Osnabrück eröffnet die neue Spielzeit mit dem großen Festival „Spieltriebe – Edition Europa“

Eigentore der intellektuellen Gutmenschen

Die Malawi-Radfahrer.

Von Beate Bößl OSNABRÜCK (Eig. Ber.) n Mit der kürzlich aufgelösten britischen Winkelhausen-Kaserne hat das Osnabrücker Theater einen dramatischen Ort für die „Europa Edition“ des dreitägigen Spieltriebe-Festival 2009 gefunden.

Zum dritten Mal eröffnete das Haus so seine neue Spielzeit. Umrahmt von Teil 1 und Teil 2 der Inszenierung „Mission: London“ im großen Haus besuchen die Festivalgäste zwei bis drei kompakte Inszenierungen an ungewöhnlichen Spielstätten.

14 Stücke zeitgenössischer europäischer Autoren standen auf dem Programm. Sauber aufgeteilt auf fünf farblich gekennzeichnete Festivalrouten, führten sie außer zu zwei Kasernenarealen unter anderem noch zum Ringlokschuppen oder auf das Gleisareal des Alten Güterbahnhofs der Stadt. Dass die Theaterbesucher an den drei Festivaltagen zu Kultur-Mitreisenden wurden, bricht mit Gewohnheiten und passt zugleich auf besondere Weise zum Stück „Fragile!“ der Kroatin Tena Stivicic (Jg. 1977). Bei ihr wird der Londoner Nachtclub eines Bulgaren zum Treffpunkt entwurzelter Menschen, die, so jung und dynamisch sie auf den ersten Blick auch wirken mögen, längst ihre Träume begraben mussten, um sich an fremden Orten neu zu arrangieren. An den eignen Abgründen zu zerbrechen, das wird nicht nur in rasanten, schnell wechselnden Dialogen und Beleuchtungen aufgegriffen. Die riskante Wortebene spiegelt sich auch im Bühnenbild von Corinna Sommerhäuser wider, die ihre Protagonisten über eine Landschaft aus abgeschrägten Tischen irren lässt, immer kurz davor, Tritt zu verlieren.

Osnabrücks neue Tanzchefin Nanine Linning (Jg. 1977) und Ensemble stellen in einer ausgemusterten Turnhalle der Kaserne vor. „Part One of Two, Part Two auf One“ heißt die Choreographie. Überraschend ihre Idee, einen Menschen Roboter-gleich über den Boden kriechen zu lassen, auf dem Rücken zwei Tragebügel gegurtet, so dass andere Tänzer ihn jederzeit bei Seite stellen können, wenn er zu nah auf Wand oder Publikum zuläuft.

Sehenswert und unterhaltsam folgt in einer weiteren Kasernen-Turnhalle „Fahrradfahren für Malawi“ aus der Feder des Niederländers Natahn Vecht (Jg. 1977). Vecht hat scharf beobachtet, wie intellektuelle Gutmenschen sich gelegentlich selbst ad absurdum führen.

Nahezu alle Stücke des Festivals werden in der Spielzeit 2009/2010 ins Programm übernommen. Vom 24. bis 29. Ende September stehen übrigens Feiern zum 100-jährigen Bestehen des Osnabrücker Theaters an.

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