Die Dropkick Murphys geben ein Gastspiel in Hamburg

In Bierfontänen: Pub-Punk-Fans in Ekstase

Sänger Al Barr turnt in der Alsterdorfer Sporthalle über die Bühne. - Foto: Menker
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Sänger Al Barr turnt in der Alsterdorfer Sporthalle über die Bühne. 

Hamburg - Von Guido Menker. Es ist ein bisschen wie Weihnachten und das Warten auf das Christkind. Draußen fällt Schnee, und knapp 4.000 Fans pilgern gespannt in die Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg – voller Vorfreude auf die Dropkick Murphys und eine lautstarke Party zu Beginn einer neuen Woche.

Sie klopfen sich die nassen Flocken von den Jacken und können es kaum noch abwarten. Ihre Augen leuchten. Doch bis zur Bescherung ist noch reichlich Zeit. Skinny Lister und Slapshot geben im Vorprogramm zwar alles, um die Zuschauer vor die Bühne zu locken. Aber die lassen sich Zeit, tanken auf und sorgen damit am Biertresen erst einmal für besten Umsatz. Ganz so, als ließe sich ein Abend mit den Folk-Punkern von der US-Ostküste nur mit einem Alkoholpegel ertragen, bei dem sich das Autofahren vorerst verbietet. Hinein also in die gute Stube, hinein ins an diesem Abend größte Irish-Pub Hamburgs!

Mischung aus Punk und Irish-Folk

Als Sänger Al Barr auf der Bühne erscheint, ist es so, als habe jemand einen Knopf gedrückt. Bierfontänen – angestrahlt von grünen Scheinwerfern – ergießen sich über die Köpfe des bereits schunkelnden und tobenden Publikums. Der Frontmann, ein drahtiger Kerl in engem Polo-Shirt und mit Schiebermütze auf dem Kopf, springt und rennt über die Bühne. Binnen weniger Minuten kocht der Saal.

Kein Zweifel: Mit ihrer Mischung aus Punk und Irish-Folk versprüht diese Band viel Freude, die die Zuschauer bisweilen in Ekstase versetzt. Sie tanzen Pogo, gröhlen jede Textzeile mit und scheinen sich und die Welt um sich herum zu vergessen. Was wie Gute-Laune-Musik erscheint, hat aber auch einen ernsten Hintergrund. Mit dem neuen Album „11 Stories Of Pain & Glory“ setzen sich die Murphys mit der um sich greifenden Drogenproblematik in ihrer Heimat auseinander. Wut kommt da ebenso zum Ausdruck wie Hoffnung.

Band feiert seit mehr als 20 Jahren Erfolge

Tin Whistle, Dudelsack, Banjo und Akkordeon, dazu alles das, was der Punk so braucht. Fertig ist das Murphys-Rezept, mit dem die Band seit nunmehr 20 Jahren Erfolge feiert. Daran knüpfen die Musiker mit irischen Wurzeln auch auf dem neuen Album an. „Blood“ wuchtet sich in rotem Licht durch die Halle, und auch die Version von „You’ll Never Walk Alone“ passt ins Programm. Bei „Rose Tattoo“ erhebt sich ebenfalls die Stimme des Publikums. Noch so eine Hymne der Dropkick Murphys, mit der sie die Schlussphase ihrer von großer Spielfreude getragenen Show einleiten, die sich bei ihnen traditionell zu einer schweißtreibenden Angelegenheit entwickelt. „The Wild Rover“ komplettiert das Gerüst, aus dem Dropkick-Murphys-Konzerte gefertigt sind: Coverversionen, Traditionals und Punkrock. Der Abend kostet manchem Fan die Stimme, und blaue Flecken erinnern – wie das Konfetti nach einem Zirkusbesuch – noch am nächsten Tag an diese Party.

Dass zwischenzeitlich eine Pfütze von Erbrochenem direkt vor dem Saalausgang platziert war, kann unterschiedlich interpretiert werden. So viel steht jedoch fest: Dieses Konzert war alles andere als zum Kotzen.

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