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Andalusisches Geigenwunder

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Das Bild zeigt Solistin María Dueñas
Solistin María Dueñas sorgte in der Bremer Glocke für magische Gefühle. © David Ausserhoffer

Als dritte von vier Stationen einer kleinen Europatournee der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen stand ein Auftritt in der Bremer Glocke auf dem Programm. Mit dabei: Solistin María Dueñas und Joseph Bastian, der am Dirigentenpult für Alondra de la Parra einsprang.

Bremen – Normal war im jüngsten Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Glocke nur wenig. Umrahmt wurde es von den Schrecken des Ukraine-Kriegs, beeinträchtigt von der kurzfristigen Absage der Dirigentin und geprägt von der Solistin María Dueñas, deretwegen das Konzert – völlig zurecht – das Motto „Andalusisches Geigenwunder“ bekommen hat.

Die Glocke war die dritte von vier Stationen einer kleinen Europatournee der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. In Murcia und Barcelona standen die Abende wegen María Dueñas und der Dirigentin Alondra de la Parra unter dem Zeichen des Weltfrauentags. Eine Erkrankung zwang das Orchester nun aber dazu, sehr kurzfristig einen Ersatz herbeizuzaubern, den man in Joseph Bastian fand. „Funfact“ am Rande: Vor vier Jahren sprang der Dirigent bereits bei den Bremer Philharmonikern ein.

Schweigeminute und ukrainisches Volkslied

Mit einem kurzen Gedenken und einer Schweigeminute wurde das Konzert, das den Opfern des Ukraine-Kriegs gewidmet war, eröffnet und rund 130 Minuten später mit einem ukrainischen Volkslied als Zugabe beendet. In die bedrückende Stimmung passte perfekt der sanfte Einstieg, mit dem Harfe und Solo-Cello die „Variaciones concertantes“ von Alberto Ginastera eröffneten. Schmerzvoll-schöne Momente, aus denen sich ein abwechslungsreiches Stück mit vielen dankbaren Solostellen (vor allem für Viola, Klarinette und Horn) entwickelte. Wie eine Mischung aus amerikanischen Klängen des 20. Jahrhunderts und spanisch anmutenden Momenten erklangen die Variationen.

„Eine sehnsüchtige Melodie in der Solovioline, die uns wie die Stimme einer geheimnisvollen Magierin in eine faszinierende musikalische Welt hineinzieht.“ Gerne stimmt man dem einleitenden Text des Programmheftes zu Sibelius‘ Violinkonzert zu, denn so, wie María Dueñas mit ihrer Geige harmoniert, fühlt es sich magisch an. Dass es global eine Fülle an jungen Menschen gibt, die mit atemberaubender Technik die anspruchsvollsten Werke des Konzertrepertoires spielen können, weiß man. Doch selten besitzt eine 19-jährige Künstlerin bereits eine so starke Ausdruckskraft und Persönlichkeit wie María Dueñas. Sibelius‘ unkonventionelles, oft dunkel getöntes Violinkonzert liegt der Spanierin und ihrer Geige besonders gut. Ohne zu sehr auf die Saiten zu drücken, kommt der sonore, oft mit viel Vibrato gewürzte Ton ihres Instruments zur Geltung. Faszinierend, wie sie in den langen Kadenzen die tiefe Lage betonte, über der die übrigen Stimmen wie Farbtupfer gestreut wurden. Dueñas spielte alles andere als hyperaktiv, und dennoch besaß ihre Interpretation eine starke Ausdruckskraft und über die vollen 30 Minuten des Violinkonzerts eine besondere Intensität. Die Standing Ovations beantwortete sie mit „La Vida Breve“ von Manuel de Falla.

Hohe Spiel- und Klangkultur

Für den Zuhörer, der die spanischen Konzerte der Kammerphilharmonie nicht miterlebt hat, war kaum zu erkennen, dass Joseph Bastian so kurzfristig das Dirigat übernommen hatte (lediglich geringe Schwächen in der Balance Geige-Orchester). In Antonín Dvoráks 7. Sinfonie harmonierten Orchester und Dirigent sehr gut miteinander und formten eine energiereiche Interpretation dieses manchmal zerfahren wirkenden Stückes. Zwar blickte die „slawische Seele“ immer wieder durch, doch Dvoráks „Sturm und Drang“ prägt diese Sinfonie stärker – insbesondere dann, wenn die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen sie spielt. Die gewohnt hohe Spiel- und Klangkultur der Orchestermitglieder kam wiederum vorzüglich zu Geltung, so vermisste man kaum den vollen Streicherton eines gewöhnlichen, noch größer besetzten Sinfonie-Orchesters. Begeisterung beim lautstark sich bedankenden Publikum.

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