Al Jarreau und das „Duke Ellington Songbook“

Drei Stunden kongenialer Jazz

Al Jarreau - Foto: Marina Chavez

Bremen - Von Wolfgang Denker. Die Jazznights in der Bremer Glocke sind immer ein besonderes Ereignis. Nicht anders war es am Donnerstag bei Al Jarreau und der NDR Bigband, die Höhepunkte aus dem „Duke Ellington Songbook“ präsentierten. Ein sehr dankbares Repertoire für den Sänger und das Orchester. Zwar ist Al Jarreau (Jahrgang 1940) infolge einer Rückenoperation nicht mehr gut zu Fuß – er kommt mit einer Krücke auf die Bühne und wird von einem Helfer gestützt –, aber ansonsten ist er noch immer ganz auf der Höhe. Er singt im Sitzen, aber so voller Energie, dass es ihn manchmal kaum auf dem Stuhl zu halten scheint.

Die eigenwillige Stimme von Al Jarreau ist ein kleines Wunder. Er kann mit seiner fast akrobatischen Ausdrucksfülle ein ganzes Jazz-Orchester imitieren. Der renommierte Jazzkenner Joachim-Ernst Berendt hat über ihn einmal gesagt: „Jarreau ist ein Instrumentalist der Stimme, seine Musik kommt von instrumentalen Phrasen her.“ Und das bestätigt sich auch an diesem Abend wieder, wenn Jarreau zu einigen Songs das Intro mit rein vokalen Mitteln bestreitet, bevor die NDR Bigband einsetzt.

Aber Jarreau ist nicht nur ein Meister des Scat-Gesangs, der mit Silben und Rhythmen jongliert, sondern er kann auch hochemotionale Balladen wie „Lush Life“ (aus der Feder von Billy Strayhorn) oder besonders „I got it bad“ mit tiefem Ausdruck erfüllen. Das Trompetensolo erinnert hier an den Cool Jazz eines Miles Davis.

Im Mittelpunkt des Abends stehen natürlich die durch Duke Ellington bekannten Klassiker wie „Take the A-Train“, „Mood Indigo“ „Satin Doll“ (Jarreaus Lieblingslied) oder „Sophisticated Lady“. Letzteres unterlegt die NDR Bigband mit einem Bläsersound wie aus Samt und Seide. Überhaupt die groß besetzte Bigband unter der Leitung von Jörg Achim Keller! Sie überzeugt mit einem teils swingenden, dann wieder rockigen Klang. Die diversen Soli von Saxophon, Trompete, Posaune, Flöte oder Gitarre zeugen von der Klasse jedes einzelnen Musikers.

„Cotton Tail“ bestreitet die Bigband allein. Bei manchen Stücken braucht Keller nur ganz minimale Einsätze zu geben – die Musiker lassen die Musik fast von alleine abschnurren.

„Not many play like you, guys“, sagt Jarreau völlig zu recht. Bei seinen kurzen Moderationen blitzt immer wieder sein Schalk durch, wenn er von seiner Jugend in Wisconsin, von seiner Begegnung mit Dave Brubeck oder von seinen ersten Schallplattenaufnahmen spricht. Auch an Bremen hat er gute Erinnerungen, weil in der Nähe ein Lokal sei, wo es Weine aus dem 16. Jahrhundert gibt. Gemeint ist wohl der Ratskeller. Jarreaus Liebe zum Bossa Nova findet in „Come Sunday“, die zum Cha-Cha-Cha in „Satin Doll“ ihren Ausdruck. Ein besonderer Höhepunkt ist der sehr rockige Blues „Ain’t got nothing but the Blues“.

Bei den Zugaben darf natürlich das berühmte und mitreißend servierte „Take Five“ nicht fehlen. Und die fulminante Samba „Mas que nada“ ist der Song, den man noch lange im Ohr hat und mit auf den Heimweg nimmt. Eine sehr individuelle Interpretation von Gershwins „Summertime“ beendet diesen fast dreistündigen Abend, bei dem sich Al Jarreau und die NDR Bigband in kongenialer Weise ergänzen und die Bälle zuspielen. Toll!

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