Durchgeknallter Reigen: „The Homemaker“ am Schauspielhaus Hannover

Voll ins Schwarze

Ob Hai- oder Walbesuche – irgendwas ist immer: Rebecca (Katja Gaudard) verzweifelt am Lauf der Dinge.
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Ob Hai- oder Walbesuche – irgendwas ist immer: Rebecca (Katja Gaudard) verzweifelt am Lauf der Dinge.

Hannover - Von Jörg Worat. „Kaum bist du den Vergewaltiger los, kommt ein Hai vorbei. Immer ist irgendwas.“ Das sagt Rebecca, die Hauptfigur in Noah Haidles Stück „The Homemaker (Alles muss glänzen)”. Und bringt damit die Atmosphäre der Handlung ziemlich genau auf den Punkt. Doch, es war ein recht spezieller Abend im Schauspielhaus.

Nicht nur, weil die Uraufführung eines US-amerikanischen Textes in einem deutschen Theater eher unüblich ist – die persönliche Bekanntschaft zwischen Autor Haidle und Regisseurin Anna Bergmann hatte dabei entscheidenden Einfluss. Aber auch inhaltlich hat dieser Stoff seine Besonderheiten, zumindest für all diejenigen, die eine Geschichte nach den gängigen Gesetzen der Logik erwarten.

Angesiedelt ist das Ganze im Amerika der fünfziger Jahre. Zu Beginn sehen wir Rebecca, eine adrette Dame mittleren Alters, bei der Essenszubereitung durch die Küche tänzeln. Sie ist offenbar bester Laune, wenngleich sich bald die Frage stellt, warum. Dass es draußen sintflutartig regnet, ist fast noch das kleinere Übel. Entscheidender ist indes die Frage, für wen Rebecca eigentlich so hingebungsvoll kocht.

Denn Gesellschaft steht nicht zu erwarten. Der Gatte, so stellt sich heraus, ist vor einem Jahr ausgezogen, „das Glück zu suchen“, der Sohn bei den Nachforschungen nach dem Verbleib des Erzeugers ebenfalls verschollen. Bleibt die Tochter, die wiederum gerade an diesem Abend ihren Abschlussball hat. Keine Frage, Rebecca ist allein.

Das bleibt sie zwar nicht, das Essen wird sie trotzdem nicht los. Eine Freundin schaut vorbei, nur um sich im Badezimmer zu erschießen. Dem besagten Vergewaltiger steht der Sinn nach anderem als Nahrung – übrigens stellt er sich nach der Demaskierung als alter Bekannter heraus, mit dem Rebecca ein munteres Schwätzchen hält. Irgendwann taucht dann ein Wal auf, dessen Innerem der verlorene Sohn entsteigt, und das ist noch keineswegs der Höhepunkt des Irrsinns.

Das alles wird garniert mit reichlich Musik der Zeit, zwischendurch bevölkern gleich sieben Rebeccas die Bühne, es gibt weitere Todesfälle: Hier ist eine Menge los, an Effekten herrscht kein Mangel. Katja Gaudard als Rebecca könnte wahrscheinlich nicht mal dann schlecht sein, wenn sie das wollte, und bietet wieder eine Menge schöner Details. Auch bei den Mitstreitern gibt es Glanzlichter: Philippe Goos etwa verleiht dem Sohn gekonnt die Aura eines Rockstars, der ein paar Drogen zuviel genommen hat, und Oscar Olivo – sein Akzent fügt sich wunderbar ins Geschehen ein – beweist Wandlungsfähigkeit, indem er sowohl den verklemmten Ballbegleiter als auch einen hysterischen Zeugen Jehovas verkörpert.

Also ein gelungener Abend? Bedingt. Das Thema der zerbröselnden heilen Welt ist so originell nicht, und vor allem haftet dem durchgeknallten Reigen etwas Beliebiges an, als könne jederzeit auch gänzlich Anderes geschehen als das, was man gerade zu Gesicht bekommt. Nichts gegen überraschende Wendungen, doch selbst ein surrealistisches Gemälde sollte schon irgendeine Form von innerem Zusammenhang aufweisen. Wer auf große Bögen weniger Wert legt, mag mit dieser Inszenierung glücklich werden: Einige Pointen treffen, und das bekommt in diesem Fall eine doppelte Bedeutung, voll ins Schwarze.

Kommende Vorstellungen: morgen sowie am 22. und 30. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Hannover.

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