„Die Sterne“ in der Bremer Schwankhalle

Trotzig beharrt

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Die Sterne: Christoph Leich (Schlagzeug), Frank Spilker (Gesang, Gitarre), Thomas Wenzel (Bass, v.l.n.r.).

Bremen - Von Andreas Schnell. Dass am gleichen Abend eine Veranstaltung mit Sahra Wagenknecht angekündigt war, hatte offenbar im Vorfeld für Verwirrung gesorgt. Spilker erzählte gut gelaunt, er sei gefragt worden, ob sie das kulturelle Beiprogramm für den Auftritt der Linke-Politikerin seien. Aber da hatte Wagenknecht längst das Gebäude verlassen. - Von Andreas Schnell.

Überschneidungen im Publikum schien es nicht zu geben. Was wahrscheinlich weniger politisch als kulturell zu lesen ist. Denn zwar verorten sich Die Sterne seit mehr als 20 Jahren politisch immer wieder links. Ein Aufruf den Wahlurnen folgt allerdings nicht daraus. Eher schon ein beherztes „Fickt das System!“. Wenn auch nicht als Hardcore-Parole gedroschen, sondern mit einem funky Hintergrund und Sinn für das Unzureichende der Forderung. Wie denn auch Ironie ein wichtiges Element im Werk der Band ist, die neben Spilker aus dem Multiinstrumentalisten Thomas Wenzel, dem Schlagzeuger Christoph Leich und bei Konzerten der Keyboarderin und Sängerin Dyan Valdes besteht. Was ihrem Auftritt eine angenehme Entspanntheit verlieh, einschließlich Verweisen auf das eigene Alter und die marginale Position am Markt.

Nach einem charmanten halbstündigen Auftritt zweier junger Männer aus Berlin, die unter dem dänisch anmutenden Namen Snøffeltøffs rudimentären Lofi-Garage-Punk einschließlich eines Songs über das Elbe-Delta spielten, gab es dann einen rund zweistündigen Querschnitt durch die letzten zwei Jahrzehnte, in denen sich die Sterne immer wieder neu erfunden haben, von funkigem Indie-Pop über discoide Beats bis hin zu den psychedelisch inspirierten Stücken des neuen Albums „Flucht in die Flucht“, das durchaus unironisch Befindlichkeiten reflektiert, die unschwer erkennbar autobiografisch eingefärbt sind: Gentrifizierung, Leistungsdruck und Wege damit umzugehen, trotziges Beharren auf dem eigenen Weg.

Dabei scheinen die Sterne nicht zuletzt wert darauf zu legen, dass „Flucht in die Flucht“ komplett zu hören ist. Und machen es dem Publikum schmackhaft, indem sie dessen Songs zwischen ihre alten Hits mischen. Natürlich will das nämlich „Was hat dich bloß so ruiniert“ hören und den „Universal Tellerwäscher“, Songs, die die Band einst neben Blumfeld und Tocotronic zu einem der Aushängeschilder der sogenannten Hamburger Schule machten. Die Sterne wissen eben, was sich gehört, auch wenn sie es sich nicht nehmen lassen, ihre Songs mit einer gewissen Nachlässigkeit aufzuführen, mit Raum für Improvisationen und krachende Gitarren. Aber auch das erwartet man eigentlich von ihnen. Und so hatten am Ende alle ihren Spaß.

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