Cool am Pool

„Planet der Hasen“ erzählt in Bremerhaven vom Klimawandel

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Der Name ist Hase - wissen will man da von nichts: Johanna Martin als Hase 1 genießt ihr Leben in vollen Zügen.

Bremerhaven - Von Rolf Stein. Klingt wie von langer Hand geplant: Kaum erobern Schüler die Schlagzeilen, weil sie statt ihrer Noten lieber die Welt retten wollen. Und prompt zeigt das Stadttheater Bremerhaven ein Stück über den Klimawandel, empfohlen für junge Leute ab neun Jahren. Gerade in Bremerhaven gab es da schon öfter was zum Thema zu sehen: Das Stadttheater stellte im Jahr 2013 gar ein ganzes Festival zum Klimawandel zusammen.

Was am vergangenen Wochenende im JUB!, der Spielstätte des Jungen Theaters, das Licht der Welt erblickte, war indes ein ganz neues Stück, von der Jugendsparte des Stadttheaters bei der Dramatikerin Tina Müller in Auftrag gegeben und auf die Zielgruppe zugeschneidert. Und sollten Sie sich jetzt fragen, ob das Thema nicht zu abstrakt ist für Kinder und Jugendliche, seien Sie versichert: Zumindest das Premierenpublikum schien keine Probleme zu haben.

Was gewiss auch am Stück liegt, „Planet der Hasen“, das Tanja Spinger mit zwei enorm spielfreudigen Schauspielern inszeniert hat. Es erzählt von zwei Hasen, die nichts weiter tun müssen, als am Pool zu liegen, in einer Badehose, die echte Pupsgeräusche produziert, und ab und zu den Gummibärchenautomaten zu bedienen, dessen Vorräte unerschöpflich sein sollen. Vorbehaltlich des Endes der Welt allerdings, dass in zehn Tagen per Explosion des Planeten eintritt. So sagen zumindest die einen. Besser gesagt: der eine. Hase 2 nämlich.

Uneins: Hase 2 (Leon Wieferich, l.) und Hase 1.

Hase 1 sieht die Sache allerdings ganz anders. Erstens hat man nunmal nur ein Hasenleben, das sollte man doch wertschätzen und es sich deshalb gutgehen lassen. Zweitens: Wer sagt denn, dass das überhaupt stimmt mit der Explosion des Planeten?

So ganz mögen beide ihrer Meinung nicht vertrauen, neigen mal hier-, bald dorthin - und kloppen sich schließlich sogar in einer toll choreografierten Szene auf dem Trampolin, dass zwischen zwei Badeinseln die Bühne (Ausstattung: Iris Holstein) dominiert. Aber die Tage ziehen ins Hasenland und schließlich spricht einiges für die düstere Prognose. Was die nächste, wirklich schwierige Frage aufwirft: Ließe sich der Weltuntergang überhaupt verhindern - ausgerechnet von zwei Hasen? „Lass doch die Kaninchen die Explosion aufhalten“, schlägt Hase 1 vor.

Hier wird es schon kniffliger. Um eine Strategie zu ersinnen, muss man das Problem kennen. Es ist dabei ein wirkungsvoller Kniff, die Geschichte auf einen fiktiven Planeten zu verlegen. Die Diagnose indes kommt schnurstracks aus der irdischen Moralabteilung: Die Gier soll es sein, die für den Kladderadatsch verantwortlich ist - kurz: wir alle. Nicht etwa eine auf Wachstum geeichte Ökonomie.

Wo die Ursache für die Erderwärmung in den Charakter des Individuums verlegt wird, ist die Lösung des Problems nicht weit: Die Liebe ist es, die „Planet der Hasen“ vorschlägt, nicht als romantisches Pärchending, sondern eher als Solidarität. Was sympathisch klingt, aber erst einmal ein gemeinsames Interesse formulieren müsste.

Immerhin gibt Spinger in ihrer höchst kurzweilige 60 Minuten langen Inszenierung immer wieder Gelegenheit zur Publikumsbeteiligung, was ein Schritt in Richtung Ermächtigung ist. Dass die kleinen Zuschauer - und durchaus auch ihre erwachsenen Begleiter - bei der Stange bleiben, dafür sorgen neben den aufgeweckten Darstellern einige charmante Gesangseinlagen (musikalische Leitung: Felix Reisel).

Weitere Termine:

Dienstag, 26. Februar und Donnerstag, 14. März, 10.30 Uhr, Sonntag, 17. März, 16 Uhr, Montag, 18. bis 22. März, 10.30 Uhr, JUB!, Columbusstr. 2, Bremerhaven.

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