Galerie Mitte zeigt „Wir sind für Sie da“ von Rebekka Kronsteiner und Francisco Valenca Vaz

Der Kunst eine Bühne

Vor Ort erschaffen: „Wir sind für Sie da“ in der Galerie Mitte. 
Foto: Galerie Mitte
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Vor Ort erschaffen: „Wir sind für Sie da“ in der Galerie Mitte. Foto: Galerie Mitte
  • Rolf Stein
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Bremen – Es klingt ja irgendwie beruhigend: „Wir sind für Sie da“. Seit ein paar Tagen lädt unter diesem Titel die Bremer Galerie Mitte im Kubo zum Ausstellungsbesuch. Das mag erst einmal nicht spektakulär klingen. Schließlich haben längst auch die anderen Ausstellungshäuser wieder geöffnet.

Aber es ist in der Galerie Mitte noch ein bisschen mehr gemeint. Denn diese Ausstellung des jungen Duos Rebekka Kronsteiner und Francisco Valenca Vaz ist schon von ihrer Entstehung her etwas Besonderes. Und die besonderen Entstehungsbedingungen haben die beiden jungen Künstler dazu inspiriert, ihr Konzept für die schon vor dem Lockdown vereinbarte Ausstellung noch einmal über den Haufen zu werfen und von Grund auf neu zu entwickeln. Ihr ursprünglicher Gedanke hatte auf Distanz zwischen Betrachter und Kunstwerk gesetzt, womöglich wären Trennwände im Galerieraum eingezogen worden – solchermaßen die veränderte Außenwelt mit ihren vergrößerten Abständen zwischen Menschen zu doppeln, schien Kronsteiner und Vaz dann doch nicht attraktiv.

Die äußeren Bedingungen prägten die gemeinsame Arbeit ohnehin schon stark. Der gemeinsame Atelierraum an der Hochschule für Künste war pandemiebedingt geschlossen, gearbeitet wurde deshalb in der Galerie. Wobei richtigerweise zu sagen wäre: Gearbeitet wird in der Galerie. Und damit sind wir bei einer weiteren Bedeutungsebene des Ausstellungstitels: Mit einem Vorhang abgetrennt vom Ausstellungsgeschehen befinden sich die Arbeitsplätze der Künstler. „Wir sind für Sie da“ heißt hier eben auch: Es wird gearbeitet – wenn auch unsichtbar. So ganz sicher wiederum kann man sich aber auch nicht sein, dass in dem Moment, in dem man sich die Ausstellung ansieht, tatsächlich gearbeitet wird. Einblick in die Werkstatt im Galerieraum hat das Publikum nämlich nicht, auch wenn als sicher gelten darf, dass dahinter neue Kunst entsteht, die dann im zweiten Teil des Projekts ab Mitte Juli zu sehen sein wird.

Damit ist, und nun kommen wir zur Kunst, ein operatives Element in diese Schau eingebaut, das sich auch auf der bildnerischen Ebene finden lässt. Kronsteiner und Valenca Vaz kommen von der Malerei, bewegen sich mit ihren Arbeiten aber schon seit Längerem in den Raum hinein – jene wirken dynamisch, auch wenn sie bewegungslos sind. Malerisch sind die starken Farben – es gibt aber eine dritte Dimension, die vor allem Valenca Vaz‘ eher bildhauerische Arbeiten auszeichnet. Doch auch Kronsteiners schon eher wie abstrakte Gemälde wirkende Werke bescheiden sich eben nicht damit, an der Wand zu hängen.

Das passt zu der Idee, den Werkraum als Ausstellungsraum mit dem Vorhang in einen Bühnenraum zu verwandeln. „Die künstlerischen Aktivitäten sind dabei als Form der Kommunikation zu verstehen“, erklären die beiden Künstler. Was in gewisser Weise zwar für annähernd alle Kunst gilt. Dass es den Künstlern aber sehr ernst damit ist, zeigt sich in dem gemeinsam betriebenen Projektraum „MMS Offspace“ ein paar Straßen weiter, in dem sie auf Graswurzelebene die internationale Vernetzung der Kunstszene vorantreiben.

Sehen:

Bis Ende August, Freitag, 16-20 Uhr, Samstag, 12 bis 18 Uhr, Galerie Mitte, Beim Paulskloster 12, Bremen.

Von Rolf Stein

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