Shakespeare Company nähert sich Pop-Ikone

Bob Dylan als Ideensammlung

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Der multiple Dylan.

Bremen - Von Rolf Stein. Mit Bob Dylan ist es ein bisschen wie mit Nordkorea: Man weiß kaum etwas über ihn – außer dem, was er selbst preisgibt. Umso blühender ein Spekulantentum, das im Falle Dylans nicht nur metaphorisch noch den Abfall durchwühlt, um zu Erkenntnissen über den Gegenstand des Interesses zu gelangen.

Was dem einen sein Nordkorea-Experte, ist dem anderen sein Dylanologe. Eine Annäherung an die Pop-Ikone mit den Mitteln der Bühne hat nun die Bremer Shakespeare Company gewagt, genauer: die Regisseurin Nora Somaini und ein fünfköpfiges Ensemble, bestehend aus Michael Meyer, Peter Lüchinger, Tim Lee, Markus Seuß und Svea Auerbach. 

Das Resultat, das auf den Namen „Call Me, Bob Dylan... Please!“ hört, hangelt sich an Episoden der Biografie des Musikers entlang, wobei das flehentliche „Bitte!“ das Problem andeutet, das die Beschäftigung mit dem Musiker birgt.

Das musste auch die Jury des Literaturnobelpreises feststellen, die den Stoff für die Eröffnung dieses Abends liefert. Wie gestrandet liegen die Juroren im ersten Bild auf der Bühne. Was sich gut als Bild für die aktuellen Zerfallserscheinungen des Nobelpreiskomitees lesen ließe.

Eintauchen in Dylans Leben und Wirken

Aber das spielt so wenig eine Rolle wie die Szene als dramaturgische Klammer genutzt würde. Stattdessen taucht der Abend alsbald in Dylans Leben und Mythos ein, untersucht das Werk und dessen Bezüge von Shakespeare bis Ginsberg – wobei Woody Guthrie seltsam abwesend bleibt.

Um Dylan auf die Spur zu kommen, nutzen Somaini und ihr musikalischer Leiter Mika Amsterdam diverse Strategien. Von Übersetzungen verschiedener Songs ins Deutsche über atmosphärisch unterlegte Rezitationen bis zu den aus Interviews und anderen Quellen collagierten Spielszenen, die regelmäßig ins Surreale kippen.

Erhellend ist das stellenweise durchaus, legt narrative Ebenen der Songs frei, die zwar grundsätzlich ohne ihre musikalische Seite kaum erschließbar sind, aber manchmal doch Geschichten erzählen, die für sich stehen. 

Die Rahmenhandlung bleibt derweil szenisches Sammelsurium, obgleich nicht ohne schöne Vignetten, wenn beispielsweise Svea Auerbach als Engel den verunglückten Dylan schon auf ihrer himmlischen Seite wähnt. Aber die Ideen fügen sich nicht zu einer schlüssigen Erzählung, die zwei Stunden lang trägt. Vor allem bleibt unklar, worin eigentlich die immanente Notwendigkeit dieses Theaterversuchs besteht.

Ensemble und Publikum singen gemeinsam

Was übrigens ganz anders ist als bei Nordkorea, wo das vernichtende Urteil (Kommunismus!) meist am Anfang der Beschäftigung steht. Dylan-Forscher können da entspannter sein, hat sich ihr Forschungsobjekt doch schon früh gegen politische Vereinnahmungen verwahrt.

Am Ende übrigens singen Ensemble und Publikum gemeinsam „A Hard Rain’s a-Gonna Fall“ – den Song, den Patti Smith rezitierte, als sie – hörbar gerührt – an Dylans Stelle den Nobelpreis entgegennahm. Eine vergleichbare emotionale Intensität lässt dieser Abend leider vermissen.

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