Die Pause ist vorbei

„Sommer Summarum“: Bremer Kultursommer bietet Bühnenkunst im Grünen

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Alles nicht normal: Markus Siebert (v.l.), Helge Letonja, Peter Lüchinger, Renate Heitmann, Markus Blanke, Astrid-Verena Dietze und Reinhart Hammerschmidt vom Bremer Kultursommer beim Pressetermin im Licht-Luft-Bad.
  • Rolf Stein
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Bremen – Schon vor einigen Wochen machte es die Runde: Bremen erlebt einen besonderen Sommer. Wegen Corona – trotz Corona. Im Interview mit unserer Zeitung berichtete Renate Heitmann von der Bremer Shakespeare Company von dem Plan, an ganz besonderen Orten in der Stadt einen Kultursommer zu präsentieren. Montagnachmittag gab es nun mehr zu erfahren. Im Licht-Luft-Bad auf dem Stadtwerder, einem jener grünen Kleinode, von denen Heitmann gesprochen hatte, stellten einige der Verantwortlichen das Projekt „Sommer Summarum“ vor.

Dabei war ein Wort mehrfach zu hören: Ein „Geschenk“ sei dieser Kultursommer. Denn Schauspieler und Musiker sind von den Corona-Beschränkungen besonders hart getroffen. Während Friseure, Einzelhändler und Profi-Fußballer ihr Gewerbe wieder einigermaßen ausüben dürfen, Museen und Galerien wieder Kunst zeigen können, sind die Theater und Konzertsäle weiterhin dicht.

Reinhart Hammerschmidt von der Musikerinitiative Bremen (MIB), für den musikalischen Teil des Kultursommers mit verantwortlich, schildert die missliche Lage seiner Zunft bei der Vorstellung des Kultursommers: Der kleine Veranstaltungssaal der MIB würde wohlwollend gerechnet vielleicht zehn Menschen Platz bieten, allerdings auch nur, wenn auf der Bühne nicht gesungen würde, dann könnten es vielleicht noch zwei oder drei sein.

Für ihn ist der Kultursommer ebenso ein Geschenk wie für Markus Siebert, auch als Clown Knäcke unterwegs – wenn auch jetzt seit Längerem nicht. Corona eben. Neben seiner eigenen Straßenkünstlertätigkeit leitet Siebert auch das Festival „Nord nach West“, eine „Straßenkunsttournee“ durch ganz Deutschland, die in diesem Jahr zum zehnten Mal abfahren sollte. Nun kann Siebert sein sonst eher überregional ausstrahlendes Netzwerk für den Bremer Sommer produktiv machen.

Der Abstand ist okay, ansonsten dürfte der Bremer „Sommernachtstraum“ in Coronazeiten ziemlich anders aussehen.

Wie auch sonst Energien zusammenfließen, die sonst andere Kanäle fänden. Heitmann beschreibt die Stimmung mit „Hummeln im Mors“: Nach Wochen erzwungener Pause übertrafen die Reaktionen auf den Aufruf, Ideen für den Kultursommer einzureichen, sämtliche Erwartungen. Hatte man laut Heitmann gehofft, für die insgesamt rund zehn Wochen des Kultursommers sechs Abende die Woche Programm machen zu können, dürfte es ab Anfang Juli durchaus die Qual der Wahl geben.

Es ist derweil ein Zeichen der Zeit, dass das Programm im Einzelnen längst nicht steht. So viel Programm zu organisieren – und nicht zuletzt zu finanzieren – dauert normalerweise viel länger. Heitmann bring es auf die Formel: „Wir machen jetzt in zwei Monaten das, wofür wie sonst 14 Monate brauchen.“ Und das bedeutet ja nicht nur, ein Programm mit Theater, Musik, Tanz und Lesungen zu basteln, sondern auch das Geld dafür aufzutreiben. Tatsächlich ein beachtliches Tempo. Zusammenkommen sollen am Ende rund 80.000 Euro, zu einem Drittel von der Stadt Bremen, zu einem weiteren Drittel von Sponsoren, und zu einem letzten Drittel durch den Verkauf der Eintrittskarten, die es ausschließlich über Nordwest-Ticket und nur im Vorverkauf zu erstehen gibt, um ohne große Umstände Infektionswege nachvollziehen zu können.

Vorstellungen mit klaren Grenzen beim „Sommer Summarum“

Was nur eine in einer Reihe von Maßnahmen ist, die die Pandemie bedingt. Weitere bedeuten: Die Zuschauerzahl ist auf 100 begrenzt, die Länge der Darbietungen auf eine knappe Stunde, die Zahl der beteiligten Künstler auf zwei. Das erfordert nicht zuletzt beim Programm der 25. Ausgabe von „Shakespeare im Park“, wo Klassiker wie der „Sommernachtstraum auf dem Programm stehen, einen ganz neuen Blick auf die Stücke.

Wie überhaupt besondere Zeiten besondere Kreativität erfordern: Helge Letonja vom Steptext Dance Project beispielsweise hat für die Compagnie „of curious nature“ eine coronagerechte Arbeitsweise gefunden und zeigt im Rahmen von „Shakespeare im Park“ unter anderem seine choreografische Sicht auf die Preludes von Frederic Chopin.

Den Reigen eröffnet das Theater Bremen am 18. Juni im Hof des Theaters, an vier Wochenenden im Juni und Juli für je 50 Zuschauer. Was danach geschieht, daran wird noch eifrig gewerkelt. Ab dem 16. Juni soll es dann im Internet unter der Adresse www.sommer-summarum.de weiteren Aufschluss über das Programm geben.

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