Pressebilder trotz Corona

Landesmuseum Oldenburg bereitet „World Press Photo“-vor

Ein Junge in einem roten Shirt sitzt vor einem Bild bei der „World Press Photo“. Auf diesem ist ein weinendes Kind zu sehen, dessen Mutter von einem Polizisten durchsucht wird.
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Die Ungerechtigkeiten der Welt zeigen sich bei der „World Press Photo“ in vielen Bildern.

Eine kulturelle Veranstaltung zu planen ist aktuell nahezu unmöglich. Die Macher der „World Press Photo“ in Oldenburg tun es trotzdem. Die renommierte Schau soll vom 20. Februar bis zum 21. März im Landesmuseum über die Bühne gehen.

  • „Wolrd Press Photo“ findet vom 20. Feburar bis 21. März statt.
  • Drei statt vier Wochen Laufzeit wegen Corona.
  • Hygienekonzept und EInbahnstraßensystem soll Besucher schützen.

Oldenburg – Erst einmal in seiner Historie war das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg geschlossen – im Jahr 1945, als die alliierten Besatzungsmächte zu viele „militärische Themen“ feststellten, die es zu entfernen galt. Bei der aktuellen Schließung geht es eher um Aerosole, eigentlich nicht mal um die, „sondern darum, dass die Leute möglichst wenig aus dem Haus gehen“, erklärt Museumsleiter Rainer Stamm. Und versöhnt ihn ein bisschen. Schließlich ist er nach eigenem Bekunden „zerknirscht, dass Museen wie andere Kultureinrichtungen behandelt werden.“ Dass jüngst trotz der Schließung eine Handvoll Journalisten im großen Saal zum Pressegespräch saßen, ist wohl dem Zweckoptimismus der Veranstalter geschuldet – sie planen nach wie für die Zeit vom 20. Februar bis 21. März 2021 die sechste „World Press Photo“. „Die Hände in den Schoß zu legen, wäre ein fatales Signal – dann würde sich der kulturelle Lockdown noch weiter verlängern“, so Stamm.

Im Unterschied etwa zu Theatern sieht man sich klar im Vorteil, nicht nur wegen der großzügigen Räumlichkeiten, die die Umsetzung eines Hygienekonzepts mit Einbahnverkehr und Mengenbegrenzung vereinfachen: „Wir können alles vorbereiten und innerhalb von ein, zwei Tagen von null auf hundert fahren“, erklärt der Leiter des Landesmuseums. Hinter den Kulissen ist man nicht untätig: Die Ausstellung der Michael Schupmann Collection, ein fotografischer Streifzug durch die Geschichte Norddeutschlands ist längst gehängt – gesehen hat sie aber noch niemand.

Foto vom Protest der sudanesischen Jugend ist Pressebild des Jahres

In Verbindung mit der Ausstellung der weltbesten Pressefotos würde sie einen schönen Bogen spannen – von der Frühzeit der Fotografie bis heute. Auch wenn Technik und Ästhetik sich geändert haben dürften, die Themen sind, zumindest bis zum vorigen Jahr, ähnlich. Die Nachkriegsbilder des zerstörten Landes von Hilmar Pabel bilden einen Brückenschlag zu Problemen, die auch im Vorjahr die „World Press Photo“ beherrschten: Krieg, Aufstand, Revolte.

Das Pressebild des Jahres von Yasuyoshi Chiba wählt jedoch einen anderen Ansatz und wurde wohl genau deshalb von der internationalen Jury zum Sieger gekürt: Ganz ähnlich wie bei der Videomontage der Amerikanerin Natalie Bookchin zu den Protesten beim Tod von George Floyd, einem der meistbeachteten Werke der diesjährigen „Lichtsicht“ in Bad Rotenfelde, setzt der japanische Fotograf für die Agence Presse den Protest der sudanesischen Jugend eher still in Szene. Ein Student rezitiert Gedichte, beleuchtet nur von den Handys der Mitdemonstranten: Dieser gewaltlose Widerstand jenseits des Krawalls berührt. Ob der in Kenia ansässige Preisträger bei der Eröffnung der WPP anwesend sein kann, wie es sonst Usus ist, ist jedoch fraglich.

