Box fasst 500 Jahre auf 50 CDs zusammen

Eine Kiste voller Orgeln

HANNOVER - Von Jörg Worat. Natürlich hat die Welt schon mancherlei Kompilationen mit Orgelmusik gesehen. Die 50-CD-Box „500 Years of Organ Music“ hat indes eine ganze Reihe Besonderheiten und bietet neben der einen oder anderen Fragwürdigkeit etliche Pluspunkte. Zu diesen gehört nicht zuletzt und für manchen Interessenten vielleicht sogar in vorderster Front der Preis – das Label Brilliant Classics pflegt den schönen Brauch, äußerst erschwingliche Veröffentlichungen herauszubringen.

Eine weitere Stärke der Box ist die Vielseitigkeit. Bei entsprechendem Mangel an Phantasie hätte man gewiss wenigstens zehn CDs mit Johann Sebastian Bach füllen können, der hier aber nur mit einer Scheibe nebst einem einzelnen Werk auf einer zweiten vertreten ist. Stattdessen finden sich insgesamt mehr als 70 Komponisten, die meisten davon schwerpunktmäßig mit einer kompletten CD gewürdigt. Es beginnt mit Marco Antonio Cavazzoni, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte und dem die ersten bekannten Ricercari zugeschrieben werden, den Schlusspunkt setzt Arvo Pärt. Ein schöner Bogen, haben doch die Klänge des Renaissance-Italieners und die Werke des modernen Esten etwas gemeinsam: Sie wirken zeitlos.

Zwischendurch begegnen dem Hörer übliche Verdächtige wie Frescobaldi und Sweelinck, Mozart und Mendelssohn, Reger und Messiaen. Ihm begegnen aber auch Giovanni Maria Trabaci, Andreas Kneller oder Ignazio Cirri, die weit weniger bekannt sein dürften, und in so manchem Fall erweist sich, dass fehlende Popularität keine zwingenden Rückschlüsse auf die Qualität zulässt. Als herausragendes Beispiel hierfür sei August Gottfried Ritter (1811 bis 1885) mit seiner ganz eigenen Spielart der Romantik genannt. Entbehrlich scheint hingegen die CD von Hendrik Andriessen (1892 bis 1981), vielleicht mehr aus Nationalstolz miteinbezogen: Der Niederländer ist im eigenen Land populär, und Brilliant Classics hat ebendort den Hauptsitz. Diese Aufnahme wirkt arg blutleer, was keineswegs den Wunsch nach der großen Dröhnung ausdrücken soll – wie man gerade mit Reduktion viel erreichen kann, beweist Arvo Pärt immer wieder meisterhaft.

Auf der anderen Seite mag man sich Gedanken darüber machen, wer nicht vertreten ist. Zwar wäre jeder Anspruch auf Vollständigkeit absurd, doch weshalb fehlen etwa Couperin, Hindemith, Petr Eben? Eine vielleicht noch größere Irritation in Sachen Auswahl stellt die Tatsache dar, dass die Werke zwar überwiegend für Orgel solo geschrieben sind, aber eben nicht alle – von Händel oder Vivaldi etwa gibt es Orgelconcerti zu hören.

Der Grund für diese gewisse Beliebigkeit dürfte in der Schattenseite der erwähnten Preispolitik zu finden sein: Wer ein günstiges Produkt auf den Markt bringen will, schaut sich naheliegenderweise zuerst in den eigenen Archiven um und scheut den Erwerb kostenintensiver Lizenzen. Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen ist auch das (rein englischsprachige) Booklet alles andere als üppig ausgefallen, sondern eher „knapp und knackig“.

Die Auswahl der Orgeln wiederum überzeugt fast durchgehend – schlanker Klang bei den frühen Komponisten, nachfolgend üppigerer Zugriff und differenzierte Abstufungen in der Moderne. Interpreten wie Simone Stella, Jean-Baptiste Robin oder Benjamin Saunders bieten zwar kaum überwältigende Performances, aber mit Ausnahme von vereinzelten Unsauberkeiten im Detail meist mindestens kompetente.

Unter dem Strich? Gewiss empfehlenswert. Und zum Schluss noch ein Kuriosum: Bei Brilliant Classics scheint man sich den Minderheitenschutz auf die Fahne geschrieben zu haben, denn die Box ist offensichtlich für Linkshänder ausgelegt – auf dieser Seite muss man jedenfalls die CDs aus den Hüllen nehmen.

„500 Years of Organ Music“, 50 CDs Brilliant Classics.

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