Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und der Klang des Wassers

Beinahe seekrank

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Müssen sich nicht verstecken: Die Musiker des finnischen Ensembles „Tsuumi Sound System“ sind in Bremen gern gesehene Gäste.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Naturereignisse als Musik und in der Musik: Seit hunderten von Jahren beschreibt die Musik das Fluten und Donnern, aber auch das stille Fließen von Wasser, seit hunderten von Jahren haben Wellen, Gewitter und Stürme die Musikgestaltung angeregt.

Da war es naheliegend, für das gut besuchte Festkonzert der Deutschen Kammerphilharmonie zum 150. Geburtstag der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Musik übers Wasser auszuwählen: Da muss man nicht lange suchen, die Auswahl ist riesig.

Dabei kam auch viel Unbekanntes zutage, so die Ouvertüre zum Schauspiel „Columbus“, die der 22-jährige Richard Wagner selbst als „Plagiat meiner Jugend“ bezeichnete. Das Mendelssohn-Plagiat mit sechs Trompeten unter der inspirierenden Leitung des argentinischen Dirigenten Alejo Pérez flutete in den Saal, gefolgt von Max Regers „Spiel der Wellen“ aus der Suite über die berühmte „Toteninsel“ von Arnold Böcklin: Die Stimmungen enden mit einer winzigen Welle. Die wohl berühmteste Musik des Abends war die geniale Ouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn, unnachahmlich gekonnt gespielt genauso wie die Stürme Edvard Griegs mit der Heimkehr „Peer Gynts“.

Laut gedonnert „Le Chants de la Mer“ von Philippe Gaubert (1922), still und nett fließend „Tabelaux de voyage“ von Vincent d'Indy (1892) und am Ende noch einmal grell und aufgeplustert „The Sea Reivers“ von einem Granville Bantock (1915). Trotz der thematischen Bindung durch das Wasser stilistisch ein bisschen zu viel des Guten, so ein Programm kann auch seekrank machen.

Ach ja, es gab auch noch die „Barcarole“ aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, die uns etwas von venezianischen Gondeln erzählt. Das allein hätte nicht die Jubelovationen, in die auch der Bundespräsident als Ehrengast einstimmte, hervorgerufen, sondern der Auftritt der finnischen Folkgruppe „Tsuumi Sound System“, die als Gäste der Deutschen Kammerphilharmonie nun schon zum dritten Mal das Bremer Publikum überzeugte.

Die achtköpfige Gruppe – mit den Instrumenten Klavier, Kontrabass, zwei Geigen, Saxophon, Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug –, die ihre Musik als „Finnish Urban Ethno“ bezeichnet und Elemente des Balkan-Folk, Latin-Rhythmen und des Jazz durchscheinen lässt, präsentierte sich in sieben, selbst komponierten Stücken und zwei Zugaben mit einem performancertigen, witzigen und unwiderstehlichen Musikantentum, für das das Orchester mit seinem enorm flexiblen Dirigenten den Grundsound bildeten: eine begeisternde Leistung.

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