SERIE: RÜBERGEMACHT Frank Auerbach, Schauspieler

Ein Bürgerrechtler in Uniform

„Ich war eher in der Opposition“: Schauspieler Frank Auerbach.
+
„Ich war eher in der Opposition“: Schauspieler Frank Auerbach.

Bremen – Er ist seit vielen Jahren Schauspieler, war mal im Osten, mal im Westen engagiert. Zurzeit ist Frank Auerbach in Bremerhaven, seit 2016 fest am dortigen Stadttheater. Aber prägend, da muss er nicht lange nachdenken, waren seine Jugendjahre, die er in der DDR verbracht hat. Die historisch entscheidende Zeit allerdings, die hat er an einem Ort verbracht, an dem er alles andere als gerne war – und doch habe er keine wirkliche Wahl gehabt, sagt Auerbach. Doch dazu später mehr.

Aufgewachsen in Dresden, verbrachte er eine Jugend, von der er heute noch schwärmt: „Wir wussten natürlich, in was für einem Land wir lebten, aber dennoch hatten wir große Freiheiten. Du bist ja mit nichts ausgekommen, warst nicht der Macht des Geldes ausgesetzt so wie heute“, sagt Auerbach. Seine jungen Jahre habe er zum Teil in besetzten Häusern erlebt, in dunklen Kellern, in denen er unter anderem Till Lindemann, heute Sänger bei Rammstein, mit seiner alten Band gesehen hat. „Es gab eine große Subkultur“, so Auerbach, „und natürlich waren wir politisch.“ Viele seiner Freunde waren im Neuen Forum: „Es ging um den Traum einer besseren DDR“. Bei ihm auch? „Schon“, sagt Auerbach, und: „Ich sage ja auch bis heute nicht, dass der Kapitalismus die goldene Idee ist.“ Er empfinde es als Privileg, beides kennengelernt zu haben – den Osten und den Westen. „Wir waren ja auch jung, und die Jugend ist immer schön“, sagt Auerbach. „Eines ist aber auch klar: Die DDR möchte ich ganz sicher nicht zurückhaben.“

Relativ schnell war dem 1968 geborenen Auerbach klar, dass er Schauspieler werden wollte. „Damals war der Beruf des Schauspielers ja ein viel politischerer als heute – und das wollte ich.“ Nach der Lehre hatte er bereits in diesen Bereich hineingeschnuppert, als er kurzzeitig als Hausmeister beim Dresdner Schauspiel beschäftigt war. Dieser Wunsch hatte aber seine Tücken: Da er in jungen Jahren die Jugendweihe verweigert hatte, durfte er kein Abitur machen, und auch mit dem erforderlichen Schauspiel-Studium sah es da schwierig aus – weil er dennoch Fürsprecher hatte, klappte es dann aber doch. Allerdings musste er dafür in einen anderen sauren Apfel beißen: den sauren Apfel namens Militär. „Das war für mich eine sehr schräge Zeit“, sagt Auerbach heute. Im Zivilen eher Protestler und im Kreise der Bürgerrechtler unterwegs, trug er nun die Uniform der DDR und sollte für sie sogar eine Waffe tragen – was er nicht wollte. Auerbach wurde schließlich Funker – was für ihn ein großes Glück war, denn: „Ich musste nie rausrücken und stand den anderen also auch nie gegenüber.“

Die „schräge Zeit“ hielt er trotzdem durch, weil sie alternativlos gewesen sei: ohne Militär kein Studium, und ohne Studium kein Schauspiel. So dachte er zumindest. Er konnte ja noch nicht wissen, wie schnell sich alles ganz plötzlich verändern würde. Am Tag, als die Mauer fiel, stand Auerbach also nicht etwa feiernd auf der Straße – sondern hielt Wache. „Ich hatte Dienst“, erinnert er sich, „und ich weiß noch sehr genau, wie groß die Anspannung bei allen war. Die Generäle standen da und wussten überhaupt nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollten.“

1990 begann Auerbach an der Hochschule für Musik und Theater Rostock seine Schauspiel-Ausbildung, anschließend ging er für vier Jahre ans Landestheater Neustrelitz. Vier Jahre am Stadttheater Baden-Baden und fünf Jahre bei den Freien Kammerspielen in Magdeburg folgten, ehe er 2006 nach Bremen zog, wo er zunächst als freier Schauspieler und Regisseur (unter anderem für die Bremer Shakespeare Company und das Schnürschuh-Theater) arbeitete. Auch auf im Fernsehen und auf der Kinoleinwand war Auerbach in dieser Zeit oft zu sehen, unter anderem in Filmen wie „Whiskey mit Wodka“ und „Die Affäre Borgward“ oder in Serien wie „Tatort“ und „Stubbe – Von Fall zu Fall“.

In Neustrelitz habe er gelernt, alles zu machen vom Kindertheater über Kabarett bis hin zur großen Abendveranstaltung – „man spielt sich frei“, sagt er über diese Zeit heute. Dann wurde er gleichsam zum Pendler zwischen Ost und West – was ihm selbst gar nicht so bewusst war. Wo fühlt er sich heimischer? „Das ist schwer zu sagen“, sagt Auerbach. „Man kann ja auch nicht sagen: Der Westen ist so und der Osten so.“ Unterschiede gebe es natürlich, auch im Schauspielbereich: An der allgemeinen Weisheit, dass es im Osten handwerklicher zugegangen sei und der Westen eher über das Individuelle komme, sei schon etwas dran, sagt er.

„Und ideologisch bin ich in der DDR ja mit dem Staat nicht mitgegangen“, sagt Auerbach. „Ich war eher in der Opposition, die Stasi stand auch mal in meiner Wohnung.“ Zum Glück ohne große Konsequenzen. Rückblickend glaubt Auerbach, dass manches, was für ihn so glimpflich ausgegangen ist, auch auf die Gnade der späten Geburt zurückzuführen sei: „Der Staat war zu der Zeit schon marode, das war sicherlich auch unser Glück.“

Von Frank Schümann

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bayern danken ihrem "Mr. Supercup" - Neuer: Schön vor Fans

Bayern danken ihrem "Mr. Supercup" - Neuer: Schön vor Fans

Bayern gewinnt den UEFA-Supercup: Martínez sticht als Joker

Bayern gewinnt den UEFA-Supercup: Martínez sticht als Joker

Was Autofahrer über Winterreifen wissen sollten

Was Autofahrer über Winterreifen wissen sollten

Letzte Rettungsversuche für gestrandete Wale in Australien

Letzte Rettungsversuche für gestrandete Wale in Australien

Meistgelesene Artikel

Die Kunsthalle Bremen zeigt Max Beckmann

Die Kunsthalle Bremen zeigt Max Beckmann

Die Kunsthalle Bremen zeigt Max Beckmann

Kommentare