Neue Sammelausgabe

„Hellboy“: Comic-Comeback aus der Hölle

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Ludwigsburg - Von Jan-Paul Koopmann. Ein Teufel ist er. Mit roter Haut, Hörnern, Schwanz und einem riesigen Revolver. Wer das schon sonderbar findet, sollte erst seine Geschichte hören: Im Zweiten Weltkrieg haben ihn die Nazis mit Hilfe des untoten Schwarzmagiers Grigori Rasputin heraufbeschworen, um die Welt zu zerstören.

Daraus wurde allerdings nichts, weil ihn stattdessen eine amerikanische Spezialeinheit fand, an deren Seite er bis heute einen geheimen Krieg gegen Tentakelmonster, Vampire und eben Nazis führt. Dass Mike Mignolas Comic-Epos „Hellboy“ nun aber gerade kein Trash ist, sondern eine außerordentlich kluge Melange aus schwarzer Romantik, Folklore und Superheldengedöns – das ist eine echte Sensation.

Allerdings eine, die schon mehr als 20 Jahre zurückliegt. Und in diese ersten Stunden blickt des Hellboys deutscher Verlag Cross Cult nun zurück und legt das „Kompendium“ vor: die ersten Geschichten im edlen Hardcover auf knapp 450 Seiten. Und anders als in der deutschen Erstveröffentlichung gibt es die nun endlich auch in Farbe.

Doch zurück zum Trash: Mignolas Held ist ein Rüpel, der sich mit (anderen) Monstern prügelt und reichlich blöde Sprüche drauf hat. Nur ist er damit recht allein in der Geschichte. Seinen Gegenspielern ist es nämlich ziemlich ernst mit ihrem unheiligen Getue. Die Figuren stammen aus christlicher Mythologie und zumeist europäischen Volksmärchen: von irischen Kobolden bis zur russischen Hexe Baba Yaga. 

Ihre Welt ist eine sterbende, in der modernen Zeit zunehmend sinnlose, wie zwischen den Zeilen mal pathetischer, mal poetisch wunderschöner Monologe zunehmend klarer wird. Monologe sind das deshalb, weil Hellboy seine Gegner meist ein paar Seiten schweigend gewähren lässt, bevor er ihnen auf die Mütze gibt („Kannst du jetzt endlich mal die Klappe halten?“). Dabei geht ihn das alles eigentlich eine ganze Menge an: Er stammt ja nicht von ungefähr aus der Hölle, und sein Schicksal scheint eng verwoben mit der Krise der Zauberwelt. Es interessiert ihn nur nicht, sagt er, und wirkt dabei zumindest ein-, zweihundert Seiten lang auch wirklich glaubwürdig.

Ein spät pubertierender Held

Aber natürlich hat er einfach Angst, am Ende doch auf der falschen Seite zu stehen. Er hält selbst seine Hörner kurz, wie andere Leute ihre Fingernägel – um bloß keinen schlechten Eindruck zu machen. Und das sind die Zutaten des Comicerfolgs: Eine atmosphärisch dichte Gruselwelt und darin ein spät pubertierender Held, der sich vom Schicksal und faschistischen Zauberern nicht vorschreiben lassen will, was er zu tun und zu lassen hat.

Geht es in „Hellboy“ also vordergründig um mystische Gefahren mit allerlei Pulp-Anleihen, steht dahinter doch die große Frage nach dem, was man sein will, während man etwas ganz anderes tun muss. Das tut ganz besonders einem Genre gut, in dem üblicherweise durch Flüche oder ähnliches diejenigen bestraft werden, die es wagen, sich ihrem „Schicksal“ zu widersetzen. Hellboy schießt wenigstens noch zurück.

Reduzierter Zeichenstil

Gehalten wir diese Spannung auch durch Mignolas reduzierten Zeichenstil. Mit wenigen Strichen schafft er Figuren und Landschaften, die durch Schattenspiele eine verblüffende Tiefe erhalten und unheilvolle Andeutungen ausstreuen. Die in deutschen Ausgaben bisher fehlende Kolorierung verstärkt das erstaunlicherweise sogar noch, wenn sie die Landschaften in ungesunde Blau- und Grüntöne taucht. Im Übrigen sind auch die Hakenkreuze wieder da, die Cross Cult bisher vorsichtshalber verfremdet hatte.

Eine nette Beigabe der Sammelausgabe sind schließlich noch einige kurze Texte von so großen Namen wie Comic-Legende Alan Moore („Watchmen“) oder Horrorautor Robert Bloch („Psycho“). Wer den Einstieg in „Hellboy“ seinerzeit verpasst hat, sollte sich auch von den stattlichen 50 Euro nicht abschrecken lassen. Und wer das alles schon im Regal stehen hat, ist zwar vermutlich ohnehin nicht mehr aufzuhalten, sollte sich die Kolorierung aber doch mindestens noch einmal im Comicladen angucken, statt blind zu bestellen.

Mike Mignola, John Byrne: „Hellboy Kompendium 1“, Cross Cult, 448 Seiten, Hardcover, 50 Euro.

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