Eine italienische Nacht im Theater Bremen

Alles andere als Einheitsbrei

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Die Bremer Philharmoniker springen unter der Leitung von Clemens Heil am Silvesterabend routiniert zwischen Karneval und italienischen Gassenhauern – ohne dabei allzu beliebig zu wirken.

Bremen - Von Arne Bode. Ein Best-of der italienischen Opernmusik kann wunderbar funktionieren – oder grandios scheitern. Einzeln für sich genommen, klingt jedes Lied fast immer perfekt gespielt und in sich stimmig. Doch über zwei Stunden gesehen, muss jedes Stück in das Nächste greifen, sonst wird daraus schnell ein Einheitsbrei. Zum Glück gelingt dem Dirigenten Clemens Heil dank grandioser Stimmen, wie der von Opernstar Patricia Andress, am Silvesterabend ein gelungenes Feuerwerk italienischer Hymen. - Von Arne Bode.

200 Jahre Opernmusik von Mozart, Strauß und gut einem Dutzend italienischer Komponisten bilden das herausfordernde Programm für den „Italienischen Abend“ im Theater Bremen. Gleich zu Beginn geht Clemens Heil mit Rossinis Ouvertüre aus Semiramide kein Risiko ein. Sie gilt als eine der letzten großen italienischen Opern, die in ihrer Vielschichtigkeit und Schönheit ihresgleichen sucht. Die Bremer Philharmoniker spielen die Ouvertüre dann auch wie entfesselt, und lassen für den restlichen Abend Großes erwarten.

Mit Patricia Andress wird das Publikum nicht enttäuscht. Sie singt ein Stück aus Francesco Cileas nicht sonderlich bekannter Oper „Adriana Lecouvreur“. Fast still stehend vertraut Andress ganz auf ihre Stimme, die sich fraglos mit den ganz Großen messen kann. Ihre makellose Stimme bewegt und berührt mit der verführerisch anmutenden Arie „Io son l'umile ancella“. Und selbst dort, wo es weniger ums Singen als ums Schauspielern geht, zeigt sie ihre komödiantische Seite. In Johann Straußs „Eine Nacht in Venedig“ fährt sie in einer gewollt plakativen Pappszenerie an der Seite von Christian-Andreas Engelhardt in der Gondel – eine durchaus unterhaltsame Einlage.

Engelhardt gehört seit langem schon zum festen Ensemblekreis des Theater Bremens und weiß gesanglich wie schauspielerisch zu überzeugen. Die Komödie scheint ihm zu liegen, auch wenn er in der Vergangenheit so manch düstere Rolle mit Bravour gemeistert hat.

Für den musikalischen Leiter Clemens Heil dürfte es eine große Herausforderung gewesen sein, die Übergänge und Stücke so auszuwählen, dass nach zwei Stunden das musikalische Potpourri nicht zu einem bunten Durcheinander für die Ohren wird. So mancher Genre-Sprung, der an diesem Abend gemacht wird, fällt jedoch größer aus. So folgt auf Giuseppe Verdis Opernarie „Volta la terrea“ aus „Un ballo in Maschera“, deren musikalische Höhen sehr gut von Nerita Pokvytyté getroffen werden, das italienische Volkslied „Funiculì, Funiculà“. Doch das Publikum stört sich kein bisschen daran, zumal das Volkslied vom Chor des Theaters Bremen mit viel Leidenschaft gesungen wird.

Die Übergänge und Pausen zwischen den Stücken gestalten die beiden Schauspieler Annemaaike Bakker und Siegfried W. Maschek. Mit Witz und Charme amüsieren sie das Publikum und sind sich nicht zu schade, den klassischen italienischen Stereotypen zu frönen. Ihre Überleitungen und theatergeschichtlichen Einordnungen, die bei anderen Konzerten gerne einmal langatmig ausfallen, gelingen ihnen derart gut, dass sie einer der vielen Höhepunkte der Gala sind.

Mit Nathalie Mittelbach hat das Theater Bremen seit dieser Spielzeit einen potenten Neuzugang als Mezzosopranistin dazugewonnen. Bei der Arie „Cruda sorte, amor tiranno“ aus Rossinis Oper “L'italiana in Algeri“ beweist sie ihr musikalisches Gespür. Dass Mittelbach jedoch nicht nur klassischen Gesang beherrscht, stellt sie eindrücklich unter Beweis, als sie aus Cole Porters Musical „Kiss me, Kate“ den amüsanten Song „We open in Venice“ zusammen mit Christian-Andreas Engelhardt, Christoph Heinrich und Patrick Zielke auf die Bühne bringt.

Ein Abend, der wohltuend locker daherkommt, vor allem zum Ende. Da kommt sogar verfrühte Karnevalsstimmung auf – während das Ensemble „Karneval, dich preisen wir“ von Johann Strauß schmettert.

Weitere Vorstellungen: 27. Februar, 19.30 Uhr, 13. März, 18 Uhr, Theater Bremen.

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