Relikt aus den achtziger Jahren in der Worspweder Music-Hall / Bekanntes und Bewährtes mal pathetisch, mal melancholisch

Doch nicht lächerlich: Asia erspielen sich Respekt

Prägten drei Jahrzehnte lang die progressive Rockmusik entscheidend: Carl Palmer (l.) und John Wetton. ·
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Prägten drei Jahrzehnte lang die progressive Rockmusik entscheidend: Carl Palmer (l.) und John Wetton. ·

Von Ulf KaackWORPSWEDE · Ein Relikt der Achtziger, die Bombastrocker der Formation Asia, gastierte am Donnerstagabend in der Music-Hall Worpswede vor vollem Haus und warfen die Frage auf, was in Ehren ergraute ehemalige Superstars bewegt, auch Jahrzehnte nach dem Einbüßen dieses Status vor kleinem Auditorium aufzutreten.

Als Asia 1982 aus der Taufe gehoben wurde, trug das Ensemble das Prädikat Supergroup. Und in der Tat, die Musiker gehörten zur ersten Garnitur ihrer Epoche, entstammten damaligen Topacts wie Yes, King Crimson den Buggles und Emerson, Lake & Palmer. Deren orchestrale Gigantonomie setzten sie fort, angereichert mit Elementen des in den 1980er-Jahren angesagten Mainstream-Rocks US-amerikanischen Zuschnitts. Nach dem riesigen Erfolg der ersten beiden Alben verschwand Asia mit dem Niedergang des Progressiv-Rock nahezu schlagartig von der Bildfläche.

Vom Beginn bis zum Ende der Performance präsentierten sich Asia bei ihrem Clubkonzert in Worpswede absolut innovationsfrei. Das war kein Manko, das war Programm. Zwar wurde mit dem 26 Jahre alten Sam Coulson ein Gitarrist der jungen Garde verpflichtet, doch blieb dieser trotz unbestrittener Virtuosität an seinem Instrument farblos und wirkte zwischen den alten Herren wie ein Fremdkörper.

Anders die Senioren: Sänger und Bassist John Wetton und Keyboarder Geoff Downes – der ein gutes Dutzend Tasteninstrumente um sich platziert hatte – waren zwar sichtbar in die Jahre gekommen, überzeugten aber auf ganzer Linie durch musikalisches Können und Spielfreude. Und vor allem der ewig jugendliche Carl Palmer war es, dem das Publikum euphorisch Respekt zollte. In einer Trutzburg von Schlagzeug legte er gleichsam einen Kraftakt und Marathon hin und stellte damit unmissverständlich klar: Seine Schlagzeugsoli gehören immer noch zu dem Besten, das die Branche zu bieten hat.

Ein Konzert wie eine Zeitreise um ein Vierteljahrhundert rückwärts: Asia intonierte bekanntes und bewährtes – mal pathetisch, mal melancholisch: „Only time will tell“, „Wildest Dreams“ und „Days like these“ waren Knaller, die augenblicklich zündeten. Zwischendurch Balladen wie „Voice of America“ oder „The smile has left your Eyes“. Ihren größten Hit „Heat of the Moment” sparte sich das Quartett bis zur Zugabe auf. Es sollte die einzige an diesem Abend bleiben.

Es ist durchaus legitim, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und in der Erinnerung an Zeiten zu schwelgen, als man Hits ablieferte, Stadien füllte und Musikgeschichte schrieb. Doch welcher Künstler hat sich beizeiten in den Vorruhestand verabschiedet? Da will einem partout keiner einfallen.

Muddy Waters, Tony Sheridan oder Ray Charles haben sich zeitlebens nie von der Bühne verabschiedet. Auch Asia tun gut daran, ihr eindrucksvolles Werk lebendig zu halten. Und geben sich damit keinesfalls der Lächerlich preis, wie Kritiker vereinzelt anmerken.

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