Zum Tod von Hans-Wilhelm Kufferath

„Die Seele in jedem Ton“

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Er war ein herausragender Musiker und Dirigent: Hans-Wilhelm Kufferath im Kreis des von ihm gegründeten Neuen Kammerorchesters Bremen.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „Er war immer heiter, hatte einen trockenen Humor“, „Durch und durch ein vollkommen uneitler Musiker“, er „verlangte viel, hatte aber ohne Ende Geduld“ sagen die, die Hans-Wilhelm Kufferath als Lehrer und Freund kannten. „Er hat uns Türen geöffnet, von denen wir nichts wussten“, sagt ein Musiker des Neuen Kammeorchester Bremen (NKO). Und eine andere: „Er verlangte Wärme und Struktur des Klanges, so lange, bis er‘s von uns Laien bekommen hat“. 2004 gründete Kufferath das NKO – sein Orchester – und seitdem leitet er es auch, mit zwei Konzerten pro Jahr und einem ungemein anspruchsvollen Programm: Die große Sinfonik der Klassik und der Romantik sind vertreten. „Von allen geht unglaublich viel Herzblut rein, bis das Konzert steht“, sagt eine Geigerin. „Er hat uns immer gesagt, findet die Seele in jedem Ton.“

Das NKO war in den vergangenen zehn Jahren sein Leben – nach einer hoch engagierten Musikerexistenz. Schon Kufferaths Vater und Großvater waren Cellisten am Oldenburger Theater. Nach dem Studium bei Maurice Gendron war Hans-Wilhelm Kufferath von 1964 bis 2004 Solocellist in Wilhelmshaven, kurz in Oldenburg und Bremen (bei den Bremer Philharmonikern). Dazu war er 1971 bis 2005 Mitglied des Festspielorchesters Bayreuth und unterrichtete dreißig Jahre lang an der Hochschule für Künste in Bremen. Im Jahr 1978 rief er eine erfolgreich laufende Kammermusikreihe ins Leben. Alles zusammen machte dies aus dem Musiker eine einzigartige Persönlichkeit, die weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus strahlte. Und die sich stetig verbessern wollte: So sagte Kufferath in einem Interview mit unserer Zeitung zu seinem Abschied in den Ruhestand, dass er „eigentlich noch besser Cello spielen will“.

Als Kufferath im Frühjahr 2004 nach 35 Jahren sein letztes Konzert mit den Bremer Philharmonikern spielte, erhoben sich alle Zuschauer in der Glocke: eine überwältigende Ovation an einen „normalen“ Orchestermusiker? Mit Sicherheit, und der Dank des Publikums an einen außerordentlichen Cellisten, dessen Ausstrahlung sich nach diesem letzten Auftritt vor allem im Neuen Kammerorchester zeigte. Am Mittwoch ist Hans-Wilhelm Kufferath im Alter von 76 Jahren nach einem Konzert, das auf wunderbare Weise seine ganzen Visonen zeigte, überraschend gestorben.

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