Deutschland im Fokus

Stadttheater Bremerhaven sucht in der kommenden Spielzeit nach der Heimat

Generalmusikdirektor Marc Niemann.

Bremerhaven - Von Wolfgang Denker. Auch wenn das Stadttheater Bremerhaven den „International Opera Award 2019“ (für die Produktion „The Lodger / Der Untermieter“ von Phyllis Tate) nicht bekommen habe, sei doch allein die Nominierung eine Auszeichnung. Das betonte Kulturdezernent Michael Frost zu Beginn der Pressekonferenz, bei der Intendant Ulrich Mokrusch die Pläne für die kommende Spielzeit vorstellte. Für Mokrusch ist es schon die zehnte Spielzeit in Bremerhaven – und sein Vertrag ist gerade verlängert worden.

Wie in der Vergangenheit, als der Fokus etwa auf Radikalisierung, Europa oder Amerika lag, gibt es auch diesmal ein Motto; „Deutschland, Heimat, was ist ‚Deutschsein’?“ heißt es. Natürlich sei es im Schauspiel leichter einen Bezug zu Deutschland herzustellen als in der Oper, sagt Mokrusch. Aber im Schauspiel würden rund 150 Jahre deutscher Geschichte widergespiegelt.

Mit „Der Biberpelz“ (28. September) von Gerhart Hauptmann, „Die Blechtrommel“ (9. Oktober) von Günter Grass, „Die Akte General“ (9. Mai) von Peter Hilton Fliegel und „Rio Reiser – Wer, wenn nicht wir“ (15. Februar) von Ingo Putz als Uraufführung wird ein weiter Bogen vom wilhelminischen Deutschland, über das Dritte Reich, die Adenauer-Zeit bis hin zur Hausbesetzer-Szene der 70er-Jahre gespannt. Bei „Die Akte General“ handelt es sich ebenfall um eine Uraufführung. Das Stück dreht sich um Fritz Bauer, der für die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen und die Verhaftung von Adolf Eichmann sorgte.

Das Schauspiel im Kleinen Haus bringt die Stücke „Ich, Feuerbach“ (20. September) von Tankred Dorst, die Komödie „Extrawurst“ (20. Dezember) von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, den „Struwwelpeter“ (14. Februar) als Junk-Oper von der britischen Pop-Gruppe The Tiger Lillies sowie „Aus dem Nichts“ (28. März) von Armin Petras nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin.

Im Musiktheater, das traditionell mit einem Musical beginnt, diesmal mit „Der Graf von Monte Christo“ (21. September) von Frank Wildhorn, ist der Deutschland-Bezug nicht immer gegeben. Aber bei „Werther“ (18. April) von Jules Massenet stammt die Vorlage immerhin von Johann Wolfgang von Goethe. Hier wird Mirko Roschkowski, der in seinen Anfängerjahren in Bremerhaven engagiert war, die Titelpartie singen. Auch „Der Schimmelreiter“ (30. April) von Wilfried Hiller behandelt ein norddeutsches Thema und passt zudem gut zu Bremerhaven. Von André Previn gibt es mit „Endstation Sehnsucht – A Streetcar Named Desire“ (14. März) eine Rarität im Spielplan. Die italienische Oper ist mit der Weihnachtspremiere von „La Cenerentola“ (25. Dezember) von Gioachino Rossini sowie mit „Cavalleria rusticana“ (2. November) von Pietro Mascagni, gekoppelt mit „I Pagliacci“ von Ruggero Leonvallo, vertreten. Und auch die klassische Operette fehlt nicht im Angebot: „Der Bettelstudent“ (1. Februar) von Carl Millöcker zählt zu den beliebtesten Stücken des Genres.

Ulrich Mokrusch Intendant

In der Ballett-Sparte sind drei große Produktionen geplant: „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky wird mit „Der Bolzen“ von Dmitri Schostakowitsch am 19. Oktober gekoppelt. Dann übernimmt GMD Marc Niemann die musikalische Leitung, während bei der Uraufführung von „Feuerwerksmusik“ (29. Februar) die Musik von Georg Friedrich Händel aus der Konserve kommt. „Taiko!“ (25. April) ist ebenfalls eine Uraufführung. Hier geht es um den Klang von Trommeln. Sergei Vanaev arbeitet dabei mit der Taiko-Gruppe Masa-Daiko aus Bremen zusammen.

Auch das Junge Theater ist mit vier Stücken vertreten: „Ein Schaf fürs Leben“ (22. September) nach dem Kinderbuch von Maritgen Matter, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (21. November) nach dem Märchenfilm von Václav Vorlícek, „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ (16. Februar) von Sibylle Berg sowie „Superhero“ (27. März) nach dem Roman von Anthony McCarten. Dabei geht es in den Stücken oft um gegenseitiges Verständnis.

Angucken

stadttheaterbremerhaven.de

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