Sinfonie Nr. 1 und Nr. 7 mit dem Charme des Live-Erlebnisses: Orchester veröffentlicht Mitschnitt zweier Konzerte in der Glocke auf CD

Dezidiert romantisch: Bremer Philharmoniker spielen Mahler

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Bremen - Von Johannes Bruggaier. An Gustav Mahler sollt ihr sie erkennen, die großen Orchester dieser Welt. Denn es reicht ja nicht, seinen Werken mit dem Anspruch von Perfektion zu begegnen, ihre zum Teil immensen Schwierigkeiten allein mit Kraft und Technik aufzulösen. Sonst geht der spätromantische Impetus flöten und lässt bloß eine schwerfällig anmutende Etüde übrig.

Nein, es muss schon noch so etwas wie eine höhere Dimension dazukommen, eine unverbrauchte Idee davon, wie sich das Schwere und das Leichte in seiner Musik zusammendenken lassen, und ein Klangbild, das dieser Idee auf ganz natürliche Weise entspricht. Es gibt berühmte Beispiele für solche glücklichen Fügungen: Chicago Symphony etwa in den neunziger Jahren unter Claudio Abbado. Oder auch New York Philharmonic unter Leonard Bernstein in den späten Sechzigern.

Daran darf man sie selbstverständlich nicht messen, die beiden nun veröffentlichten Mahler-CDs der Bremer Philharmoniker. Die Sinfonien Nr. 1 in D-Dur und Nr. 7 in e-Moll hat das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Poschner vorgelegt: nicht als Einspielung im eigentlichen Sinne, sondern als Mitschnitt zweier Konzerte im vergangenen Jahr. So ist mit Detailarbeit unter Produktionsbedingungen nicht wirklich zu rechnen, im Vordergrund steht der Charme eines Live-Erlebnisses. Dabei kann sich das Ergebnis durchaus hören lassen, was insbesondere für die Sinfonie Nr. 1, „Der Titan“, gilt. Poschner setzt tendenziell auf gemächliches Tempo und elegische Phrasierungen, einen dezidiert romantischen Zugriff also. Das kommt den dunkleren Klangfarben seines Ensembles zugute und garantiert eine zwar nicht gerade innovative aber dafür grundsolide Mahler-Exegese – eine wunderbar feinsinnige Mystifizierung der Natur, die im frappierend zart ausformulierten Jagdhorn-Motiv ihren Höhepunkt findet. Verdruss bereiten da lediglich Unschärfen in der Intonation, etwa bei heiklen Bläsereinwürfen im ersten Satz: Flüchtigkeiten eines Livekonzerts, die aber bei der Nachbearbeitung für gewöhnlich behoben werden.

In der Sinfonie Nr. 7 rufen die Temposchwankungen manchmal ruckhafte Akzentuierungen hervor, ein Effekt, der nicht zum auch hier vorherrschenden elegischen Stil passen will. Dafür überzeugt das Orchester mit einem homogenen Klangbild und einer sorgsam austarierten Dynamik im allzu leicht aus den Fugen geratenden letzten Satz.

Es mag auch eine finanzielle Frage sein, weshalb der Bearbeitung nicht mehr Sorgfalt geschenkt worden ist. So ist diese potenziell höherwertige Aufnahme zunächst einmal für Freunde der Bremer Philharmoniker und insbesondere zu Erinnerungszwecken interessant.

Bremer Philharmoniker: „Gustav Mahler, Symphonie Nr. 1 D-Dur ‚Der Titan‘“, Bremer Philharmoniker GmbH: 16,90 Euro

Bremer Philharmoniker: „Gustav Mahler, Symphonie Nr. 7 e-Moll“, Bremer Philharmoniker GmbH: 16,90 Euro

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