„Saga“ in der Music Hall Worpswede

Wie damals in Papas Partykeller

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Stilikonen aus einer Zeit, als der Begriff von der progressiven Musik noch nicht mit dem Makel des ewig Gestrigen versehen war: „Saga“ in der Music Hall Worpswede. ·

Von Ulf KaackWORPSWEDE · Jazzer ergrauen in Ehren, Blues-Musiker werden mit zunehmendem Alter zur Legende – mit ihnen verhält es sich wie mit einem über Jahre gereiften Rotwein.

Lediglich die Musikantenriege aus dem Rock’n’Roll-Zirkus scheint zur ewigen Jugend verdammt zu sein – und hat oftmals auch noch Spaß daran. So gesehen und gehört am Mittwochabend beim Auftritt von „Saga“ in der Music Hall Worpswede.

Die Kanadier sind seit Monaten auf Reunion-Tour rund um den Globus unterwegs. Dabei hatten sich „Saga“ eigentlich nie getrennt, lediglich Frontman Michael Sadler klinkte sich für einige Zeit aus, um sich intensiver seiner Familie zu widmen. Nun ist er wieder mit von der Partie, das Experiment mit dem unglücklichen Nachfolger am Mikrofon beendet.

Und die älteren Herren haben nichts verlernt. Gegründet vor 35 Jahren, arbeiten „Saga“ immer noch hart an der Perfektion. Ihre Kompositionen sind komplex arrangiert, der Sound bombastisch bis sinfonisch. Ideenreich orchestrierter Rock, angereichert mit futuristischen und klassischen Elementen. Sie sind Stilikonen aus einer Zeit, als der Begriff von der progressiven Musik noch nicht mit dem Makel des ewig Gestrigen versehen war.

Nach einem kurzen Keyboard-Intro – ein wuchtig-bombastischer Klangteppich, die Achtziger-Jahre halt – geht es dynamisch ins Programm mit „Out of the Shadow“. Es folgen die Klassiker „How long“ und „On the loose“. „Saga“ spielt routiniert auf, beschränkt sich aber nicht auf ein routiniertes Abspulen der Songs. Die Band ist engagiert und motiviert bei der Sache, ihre Spielfreude spürbar. Von Verschleiß keine Spur.

Im Zentrum steht dabei ganz unzweifelhaft Sänger Michael Sadler, der dann und wann auch mal das Keyboard bedient. Geblieben ist von seiner Achtziger-Jahre-Matte und einem heute peinlich wirkenden Schnauzer lediglich eine Glatze. Durchaus kleidsam für den charismatischen, gestenreichen Entertainer. Ansonsten hat er nichts eingebüßt über die Jahrzehnte. Seine herrlich klare und doch kraftvolle Stimme dominiert den typischen Sound der Kanadier.

Vor dem Hintergrund oftmals erschlagender Keyboardpassagen setzt Gitarrist Ian Crichton einen deutlich kontrastreichen Akzent. Virtuos bedient er sein Instrument, überflügelt mit Staccato-Rhythmen das solide Bass-Fundament und glänzt immer wieder mit filigranen Solopassagen.

Obwohl das kanadische Quintett seit 1978 nahezu im Jahresrhythmus neue Alben veröffentlicht hat, liegt der Schwerpunkt des kredenzten Repertoires ganz klar auf den großen Charterfolgen aus den frühen Achtzigern. Und genau das sind auch die Songs, welche die ebenfalls an Jahren gereifte Retrotruppe vor der Bühne hören will. Da kommen pubertäre Erinnerungen hoch bei „Humble Stance“ und „Scratching the surface“: Weißt du noch, damals in Papas Partykeller, in der Dorfdisco, auf der Abi-Fete?

Und noch eine nette Randnotiz: Keyboarder Jim Gilmour hat für das Konzert in Worpswede krankheitsbedingt absagen müssen. Via Handy übermittelt das Publikum dem Bettlägerigen, initiiert von Sadler, die besten Genesungswünsche. Der adäquate Ersatzmann an den Tasten wurde übrigens kurzfristig in Berlin gefunden und hat das komplette Repertoire binnen eines halben Tages einstudiert.

Es sind pfiffige 90 Minuten voller Energie, die „Saga“ in der Worpsweder Music Hall abliefern, an keiner Stelle steril und mit einem durchaus angenehmen Hauch von Nostalgie. Mit „Don’t be late“ und „Wind him up“ gibt es – auch ohne neues Songmaterial – schließlich ein fulminantes Finale. Schön war’s, ganz so wie damals.

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