Pures Öl, Chemie, Konterbier

Die effektivsten Tipps gegen Katerstimmung

Der Kater: Unliebsame Begleiterscheinung eines jeden Alkohol-Abends. Und es gibt so viele Anti-Kater-Tipps. Nur: Was hilft gegen Kater wirklich? Wir haben einen Experten gefragt.

Bremen – Prof. Dr. med. Nicolas von Ahsen ist klinischer Chemiker und Facharzt für Laboratoriumsmedizin am medizinischen Labor Bremen. Auf seine Expertise dürfte also Verlass sein. Denn so gut die vielen kursierenden Ratschläge gegen den Kater auch gemeint sein mögen, letztlich spielt die Chemie im Körper doch nach ihren eigenen Regeln. Was also ist dran an den Anti-Kater-Tipps?

Öle enthalten viel Omega-3-Fettsäuren. Natürliche Helferlein gegen die Katerstimmung?

Die eklige Variante als Anti-Kater-Tipp: Drei Löffel pures Öl

Viel Zeit für Regenerationsmaßnahmen nach dem Aufstehen bleibt Euch nicht? In weiser Voraussicht könnte man sich drei Esslöffel pures Öl reinzwingen. Das soll schließlich helfen. Ein Plan, um nicht komplett in den Seilen zu hängen und wirksam gegen nur schwer zu ertragende Kopfschmerzen, Sodbrennen und einen tierischen Brand?

Wer kennt es nicht? Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit sind die häufigsten Symptome nach einer Partynacht

Das sagt der Experte: „Ob drei Löffel Öl reichen? Tatsache ist, dass ein voller Magen und schwer verdauliche, also fettige Kost, die Aufnahme von Alkohol verzögern. Man ist scheinbar trinkfest. Aber das dicke Ende kommt: Nach und nach wird der gesamte getrunkene Alkohol aus dem Magen-Darmtrakt aufgenommen und vom Körper verarbeitet. Der resultierende Kater bleibt daher gleich.“

Die treibende Variante: Viel Wasser als Tipp gegen den Kater

Damit nicht jeder Kurze, jeder Sekt und jede Mischung mit einem schlechten Gewissen in Hinblick auf den nächsten Tag gekippt wird, soll man ja unauffällig nach jedem Getränk ein Glas Wasser einstreuen*. Mit dem Effekt, dass man prinzipiell ein Reserviert-Schild ans Klo pinnen könnte.

Gesellig geht irgendwie anders. Dafür ist der nächste Tag gerettet. Nein, ist er nicht. Literweise Leitungswasser hin oder her. Dem Kater scheint das recht egal zu sein.

Wasser mindert den direkten Reiz von Alkohol auf die Magenschleimhaut.

Das sagt der Experte: „Den Alkohol direkt mit Wasser zu kombinieren, mag bei Spirituosen sinnvoll sein. Denn so wird der direkte Reiz auf die Magenschleimhaut reduziert. Aber mehr noch: Alkohol beeinflusst die Regulation der Urinausscheidung. Direkt beim Trinken setzt eine vermehrte Urinproduktion ein. Das umgekehrte passiert, wenn sich der Alkoholspiegel mit der Zeit abbaut. Die Folge ist eine Elektrolytstörung. Wasser zu trinken ist also bestimmt nicht schlecht. Übrigens: Sportlerdrinks mit Zucker und Elektrolyten sind nicht besser, obwohl man es vielleicht erhoffen könnte.“

Die monothematische Variante: Nur eine Sorte trinken, um keinen Kater zu bekommen?

Cocktails, (Glüh-)Wein, Rum und Alcopops fördern durch ihre hohe Anzahl an Begleitstoffen die Katerstimmung am nächsten Tag.

Der Chef hat zum Abendessen geladen, prima, es gibt Pizza, dazu Rotwein. Zu späterer Stunde, die Köpfe bekommen zunehmend die Farbe des Weins, kommen die echten Spezialitäten des Hauses auf den Tisch. Der gute Whisky, der schon im Fass lagerte, als ich noch gar nicht auf der Welt war. Ein feiner Tropfen, keine Frage. Doch Moment, es ist mitten in der Woche. Da war doch was mit Arbeit und so. Nicht durcheinandertrinken, lieber weiter ans Weinglas klammern. Sicher ist sicher. Falsch gedacht! Am nächsten Morgen: zittrige Hände, Weinreste in den Mundwinkeln, Gesamtzustand: desolat. Von wegen nur eine Sorte trinken. Und blau machen mit einem gelben Schein* kommt natürlich auch nicht in Frage...

Das sagt der Experte: „Es kommt eher darauf an, was denn die eine Sorte ist. Aber keine falsche Hoffnung: Auch reiner, verdünnter Alkohol macht einen Kater. Trotzdem wird klaren Getränken nachgesagt, am wenigsten Kater zu verursachen. Grund ist der geringe Anteil an Begleitstoffen. Also eher Wodka, Gin oder Bier als (Glüh-)Wein, Rum oder Alcopops.“

Konterbier als Anti-Katerstimmungsmittel. Hilfreich oder Trugschluss?

