Kunstfestpiele Herrenhausen setzen Frank Zappa ein Denkmal

Durchgeknallt

Nur echt mit gelbem Hai – Ensemble Modern spielt Zappa. Foto: Helge Krückebeger

Hannover - Von Jörg Worat. Die „Kunstfestspiele Herrenhausen“ ohne das ganz große Konzert unter der Leitung von Intendant Ingo Metzmacher? Undenkbar. Und da besonders viele Besucher erwartet werden, finden diese Veranstaltungen nicht in den vergleichsweise kleinen Herrenhäuser Sälen statt – diesmal war mit der Eilenriedehalle ausgewählt worden.

Aus gutem Grund: Ebendort war Frank Zappa vor rund 40 Jahren mehrfach aufgetreten, und diesem Komponisten wollten Metzmacher und das Ensemble Modern ein Denkmal setzen – das letzte Orchester, mit dem der 1993 verstorbene Komponist noch selbst zusammengearbeitet hat. Dass er die Präzision dieses Klangkörpers besonders hervorzuheben pflegte, kann bei einem solch anspruchsvollen Geist als eine Art Ritterschlag gelten.

Manche Fans mögen ausschließlich Zappas Rockmusik, einige kennen gar nichts anderes, was aber dem Gesamtschaffen des Multitalents nicht gerecht wird. Früh interessierte sich Zappa für großorchestrale Projekte, stets hat er die Bedeutung von Komponisten wie Strawinsky, Webern oder Varèse für das eigene Schaffen betont.

Ganz leichte Kost stand also nicht zu erwarten, klugerweise hatte man jedoch einige Nummern ins Programm geschmuggelt, die mit gutem Willen als mutierter Jazz zu bezeichnen wären: „Dog/Meat“ zum Auftakt war eine solche, die „Revised Music For Low-Budget Orchestra“ mit einer halsbrecherischen Unisono-Passage von Geige und Posaune und vor allem „G-Spot Tornado“, einem so verzwickten wie eingängigen Power-Stück, der vielleicht fetzigsten Komposition des späten Zappa.

Insgesamt gab es, oft in eigens erstellten Arrangements, viel Hochkomplexes zu hören, das sowohl den Interpreten als auch den 1 200 Besuchern volle Konzentration abverlangte. So sind Polyrythmen bei Zappa keine Seltenheit, manchmal driftete das Konzert auch in die anstrengenderen Sektionen der Neuen Musik: Bei „Ruth Is Sleeping“ für zwei Klaviere sind weder Struktur noch Atmosphäre klar definierbar.

Wirklich verbissen aber wurde der Abend nie – ganz im Sinne Zappas, der immer eine gewisse ironische Distanz zum eigenen Schaffen eingefordert hat. Insofern passte es, dass die Blechbläser zwischendurch affige Big-Band-Posen parodierten und es auf der Bühne auch mal tierisch zuging: Zum Auftakt wurde ein modifiziertes Surfbrett in Gestalt eines gelben Hais auf die Bühne getragen, Logo der ersten Kooperation zwischen Zappa und dem Ensemble Modern. Und am Schluss kam aus dem Publikum ein Spielzeug-Schweinchen angeflogen, wahrscheinlich eine Anspielung auf den Programmblock „Greggery Peccary & Other Persuasions“, dessen Titelstück, ein durchgeknalltes Epos über die Abenteuer eine Nabelschweins, aber nicht gespielt worden war. Der stetig zunehmenden Begeisterung tat das kaum Abbruch. Und als im Zugabenteil mit „Peaches En Regalia“ ein echter Zappa-Hit erklang, kannte der Jubel kaum Grenzen.

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