„New Babylon“ überzeugt in Bremen

Dröhnen und Flirren

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Knapp ein Jahr ist es her, dass sich das Ensemble „New Babylon“ gründete, ein internationales Ensemble für die Interpretation von zeitgenössischer Musik, dessen Interpreten hauptsächlich aus ehemaligen Studenten der Hochschule für Musik in Bremen besteht.

In wenigen Auftritten hat die Gruppe bisher eindrucksvoll gezeigt, was sie drauf hat. Dies bündelte sie nun in einem kleinen „Jubiläumskonzert“ in der Stadtwaage. Der Besuch entsprach nicht dem Niveau des Konzertes, es muss sich wohl erst herum sprechen. Aber man muss wahrscheinlich keine Sorge haben, dass es das auch wird.

Den Rahmen bildeten zwei Stücke von Jörg Birkenkötter, seit 2011 hiesiger Professor für Komposition, zu dessen 50. Geburtstag in diesem Jahr. Birkenkötters so eigene Handschrift, die eine hohes Maß an Reflexion über Musik – als Schüler von Nicolaus A. Huber und Helmut Lachenmann – mit einer stets überraschenden und einfallsreichen Klangsinnlichkeit verbindet, übertrug sich vor allem in „Schwebende Form“ (1999) für Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Cello, Schlagzeug und Klavier. Der Dirigent Kiril Stankow entfaltete die rhythmische Präzision und die sensibel ineinander gehenden Klangfarben einfühlsam und voller Spannung: Birkenkötters Musik besteht immer auch auf mehr oder weniger abstrakten formalen Grundlagen, die er immer neu und anders zusammensetzt.

Hier bringt er recht genau aufeinander bezogene Formen ins „Schweben“ und endet „horchend ins Offene“ (Birkenkötter) – wunderbar gemacht von den Interpreten. In seinem einleitenden Stück „in nomine…“ (1999) für acht Spieler verschränkt er neu erfundene „Verlaufspläne“ mit altem Material, das unterschiedlich deutlich durchschimmert, immer gut fundiert von den Schlagzeugstrukturen.

Auch ein zweites großes Stück konnte überzeugen: das Streichquartett „Atardecer del recuerdo“ – was soviel heißt wie der „Abend der Erinnerung“ – des chilenischen Komponisten Christian Pedro Vasquez Miranda will sich in einem eigentlich einfachen Programm dem Phänomen des Todes nähern. Vásquez entfaltet mit einer marschartigen Spannung Xenakis-ähnliche Wucht, bewegt sich zwischen dröhnenden Tiefen und flirrend-hohen Pianissimi und endet in einer schattenhaften Geistersprache – quasi der Übergang in einen anderen Seinszustand – so zumindest könnte man es verstehen. Ein aufregendes Stück, glänzend gespielt.

Dass das Niveau der Spieler auch die Wiedergabe sozusagen klassischer Stücke erlaubt, zeigte sich an der formidablen Wiedergabe der 1913 entstandenen „Vier Stücke für Klarinette und Klavier“ von Alban Berg durch Martin Abendroth und Mireia Vendrell. Jedes ist nur zwei Minuten lang, aber was steckt voller Expression alles drin!

Ähnliche niveauvolle Wiedergabe erfuhr „Piri“ (1971) von Isang Yun, der mit dem Instrument Oboe seinen Freiheitsgedanken im Gefängnis nachgeht, berührend gespielt von Benjamin Fischer. Ein Spitzenkonzert, das sehr neugierig macht auf Kommendes!

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fast 850 Corona-Tote in 24 Stunden in Spanien

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

Fahrradkauf in Zeiten von Corona

So kaufen Sie Neuwagen online

So kaufen Sie Neuwagen online

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Im "Sterngebirge" das alte Portugal entdecken

Meistgelesene Artikel

Rammstein-Video feierte spektakuläre Premiere - Jetzt ist der komplette Clip online zu sehen

Rammstein-Video feierte spektakuläre Premiere - Jetzt ist der komplette Clip online zu sehen

Dynamisches Brodeln

Dynamisches Brodeln

Seuche oder Tyrannei

Seuche oder Tyrannei

Christian Firmbach vom Staatstheater Oldenburg zur Corona-Krise

Christian Firmbach vom Staatstheater Oldenburg zur Corona-Krise

Kommentare