„World Press Photo“ bleibt analog

Ausstellungsinitiator Claus Spitzer-Ewersmann hat aber einen Plan B: Bei Esther Horvath, mit ihrem Bild zweier Eisbären bei der Arktis-Expedition „MOSAiC“-Preisträgerin in der Kategorie „Umwelt“, dürfte die Anreise weniger problematisch sein – sie wohnt in Bremen. Auch sie gehörte bereits im Vorjahr zu den zum Rahmenprogramm geladenen Gästen; inzwischen ist der Kontakt so gut, dass ihre Bilder von einer der größten Expeditionen unserer Zeit mit der Polarstern im Mai im Rahmen der Ausstellung „Polarnight 25/24“ im Museum für Natur und Mensch zu sehen sein sollen.

Einen Plan C für den Fall, dass das Museum im Februar nicht geöffnet sein darf, haben die Organisatoren indes nicht – das Verschieben der Ausstellung, wie an anderen Orten rund um die Welt geschehen, ginge höchstens um ein paar Wochen. Die Schau ins Digitale zu verlegen – ein Format, mit dem sich die RAW Phototriennale in Worpswede im Frühjahr profiliert hatte –, ist laut Spitzer-Ewersmann wegen der parallel laufenden WPP-Ausstellungen nicht möglich (rund 30 von geplanten 84 Orten durften 2020 tatsächlich öffnen).

Rahmenprogramm bleibt: Online und in der Jugendherberge

Immerhin: Einige Veranstaltungen des Rahmenprogramms, an dem man als einem Eckpfeiler und wohl auch Alleinstellungsmerkmal festhalten will, sollen dank einer Kooperation mit dem Lokalsender Oeins per Livestream übertragen werden. Auch soll es erneut die gemeinsam mit der Werkschule organisierten Workshops geben, genauso wie die Angebote für Schulklassen, für die die Ausstellung montagmorgens reserviert bleibt. Die Sonntagsmatineen mit Künstlergesprächen bleiben, allerdings aus Platzgründen in der Jugendherberge. Dort werden die Besucher schon jetzt mit dem omnipräsenten Thema Corona konfrontiert, nämlich, wenn der Leipziger Fotograf Ingmar Björn Nolting sein Langzeitprojekt „Neuland“ vorstellt. Seit März fährt er durch deutsche Lande und hält die Veränderungen durch die Pandemie fest. Seine Bilder wurden vom renommierten „Time“-Magazin abgedruckt – ein Ritterschlag.

Ansonsten bleibt der Betrachter zumindest in dieser Bilderschau von Abstand und Masken verschont; Corona spielt in der Ausstellung von 2020, die bereits ein Jahr weltweit auf Wanderschaft war, bevor sie in Oldenburg gezeigt wird, noch keine Rolle. Das dürfte sich bei der Schau 2022 grundlegend ändern. „Vielleicht brauchen wir dann nur noch eine Kategorie“, frotzelt Spitzer-Ewersmann. Wie sich die Pandemie nicht nur thematisch, sondern auch quantitativ auf die Bewerbungen auswirkt (für 2020 waren es 74 000 Einsendungen von rund 4 500 Fotografen), vermag er nicht zu prognostizieren. Die Pandemie ist aber bei der Planung zu spüren: Lisa Knoll, Organisationsleiterin der „World Press Photo“, appelliert an die Besucher, in der Woche statt am Wochenende zu kommen. Um Engpässe zu vermeiden, läuft die Ausstellung vier statt drei Wochen und ist donnerstags und freitags bis 20 statt wie bisher 18 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung sei nur zu den Veranstaltungen im Rahmenprogramm erforderlich. Klingt alles besonnen – warum der Vorverkauf allerdings gerade in diesen Zeiten nicht online, sondern ausschließlich über eine Buchhandlung abgewickelt wird, bleibt ein Rätsel.

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