Ray Lema lässt beim „Sommer in Lesmona“ leichtfüßige Weltmusik in Knoops Park perlen

Crossover mit Picknickkorb und Wunderkerze

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Ray Lema.

Bremen - Nicht erst seit ihren Beethoven-Einspielungen mit Paavo Järvi ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im In- und Ausland gefragt. Vor den Proms in London und dem Schleswig Holstein Musikfestival war am Wochenende jedoch ein Stopp in heimatlichen Gefilden ein Muss. Schließlich sind die „Sommer in Lesmona“ mit Picknick, Strohhut und Wunderkerze längst Kult.

Auch in der 25. Auflage setzt man auf kassentaugliche Vielfalt. Nachdem am Samstagnachmittag Schauspieler Michael Mendl das Publikum auf dem idyllischen Hügel im Knoops Park literarisch erotisiert hat, proklamieren die Organisatoren mit der Verpflichtung des kongolesischen Pianisten Ray Lema explizit „Crossover“. Dieser Begriff wirkt, wie unlängst bei der gemeinsamen Aufnahme-Session der Kollegen der Bremer Philharmoniker mit der Indie-Pop-Band Faakmarwin, heutzutage arg strapaziert. Zu dringend vielleicht die Herausforderung, sich angesichts eines überalterten Publikums neu zu erfinden.

Die reich gedeckten Tische mit weißen Tischtüchern und Silberkandelabern, die mit Floralem überbordenden Strohhüte, sie gehören allerdings nach wie vor zum großen Teil der Generation der „Best Ager“ an. Dabei kommen die Eigenkompositionen des 73-jährigen Komponisten und Arrangeurs, der an diesem Abend nur an Piano und Mikro statt am Schlagwerk zu erleben ist, ausgesprochen jugendlich und frisch daher.

Leichtfüßig verknüpft Lema in seinen Kompositionen Elemente aus der Musik seiner Heimat wie lebendige Rhythmen und eingängige Melodien mit der Instrumentierung einer Marching Band sowie Einflüsse wie seiner französischen Wahlheimat wie dem Chanson in der Zugabe.

Mit rhythmisch hingeworfenen Akkorden gibt er den beiden Solisten der Philharmoniker an Posaune und Trompete Futter für jazzige Improvisationen. Das Orchester, von Joshua Weilerstein leidenschaftlich dirigiert, trägt mit großem Sound zum fast cineastischen Klangbild bei.

Nach welchen Kriterien die zumeist klassischen Stücke der Kammerphilharmonie zusammengestellt worden sind – neben Strawinsky und Grieg gibt es auch Bernard Herrmanns „Love Scene“ zu hören, eine Filmmusik aus Hitchcocks „Vertigo“, darüber lässt sich nur spekulieren.

Der rote Faden, den Brahms (von ihm war das Poco Allegretto aus der 3. Sinfonie in F-Dur zu hören) laut dem launig reimenden Moderator Klaus Wallendorf nur bei grünem Veltliner gefunden hatte, lässt sich auch bei Chardonnay oder Prosecco nicht erschließen. Selbige helfen jedoch über diesen Mangel hinweg.

Dem „Feuervogel“ von Strawinsky fehlt es zunächst am Feuer; dafür zirpen die Streicher in den Pianissimo-Passagen so wunderbar filigran, dass das Gezwitscher der Vögel sich darüber legt.

Die legitime Frage, was Crossover jenseits gefüllter Kassen und Plätze soll und bringt wird an diesem Abend immerhin stimmig beantwortet: Spaß. Besonders dank der obligatorischen finalen Wunderkerze.

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