Wilhelm-Busch-Museum zeigt Traxler und Kunert

„Don Giovanni“ in acht Bildern

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Hans Traxler erklärt Darwin für Kinder: „Die halten sich wohl für was Besseres!“

Hannover - Von Jörg Worat. „Es ist unsere Saison der 90-Jährigen“, sagt Gisela Vetter-Liebenow. Die Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums hat recht: Gerade wurden Ausstellungen der Jubilare Hans Traxler und Günter Kunert eröffnet, im Sommer folgt dann Erich Carle, Schöpfer der „Kleinen Raupe Nimmersatt“.

Die aktuelle Traxler-Schau umfasst das gesamte Untergeschoss. Der Cartoonist, Illustrator und Autor, der am 21. Mai den runden Geburtstag feiert, ist wohl vor allem als Mitbegründer des Satiremagazins „Titanic“ bekannt geworden, im Busch-Museum dreht sich aber alles um seine Kinderbücher - daher der Titel „Paula, Emil, Willi & Eddy“. Zu sehen sind rund 120 Exponate, neben den Farbzeichnungen auch Skizzenbücher und ein Objekt in Form einer Leuchtgans, ist doch besagte Paula eine ebensolche. Die sich bei Traxler aber selbstständig macht: „Hier lohnt es sich immer, aufs Detail zu achten“, betont Vetter-Liebenow, und in der Tat merkt man erst bei genauerem Hinschauen, dass etwa Paula bei ihrem Aufenthalt in Frankreich ihre gewohnte Strick- durch eine Baskenmütze ersetzt.

Gleichzeitig dominieren klare Formen und Farben diese Bilderwelt. Worum es bei „Willi - Der Kater, der immer größer wurde“ und „Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte“ geht, verraten bereits die Titel. Und nicht immer geht es nur putzig zu. In „Komm, Emil, wir gehn heim!“ werden die kleinen Leser behutsam an ein elementares Thema herangeführt: Die betagte und bettelarme Martha sieht sich gezwungen, ihr Schwein Emil schlachten zu lassen - doch auf dem Weg zum Metzger mehren sich die Zweifel (Spoiler: Es gibt ein Happy-End). Die Geschichte hat übrigens einen autobiografischen Hintergrund: In entbehrungsreichen Jahren musste die Traxler-Familie eine Entscheidung treffen, wie mit dem hauseigenen Schaf Susi zu verfahren sei.

Nicht zuletzt ist es ja eine alte Weisheit, dass intelligente Unterhaltung für Kinder auch Erwachsenen Freude machen kann: Leser aller Generationen dürften beispielsweise dankbar sein, den Inhalt von Opern wie „Don Giovanni“ in acht knapp untertexteten Bildern zusammengefasst zu bekommen.

Und wie es sich für einen Vertreter der „Neuen Frankfurter Schule“ geziemt, kommt auch der gehobene Nonsens zu seinem Recht: Eine Serie spielt in jeweils zwei Bildern durch, welche Konsequenzen die Realisierung einer mehr oder weniger abstrusen Grundannahme hätten - und wenn Fische in den Urlaub fahren würden, müssten Reisebusse in der Tat umgebaut werden, wie eine Zeichnung mit wassergefülltem Gefährt und schnorchelndem Fahrer illustriert.

Am 6. März wird Günter Kunert 90 Jahre alt. Ihn kennen viele in allererster Linie als Schriftsteller - sein 1976 geschriebener DDR-Roman „Die zweite Frau“ ist gerade wiedergefunden worden –, doch hat er auch mehrere Semester Grafik studiert und war regelmäßig bildnerisch aktiv. Das entsprechende Gesamtwerk hat er 2012 dem Wilhelm-Busch-Museum übereignet; nun ist in einem Abschnitt der oberen Etage eine kleine Auswahl mit skurrilen Selbstporträts, sexualisierten Katzen und düsteren Impressionen à la George Grosz oder Otto Dix zu sehen.

Termine:

Beide Ausstellungen sind bis zum 5. Mai im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover zu sehen.

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