Ein Konterbier kann helfen, leidigen Symptomen eines Katers vorzubeugen.

Die freitägliche Partynacht war länger als geplant, zum Glück steht für Samstag rein gar nichts auf dem Zettel. Das ist aus zwei Gründen gut. Zum einen geht es einem meist wirklich unterdurchschnittlich, an wenigstens halbwegs sinnvolle Tätigkeiten ist nicht mal im Traum zu denken. Und zum anderen kann so der Kater mit einem gepflegten Konterbier auf der Couch besänftigt werden. Hört sich eklig an, ist es meistens auch, hilft aber erstaunlich gut. Noch besser ist übrigens ein großes Alster: Schmeckt irgendwie frischer und der Zucker scheint dem geschundenen Körper zusätzlich gut zu tun.

Das sagt der Experte: „Der Kater beginnt erst, wenn der Alkohol abgebaut ist. Das Gegenmittel Konterbier klingt daher ganz logisch. Aber gegen die Gesundheit zählt dieses Getränk mindestens doppelt. Der Körper muss sich schließlich erholen und derartige Konsummuster führen bekanntermaßen rasch in eine Abhängigkeit.*“

Die Variante für Tabletten-Junkies: Die chemische Keule

Weil ein gepflegter Hangover in der Regel nicht sonderlich überraschend daherkommt, schwören viele auf einen regelrechten Schmerzmittel-Cocktail. Vorm ins Bett gehen eine gepflegte Aspirin, zum Aufstehen Ibuprofen. Und falls die Gefahr besteht, dass das Chemie-Frühstück nicht drin bleiben will, einfach ein paar MCP-Tropfen nehmen. So lassen sich die schlimmsten Schmerzen prima unterdrücken.

Ob Tabletten gegen Übelkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen. Hier findet jeder das Richtige zur Bekämpfung der Katerstimmung.

Das sagt der Experte: „Das kann durchaus hilfreich sein. Wobei Ibuprofen am besten passt, wenn der Körper nicht durch die Tabletten noch extra belastet werden soll. Für einen bereits gereizten Magen ist das alles nicht gut verträglich. MCP ist überdies verschreibungspflichtig. Wer es hat, dem hilft es bestimmt gegen Übelkeit und Erbrechen. Auch Säureblocker aus der Apotheke beruhigen den Magen am Morgen danach.“

Was hilft denn nun am besten? Anti-Kater-Tipp vom Experten

Bliebe abschließend noch zu klären, wie sich eigentlich ein Mediziner auf einen feucht-fröhlichen Abend vorbereitet. Und wie er mit möglichen Nachwehen am Tag danach umgeht. Also, was hilft am besten?

Das sagt der Experte: „Wer einen alkoholreichen Abend kommen sieht, sollte sich frühzeitig für ein Getränk mit wenigen Begleitstoffen entscheiden. Und vor dem Zubettgehen auf jeden Fall noch einmal Wasser trinken. Am nächsten Morgen können Medikamente die Symptome von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magenschmerzen lindern. Dazu hilft ein leichtes Frühstück, das reich an Kohlenhydraten ist, zum Beispiel Brot mit Marmelade. Und wer es verträgt: Vielleicht einen Kaffee zum Erwecken der Lebensgeister. Als Mediziner muss ich aber natürlich darauf hinweisen, dass übermäßiger Alkoholkonsum viele Probleme bescheren und den Körper schädigen kann. Zudem gilt: Wer an einem Kater leidet, ist nicht fit und kann nicht am Straßenverkehr teilnehmen oder schwere Maschinen bedienen. Der Kater ist ein Signal des Körpers, dass es zu viel war. Daraus sollte man lernen“

Hier nochmal alle Tipps kurz zusammengefasst:

Öle und fettiges EssenHemmt die zu schnelle Aufnahme von Alkohol im Blut und lindert somit die Härte des Katers am nächsten Morgen
Wasser trinkenHilft beim Erhalt des Elektrolythaushaltes und verlangsamt die Reizung des Magens
Klarer Alkohol statt Wein, Alcopops und RumDurch die geringen Begleitstoffe für den Körper erträglicher
KonterbierHilft Symptome zu lindern, allerdings bleibt der Alkoholspiegel erhalten und die Genesung des Körpers wird nicht gefördert, Gefahr der entstehenden Abhängigkeit besteht
TablettenFalls keine Hausmittel zur Hand sind, immer eine Empfehlung

Katerstimmung, auf Wiedersehen! Mit diesen Tipps erholen sie sich am nächsten Tag bedeutend schneller, allerdings sollte man den Genuss von Alkohol auch nicht übertreiben. Ein oder zwei Gläser Wasser sind gesünder und kostet in den meisten Fällen sogar weniger. *kreiszeitung.de, 24vita.de und bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/Imago

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