Das Musikfest Bremen stellt sein Programm vor

Es darf ein bisschen mehr sein

Foto von Dario Acosta / Deutsche Grammophon
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Bremen - Das Musikfest Bremen wird in diesem Jahr zum 27. Mal gefeiert. Gestern stellte Intendant Thomas Albert das Programm vor und eröffnete den Vorverkauf. Business as usual?

Wie man's nimmt. Zumindest wirkt Albert jedes Jahr aufs Neue bei der Präsentation des Musikfest-Programms aufrichtig enthusiastisch. Und betonte gestern, die Planung des 27. Festivals sei nicht weniger aufregend als beispielsweise die Jubiläumsausgabe im vorletzten Jahr. Schließlich gilt es das zu ermöglichen, was Albert Ausgangspunkte nennt. Einen solchen markierte einst der vor Kurzem verstorbene Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der als großer Inspirator Bremen zu einem Hotspot für Alte Musik machte. Und, weil er die Rede von der „historisch informierten“ Aufführungspraxis verabscheute, lieber von „historisch neugierig“ sprach.

Diese Neugier proklamiert Albert auch für das Musikfest, das in der Tat nicht nur immer wieder liebgewonnene Bekannte wie das Metropole Orkest präsentiert, sondern ebenso konstant auf neue Namen setzt – und seien es auch „nur“ Künstler, die noch nicht auf dem Musikfest gespielt haben, wie Daniil Trifonow, der wohl so etwas ist wie der Pianist der Stunde. Seine große Kollegin Martha Argerich soll über ihn gesagt haben: „Er hat Zartheit und auch das dämonische Element. Ich habe so etwas noch nie gehört.“ Am Freitag, den 26. August, ist der Ausnahmemusiker in der Glocke zu erleben. Und wer weiß, vielleicht ist das, den Gedanken von den Ausgangspunkten im Sinn, der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Schon etwas länger funkt es derweil zwischen dem Musikfest und dem Operngenre. Gleich viermal Musiktheater gibt es in diesem Jahr, erstmals an allen vier Festival-Wochenenden. Den Auftakt dieser Reihe macht Vincenzo Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ am Sonntag, den 21. August, im Oldenburger Staatstheater. Auf dem Programm steht auch die erste Oper der Musikgeschichte: „L'Orfeo“ von Claudio Monteverdi. Am 3. September kommt dafür gar Rolando Villazón nach Bremen, der möglicherweise berühmteste Operntenor der Gegenwart.

Nun mag man neugierig sein darauf, Stars wie Trifonow oder Villazón endlich einmal auf der Bühne erleben zu dürfen – aber um den Anspruch auf künstlerische Neugier zu erfüllen, darf es durchaus noch ein bisschen mehr sein.

Dafür steht natürlich traditionell und programmatisch die Reihe „Surprise“ im BLG-Forum, die auch in diesem Jahr wieder spannende Brückenschläge verspricht. Vom 29. August bis zum 1. September verbindet dort beispielsweise die Flötistin Naissam Jalal mit ihrem Ensemble Rhythms of Resistance morgen- und abendländische Stilistiken, improvisiert das Quartett Note Forget über die Klavierliteratur von Bach über Debussy bis zum Jazz-Pianisten Brad Mehldau, führt Tigran Hamasyan armenische sakrale Musik seit dem 5. Jahrhundert bis in die Gegenwart auf. Und gleich nach der „Surprise“-Reihe trifft das Metropole Orkest auf die Jazz-Funk-Band Snarky Puppy.

Schon seit 2010 ins Musikfest eingebettet ist das Arp-Schnitger-Festival, das dem großen Orgelbauer aus der Wesermarsch Tribut zollt, der in der Barockzeit über 100 Orgeln schuf, die nicht nur im norddeutschen Raum, sondern auch in England , Russland, Spanien und Portugal zu finden sind. Besonders reich an Schnitger-Orgeln ist die norddeutsche Tiefebene zwischen Hamburg und Groningen. Letzteres steht auch in diesem Jahr wieder auf dem Spielplan.

Und es versteht sich von selbst, dass das Musikfest auch dieses Jahr mit einer „Großen Nachtmusik“ eröffnet. Das Prinzip: In drei Zeitschienen und an verschiedenen Orten der Bremer Altstadt wird Musik gemacht, bei der Buchung wählt man pro Zeitschiene ein Konzert, zwischen den Aufführungen bietet der spektakulär illuminierte Marktplatz Gelegenheit zum Sehen und Gesehenwerden. Und gerade bei dieser bestens etablierten Veranstaltung erweist sich der Wagemut von Intendant Albert möglicherweise am deutlichsten: Als neue Spielstätte für die „Nachtmusik“ ist nämlich der Innenhof der Bremer Landesbank programmiert – deren Sitz am Domshof sich bekanntlich noch im Bau befindet. Albert ist aber optimistisch: „Es sieht aus, als ob das klappt.“

Musikfest Bremen: Vom 20. August bis zum 10. September in Bremen und Umgebung. Das Programm im Internet: www.musikfest-bremen.de

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