß auf großes Interesse der sich damals zur „Brücke“ formierenden Künstler. Sie sahen in Amiet ihren „Vorkämpfer“ und luden ihn zum Beitritt in ihren Kreis ein. Die damals noch unbekannten Expressionisten erhofften sich von der Mitgliedschaft des arrivierten internationalen Künstlers einen Durchbruch, während Amiet der Beitritt die Möglichkeit bot, weiter von Hodler abzurücken und sich zudem als Vermittler schweizerisch-französischen Gedankenguts in jüngeren Künstlerkreisen zu profilieren.

Amiets Landschaften sind erfüllt von einem farbigem Wohlklang, der die sommerlichen Gärten in paradiesische Idyllen verwandelt. Ein ähnlicher ausgeglichener Gesamteindruck geht von seinen Bildnissen aus, vielfach Selbstporträts, die die äußere Erscheinung in unterschiedlichen Farbkombinationen zeigen.

Hodlers Porträts stellen in besonderer Weise Eigenheiten der Charaktere deutlich heraus; der Künstler lässt sie geradezu in einer überindividuellen Dimension erleben. Bei den Landschaften ist der Wille zum Ausdruck noch deutlicher zu verfolgen als bei den Porträts. Hodler bedient sich auffällig heller Farben; seine ersten Naturansichten sind atmosphärisch lebendig erfasst. Bald bringt der Künstler Rhythmus in das zufällige Nebeneinander, wählt Ausschnitte, die zur Symmetrie neigen, die sich perspektivisch auf ein einziges Motiv konzentrieren, das dadurch in seiner Wirkung gesteigert wird.

Wenn Hodler bei seinen Seepanoramen und Bergporträts flammendes Gelb und leuchtende Varianten von Blau aufspürt und wenn dann noch die Wolken über dem farbig irisierenden Spiegel des Genfer Sees mit den Landschaftsformen im Vordergrund des Bildes korrespondieren, der reale Naturausschnitt verdichtet und übersteigert wird, dann ist der Naturmystiker van Gogh nah und der Expressionismus nicht mehr fern.

Die schöne Ausstellung führt Bilder zweier großer Künstler zusammen. Sie zeigt, wie sie einander beeinflussten. Cuno Amiet, der bei seinen Bildern gemeinhin kräftige Farben bevorzugte, übernahm etwa die parallele Anordnung von Figuren. Und Ferdinand Hodler stellte seine Figurationen in geradezu expressiven Farben dar. Manchmal scheint nicht sicher, wer welche Bilder malte. Solche Ungewissheit lädt ein zum forschenden Betrachten.

Bucerius Kunst Forum, Hamburg. Bis zum 1. Mai. Der im Hirmer-Verlag erschienene Katalog kostet in der Ausstellung 24,80 Euro.

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