Museum Wilhelm Busch Hannover zeigt Hommage an die Zeichnerin

Aiga Rasch, die Frau hinter den drei ???

Das Foto  zeigt eine schwarze Figur, die ein Bild durch Gitterstäbe reicht.
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Aiga Rasch’ Cover zu „Die drei ??? und die rätselhaften Bilder“.

Justus, Peter und Bob: Wohl jeder kennt die jugendlichen Hobby-Detektive aus Rocky Beach. Seit den 80er-Jahren ermitteln die Drei in Bücher und Hörspielen, das Museum Wilhelm Busch Hannover zeigt nun Cover zur Reihe. Gezeichnet hat sie Aiga Rasch.

Hannover – Rund 18 Millionen verkaufte Bücher, mehr als 50 Millionen abgesetzte Tonträger: Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des Museums Wilhelm Busch in Hannover, spricht aus gutem Grund von „einer Erfolgsgeschichte ohnegleichen“. Die Rede ist von der Serie „Die drei ???“, einem generationenübergreifenden Hit, der wohl am allermeisten diejenigen beeinflusst hat, die in den 80er-Jahren groß geworden sind. Das Museum zeigt nun eine umfangreiche Ausstellung zum Schaffen von Aiga Rasch (1941 bis 2009), die das markante Design für die Titelbilder der deutschen Ausgaben entwickelte. Zu sehen sind Originalentwürfe, Skizzen und viel zusätzliches Material.

Als Aiga Rasch dem Kosmos-Verlag 1969 ihre Ideen vorstellte, weil ihr die Entwürfe eines Kollegen für die ersten beiden deutschen Buchausgaben der ursprünglich aus den USA stammenden Serie missfallen hatten, rief sie damit zunächst keineswegs große Begeisterung hervor – das Design der satt farbigen Darstellungen auf schwarzem Grund schien den Verantwortlichen gar zu bizarr. Gleichwohl wagte man den Versuch und sollte später niemals Grund haben, diese Entscheidung zu bereuen. Die Abenteuer der drei jugendlichen Detektive Justus, Peter und Bob kamen im neuen Gewand bestens zur Geltung. So sollte Aiga Rasch bis 1999 für die Buchcover zuständig sein, ab 1979 auch für die Hüllen der Hörspiele.

Verschiedene Techniken

Die Illustratorin arbeitete mit verschiedenen Techniken von der Tuschfeder über Filzstifte bis hin zur Aquarellierung, setzte später auch den Computer ein. Die Schau zeigt mehrere Beispiele von Alternativvorschlägen, die sich zum Teil deutlich unterscheiden: So gab es für die Folge „Die drei ??? und die Geisterinsel“ sowohl einen Entwurf, der vor allem auf gruslige Schattenwirkungen setzt, als auch eine eher konventionelle Darstellung à la Bettlakengespenst.

Eine Kuriosität stellt ein singulärer Entwurf dar, auf dem das Detektiv-Trio persönlich abgebildet ist, was sonst grundsätzlich als No-Go galt, um der Vorstellungskraft der Leser mehr Raum zu geben – dieser „Ausreißer“ wurde dann auch prompt vom Verlag abgelehnt, obwohl die mit Taucheranzügen ausgestatteten Detektive in diesen Darstellungen zwar unterschiedliche Haarfarben aufweisen, aber darüber hinaus kaum als individuelle Persönlichkeiten zu erkennen sind.

Mischung hat ihren ganz eigenen Reiz

Beim Fall des „Tanzenden Teufels“ schlug Rasch etliche Varianten zwischen Nah- und Fernansicht vor, wobei sich einmal mehr erwies, dass es größere Wirkung erzeugen kann, wenn Details nicht gar zu deutlich sichtbar werden. Ein Beispiel für das genaue Gegenteil wiederum ist die Serie zur „Schwarzen Katze“ – dort machte schließlich der subtil ausgearbeitete Kopf des Tieres im Großformat das Rennen, ein zumindest für empfindliche Gemüter potenziell durchaus furchteinflößendes Bild.

