Kobe trifft Bremen: Nobuko Hayashi und Yukinori Yamamura stellen in der Galerie Herold aus

Doppelter Himmel und Schrift in Bewegung

Im Spitzkohl durch Bremen.

Von Rainer BeßlingBREMEN (Eig. Ber.) · Nobuko Hayashi ist eine weitgereiste Künstlerin. Nach dem Studium in London kam sie zu mehreren Arbeitsaufenthalten nach Europa.

Seit einigen Tagen nimmt auch Bremen eine Zeile in der Vita der 1973 geborenen Japanerin ein. Zusammen mit dem Bildhauer Yukinori Yamamura stellt sie derzeit in der Galerie Herold im Güterbahnhof Arbeiten aus, die dem Zusammentreffen verschiedener Welten empfindsam und ästhetisch reizvoll Ausdruck verleihen.

Vertraut mit der hügeligen Region rund um die Millionenstadt Kobe an der Bucht von Osaka, musste Nobuko Hayashi die norddeutsche Tiefebene als reichlich exotische Landschaft ins Auge fallen. Damit war sie gleich bei ihrem Thema. In Lochzeichnungen überträgt die Künstlerin mit feinem Stich Fotomotive auf Papier. Es entstehen dabei schemenhafte Topographien, äußere Landschaften und Innenwelten gleichermaßen.

Zum Landschaftsbild gehört zwingend der Himmel. auch da kann Bremen dem Gast Neues bieten: So tief und nah sind die Wolken über Kobe nicht zu erleben. In fotografischen Überblendungen bringt Nobuko Hayashi nun japanische und norddeutsche Panoramen zusammen, ein himmlischer Kulturaustausch also. Was den bremischen Betrachter bei dieser Montage befremden dürfte: Hochspannungsleitungen verstellen den gewohnt freien Blick in die vertrauten Wolken. In Japan ist der Blick in Höhe und Weite ohne Kabellinien offenbar kaum möglich.

Ihre fotografischen Doppelhimmel projiziert die japanische Künstlerin auf Teller mit Goldrand, wie ein Mitbringsel aus dem Gastland für das heimische Regal. Um das Thema Reisen und Souvenir geht es auch in zwei Reihen mit Postkarten. In Ansichtskarten, die sie auf Bremer Flohmärkten fand, hat Nobuko Hayashi die Schrift ausgestanzt und die Buchstaben in der vertikalen Anordnung ihrer Muttersprache neu gesetzt. Unmittelbar sinnfällig wird kultureller Transfer auch in Lochzeichnungen, die das Landschaftsmotiv von Kartenvorderseiten aufnehmen, kombiniert mit der beschriebenen Schriftverwandlung.

Ähnlich wie seine Kollegin macht auch Yukinori Yamamura in seinem Ausstellungsbeitrag die persönlichen Eindrücke am Gastort, dessen Erleben und „das Fremde“ zum Thema. Grundsätzlich arbeitet der japanische Künstler im Team mit seiner Frau Yumie. Nach Bremen haben beide ihre beiden Kinder mitgenommen, das eine drei Jahre, das andere neun Monate alt. Für die Fortbewegung in der Stadt hat er sich ein Fahrrad geliehen, im hügeligen Kobe kommt man so schnell nicht auf eine derartige Idee.

Um sich und die Familie gegen norddeutsche Brise und Regenfälle zu schützen, baute Yukinori Yamamura eine ebenso pittoreske wie wirksame Schutzhülle. Das Grün-Weiß des zeppelinförmigen Gebildes ist keine Verbeugung vor dem Ballsportclub an der Weser, sondern einem Gemüse nachempfunden, das der Künstler zuvor noch nie gesehen hatte. Spitzkohl ist in Japan unbekannt, das Japanische hält auch keine Vokabel dafür vor. Dass der Radaufbau zugleich an frühe Flugmodelle erinnert, ist kein Zufall. Der Neu-Radler und Spitzkohl-Entdecker registrierte rasch den raumfahrt- und flugzeugtechnischen Schwerpunkt der Bremer Industrie. Zwischen Muskel- und Turbinenantrieb ist nun sein Bild bremischer Mobilität verankert. Eine Tagesfahrt der Familie Yumie und Yukinori Yamamura im Spitzkohl hat die Bremer Fotografin Edith Pundt festgehalten. Die Fotoserie säumt die Präsentation des Fahrrads in der Galerie.

Die Ausstellung in der Galerie Herold ist bis zum 26. September geöffnet.

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