„Monty Python‘s Spamalot“ am Oldenburgischen Staatstheater

Diese Bilder! Diese Kostüme!

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Aus dem Vollen geschöpft: Szene aus „Monty Python‘s Spamalot“. 

Oldenburg - Von Corinna Laubach. Während sich die Wogen um einen singenden Mann mit Bart in Frauenkleidern und langer Mähne langsam wieder glätten und der Eurovision Song Contest bis zum nächsten Frühjahr in der Versenkung verschwindet, startet das Staatstheater Oldenburg einen furiosen Endspurt.

Mit einem Mann im glitzernden Fummel, langen Zöpfen, Bart und Prinzessinnenkrönchen auf dem Kopf. Als hätten sie es in Oldenburg geahnt.

Der skurrile Typ auf der Bühne hat sich nicht etwa verlaufen, er (Thomas Birklein) spielt König Artus, die Hauptrolle im wohl neuen Publikumsrenner. Und da die Saison sich dem Ende neigt, gilt es schnell zu sein, bei diesem unglaublichen Abend dabei zu sein.

Geboten wird nicht irgendein Stück. Es ist das wohl schrägste Musical der Welt, das mit „Monty Python‘s Spamalot“ (John du Prez/Eric Idle) seit 2005 die Bühnen erobert. Um es vorweg zu nehmen, man muss kein glühender Fan der britischen Komikertruppe Monty Python sein. Es reicht, schlichtweg alle Erwartungen über Bord zu werfen und sich mitreißen zu lassen. Und das gelingt bereits nach weniger als zwei Minuten.

Im Orchestergraben ertönt die Ouvertüre, die Bläser setzen zum Akkord an. „Peng“, der erste Schrotflintenschuss aus dem Off. Einen Musiker nach dem anderen rafft es dahin. Der Vorhang geht auf, ein selbsternannter Historiker (Klaas Schramm) führt in die Welt um 932 ein, schafft ein Klima für das frühe England und das Publikum schaut auf eine finnische Saunaszenerie. So ist er, der Humor voller Irrungen, Wirrungen und Wortspiele. Und dann kommt Artus geritten, Patsy (Vincent Doddema), der später steppend und „Always look on the bright side of life“ singend großartig sein wird, schlägt zwei Kokosnusshälften als Hufegeklapper aneinander. Der Beginn einer sonderbaren Reise. „Spamalot“ erzählt auf eine ureigene schrullige Art die Sage von König Artus, den Rittern der Tafelrunde und der heiligen Suche nach dem Gral. Hier auch gern „oller Becher“ genannt. Kultstatus hat die Gruppe Monty Python um John Cleese, Eric Idle und Graham Chapman spätestens seit dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“, auf den sich das Musical bezieht.

Am Staatstheater Oldenburg ist das vielgelobte und mit Preisen versehene Stück jetzt in seiner einzigartigen Skurrilität zu bestaunen: Sinnbefreites Theater – und das auf ganz hohem Niveau.

Es ist die Kunst des schmalen Grats zwischen reinem Klamauk und Können. Orchester, Darsteller und Regie ziehen alle Register dieser großartigen Persiflage voller liebevoller Überzeichnungen. Insbesondere lohnt sich in „Spamalot“ das genaue Hinhören auf die Liedtexte. Charmanter kann das Showbusiness nicht durch den Kakao gezogen werden.

Doch zurück zu den skurrilen Rittern. Allesamt eine Truppe, mit der man wenig anfangen kann. Die einen Holzhasen anschleppen, um Frankreichs Festung zu stürmen, die lieber tanzen als kämpfen (Sir Lancelot: Rüdiger Hauffe), die sich selbstverliebt die Haare kämmen (Sir Galahad: Bernhard Hackmann), die trotteliger als echte Trottel sind (Sir Bedevere: René Schack). Und doch, man weiß gar nicht, wohin man zuerst sehen soll. Diese Bühnenbilder! Diese Kostüme! Diese Choreografien! Ekat Cordes hat mit dieser Inszenierung aus dem Vollen schöpfen lassen.

Zweieinhalb Stunden liefert das Ensemble – die Schauspieler erweisen sich abermals als veritable Sänger und werden von der Fee aus dem See von Musicalsängerin Navina Heyne unterstützt – eine urkomische Szene nach der anderen. Nie wurde Theater und Musical schöner auf die Schippe genommen.

Und das Publikum? Kann es ein schöneres Kompliment geben, als einfach nicht gehen zu wollen? Wohl kaum.

Kommende Vorstellungen: am 20., 23. und 30. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Oldenburgischen Staatstheater, Großes Haus.

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