Zu sehen sind außerdem Buchcover aus Finnland oder Taiwan, was interessante Vergleiche ermöglicht, oder Illustrationen, die Aiga Rasch für andere Kinder- und Jugendbücher geschaffen hat, unter anderem zu Texten von James Krüss. Allerdings entsteht doch der Eindruck, dass die Künstlerin mit den „Drei ???“ ihr Meisterstück abgeliefert hat – diese spezielle Mischung aus Pop-Art-Plakat-Ästhetik und Comic-Attitüde hat eben ihren ganz eigenen Reiz.

Komplette Schrottplatz-Szenerie in der Ausstellung

Das ist natürlich noch längst nicht alles. Vitrinen präsentieren frühe Auflagen von Tonträgern, die heute hoch gehandelt werden, weil sie noch mit dem später aus Lizenzgründen nicht mehr verwendeten Logo von Alfred Hitchcock versehen sind. Und vorne ist als liebevolle Hommage an die Zentrale der drei Detektive gar eine komplette Schrottplatz-Szenerie aufgebaut. Die ist unübersehbar, während man ein schönes Detail erst bei genauem Studium der Ausstellung entdeckt. Es zeigt, welche Wertschätzung Aiga Rasch bei ihrem Verlag genossen hat: Sie erhob als erklärter James-Bond-Fan nämlich Einspruch, als eine „???“-Folge „Diamantenfieber“ genannt werden sollte – prompt wurde diese Story in „Diamantenschmuggel“ umgetauft.

Wer die obere Museumsetage betritt, findet sich in einer gänzlich anderen Welt wieder. Dort ist eine große Auswahl an Graphiken von Honoré Daumier (1808 bis 1879) zu sehen. „Wir haben die unpolitischen Arbeiten in den Mittelpunkt gestellt“, sagt Gisela Vetter-Liebenow und gerät alsbald ins Schwärmen: „Auch auf schwarz-weißen Blättern glaubt man bei Daumier Farben zu sehen, und er ist ein Meister in der Darstellung von Bewegung.“ Ob Ehe, Kunst oder Mode: Nichts war vor dem satirischen Zugriff des Künstlers sicher. Das hauseigene Konvolut zum Thema Juristerei stellt das Museum zum allerersten Mal aus: „Solche Blätter sind für manche Vertreter dieser Berufe ein beliebtes Sammelgebiet“, erläutert die Direktorin.

Honoré Daumiers „Ménage modèle, – depuis trente ans ils cultivent la vertu et la giroflée!“

Einige Bildlegenden in der Daumier-Schau sind etwas arg lang ausgefallen. Knackig kommt indes beispielsweise die Darstellung eines Paares daher, das mit seinen Topfpflanzen ganz gemütlich aussieht – aber die Untertitelung bringt doch Zwischentöne ins Spiel: „Musterhaushalt. Seit dreißig Jahren kultiviert man Tugend und Mauerblümchen!“ Und der mehrdeutige Gesichtsausdruck eines Mannes, der seiner Frau offenbar beim Singen zuhört, findet ebenfalls eine verbale Erklärung: „Nachteil der Heirat mit einer Frau mit einem sogenannten künstlerischen Talent“.

Nicht zuletzt gibt es ein Blatt, das für Journalisten besonders interessant und in einem gewissen Sinn sogar schmeichelhaft sein mag: Gespannt beugt sich da der Barbier in seinem Salon über ein Druckerzeugnis, das ihm entgegengehalten wird – der Kunde auf dem Stuhl hätte es allerdings wohl lieber, wenn sich der Figaro auf das scharfe Rasiermesser in seiner Hand konzentrieren würde.

Der Besuch

Die beiden Ausstellungen laufen noch bis zum 23. Januar im Museum Wilhelm Busch. Öffnungszeiten: von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt sind es vier Euro.

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