„Trainspotting“-Autor Irvine Welsh über die Arbeit an seinem neuen Buch / „Starke Charaktere mischen sich ein“

„Das Scheitern ist spannender als der Erfolg“

Irvine Welsh

Von Volker GebhartDUBLIN (Eig. Ber.) · Als die Geschichte ihren Lauf nimmt, sind sie bereits auf Heroin: Renton, Sick Boy und Spud. Sie sind die Helden aus Irvine Welshs als Kult gefeiertem Roman „Trainspotting“ (1993).

Wie seine Protagonisten in die Drogen-Subkultur geraten, hat Welsh in seinem Buch außen vor gelassen. Im Interview berichtet der 50-Jährige aus Schottland, dass er jetzt an der Vorgeschichte, „Skagboys“ arbeitet.

?Ein zentrales Thema, das sich quer durch ihre Geschichten zieht, ist, wie Menschen ihr Leben in ein Schlamassel verwandeln, indem sie fragwürdige Entscheidungen treffen. Was fasziniert Sie an diesem Mechanismus?

!Zum einem ist das eine universelle Angelegenheit. Zum anderen ist Scheitern sehr viel spannender als Erfolg. Nehmen wir an, jemand Erfolgreiches erzählt seine Geschichte in einer Bar. Das endet in einem Zustand der Leere, des sich Brüstens. Jemand hingegen der gerade fehlgeschlagen ist, kommt viel interessanter daher. Scheitern hat so viele verschiedene Formen. Und neben den bekannten Gründen wie der beste Freund, das Girl oder der Boss hat Schuld, spielt immer auch ein Element von Selbst-Sabotage hinein.

?Würden Sie sagen, dass Trainspotting Ihr bisher persönlichstes Buch ist?

!Wahrscheinlich ja. Es ist auch meine erste Veröffentlichung.

?Auf ihrer Webseite sagen Sie, dass Sie mit Trainspotting versucht haben, eigene Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Drogenmissbrauch sowie Berührungen mit Ecstasy in der Rave und House Szene zu reflektieren.

!Ich denke, jede Novelle ist auch eine Nachforschung des Autors über sich selbst und die Umgebung in der er lebt. Definitiv habe ich versucht, meine eigenen Angelegenheiten aufzuarbeiten. Zudem war ich immer interessiert an Zeiten des Übergangs und hierbei insbesondere an den Achtzigern.

?Nachdem sie mit „Porno“ bereits einen Roman vorgelegt haben, der erzählt wie es mit den Charakteren weiter geht, drehen Sie jetzt die Uhr zurück. Zur Zeit vor Trainspotting für ein Prequel, das „Skagboys“ heißen soll.

!Ja, das ist richtig. Es ist der erste Teil von Trainspotting, den ich nie veröffentlicht habe.

?Die Vorgeschichte existierte also bereits?

!Ja, in einer Rohfassung. Trainspotting war ursprünglich eine sehr viel umfangreichere Arbeit, aus der ich meinen ersten Roman quasi aus der Mitte herausgeschnitten habe. Während ich den ersten Abschnitt zur Seite gelegt habe und dann vergaß, habe ich den späteren Teil bereits für andere Geschichten und Bücher kannibalisiert.

?Aus welchem Grund haben Sie den Anfang zunächst vernachlässigt?

!Zur damaligen Zeit machte mich die Überhöhung von Politik in Großbritannien wütend. Alles wurde politisiert. Und ich war der Auffassung, der erste Teil meines Buches würde zu sehr auf diesen Aspekt eingehen. In der Zwischenzeit bin ich älter geworden, und jetzt ist es für mich spannend, zurück zu gehen an den Anfang und nachzuforschen, was zu welchen Effekten geführt hat.

?Sie scheinen grundsätzlich sehr an ihren Charakteren zu hängen. Nicht nur Renton und Begbie tauchen immer wieder mal in ihren Arbeiten auf. Auch mit Detektiv Ray Lennox aus „Drecksau“ gibt es in „Crime“ ein Wiedersehen.

!Manchmal ist es so, wenn ich die Idee für einen bestimmten Plot habe und losschreibe, dass ich dann feststelle, dass ich den Charakter, den ich benutze, vorher schon mal verwendet habe. Das war zum Beispiel mit Porno der Fall. Sick Boy war nicht in der ersten Fassung. Bis ich dann festgestellt habe, dass es sich bei der vermeintlich neuen Figur um ihn handelt. Ich denke, wenn Charaktere stark genug sind, dann mischen sie sich ungefragt von selbst wieder ein.

?Was hilft Ihnen dabei, Charaktere zu definieren?

!Ich tendiere dazu, eine Playlist für jeden einzelnen aufzustellen.

?Tatsächlich? Dann müssen wir wissen, was steht auf Begbies Playlist?

!Bei Begbie stehen Rod Stewart und Slade drauf. Eher kommerzielle Sachen aus den Siebzigern.

?Und was hört Renton?

!Renton, das wären Bands wie The Fall und Madness. Viel Punk dabei. Insgesamt ein breiteres Spektrum.

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