Clubnight bei Bremer „Jazzahead“

Tomaten für die Band

Bremen - Von Andreas Schnell. Es bedurfte einer mehr oder minder minutiösen Planung, um am Samstagabend aus dem Überangebot des Jazzahead-Programms die interessantesten Dinge herauspicken und besuchen zu können.

Es war schließlich Club Night, was bedeutete, dass zum eigentlichen Programm der Messe in Congress Centrum, Halle 2 und Schlachthof noch ein Programm mit Konzerten in 27 Örtlichkeiten kam, das zwischen 17 Uhr und 2 Uhr morgens über Bremen und darüberhinaus verteilt einiges zu bieten hatte.

Von dem entspannten Afro-Latin-Jazz der Kuti Mangoes bis hin zum sperrigen Free Jazz der Band Tau des Berliner Saxophonisten Philipp Gropper, von einer eigenwilligen Mischung aus osteuropäischen Spielweisen, Blues und Klezmer der Gruppe Dánjal von den Faröer-Inseln. Der musikalischen Mischung entsprach ein gelegentlich skurriler Mix der Veranstaltungsorte: Die Kuti Mangoes spielten in einem Saal des Swissotels am Hillmannplatz, Groppers Formation im Foyer des Kleinen Hauses am Goetheplatz.

Ein Highlight des Abends gehörte nicht zur Club Night, wie so einige Ticket-Inhaber feststellen mussten: The Tin Men And The Telephone aus den Niederlanden stellten im Schlachthof ihre Vision eines interaktiven Konzerts vor. Anders als gewohnt lautete hier die Bitte: Stellen Sie Ihr Telefon ein und auf maximale Lautstärke! Eine eigens programmierte App sorgte nämlich dafür, dass Teile der Musik über die Mobiltelefone des Publikums aus dem Saal heraus erklang.

Auch andere Möglichkeiten der Intervention gehörten zum Konzept: Live konnte das Geschehen auf einer Leinwand kommentiert werden, am Ende durften virtuelle Tomaten auf die Band geworfen werden, die überhaupt mit viel Humor agierte. Ein Stück widmeten sie den Kühen, die einst im Schlachthof sterben mussten. Darüber drohte die Musik in den Hintergrund zu treten, die es allerdings durchaus in sich hat: Das klassisch besetzte Piano-Trio spielt einen kraftvollen, modernen Jazz, der gelegentlich an das Trio des verstorbenen Esbjörn Svensson erinnert.

Philipp Gropper war bereits mehrfach im Rahmen der Jazzahead in Bremen zu Gast, bislang allerdings als Teil des phantastischen Trios Hyperactive Kid. Diesmal brachte er mit Tau eines seiner weiteren Projekte mit. Zwischen auskomponierten Passagen und freier Improvisation präsentierte sich das Quartett in einem höchst spannungsgeladenen Set, das die Grenzen zwischen Neuer Musik, Jazz und Noise Art auflöste. Zuvor gab Hyperactive-Kid-Schlagzeuger Christian Lillinger eine solistische Erkundung seines Instruments, die nicht über die gesamte Länge zwingend war, aber immer wieder mit interssanten Klangesperimenten verblüffte.

Rubriklistenbild: © dpa

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