Christiane Winter, Leiterin des Festivals „Tanztheater International“, über ihr Programm

Die Komik im Nahost-Konflikt

+
Kraft des israelischen Tanzes: Christiane Winter hat sich in Tel Aviv zum Programm des diesjährigen Festivals „Tanztheater International“ inspirieren lassen.

Hannover - Von Jörg Worat. Die alte Kultursaison nähert sich dem Ende, die neue wirft ihre Schatten voraus: In Hannover beginnt sie traditionell mit dem Festival „Tanztheater International“, das vom 4. bis zum 13. September 2014 seine 29. Auflage erleben wird. Womöglich von Kritik und Publikum wieder gleichermaßen gewürdigt – im vergangenen Jahr lag die Platzausnutzung bei 98,6 Prozent. Ein Gespräch mit Festivalleiterin Christiane Winter. - Von Jörg Worat.

Vier der zehn Produktionen in Ihrem neuen Programm stammen aus Israel, und von dort kamen auch die letzten beiden Gewinner des Internationalen Choreographenwettbewerbs. Ist Israel in der Tanzszene inzwischen der neue Trendsetter, wie einst Belgien?

Christiane Winter: Das würde ich so nicht sagen. Zu den schon lange renommierten Gruppen wie der Batsheva oder der Kibbutz Dance Company kommen inzwischen jüngere Künstler, die verstärkt reisen und dadurch bekannter werden. Der Hauptgrund dafür, dass jetzt bei mir so viele Israelis auftreten, liegt darin, dass ich im vergangenen Dezember eine Woche lang Tel Aviv besucht und mir jeden Tag von morgens bis abends Tanz angesehen habe.

Gibt es denn so etwas wie einen israelischen Stil?

Winter: Auf jeden Fall eine starke Betonung des Kraftvollen, des Physischen. Die männlichen Tänzer sind oft athletischer, als wir das hier kennen. Der klassische Tanz ist dort weniger ein entscheidender Einfluss.

Gleichwohl wollen Sie sehr unterschiedliche Arbeiten zeigen.

Winter: Ja, mir war die große Bandbreite sehr wichtig. So zeigt die „Vertigo Dance Company“ zu ihrem 20-jährigen Jubiläum eine sehr tänzerische Choreographie, in der auch schon mal ein Reigen oder andere Elemente aus dem Volkstanz auftauchen können. Das Ensemble „L-E-V” dagegen, mit dem wir das Festival eröffnen, besteht erst seit 2011 und hat eine ganz andere Bewegungssprache, fließend und abgehackt zugleich. Neben der Tänzerin Sharon Eyal ist der Techno-Musiker Gai Behar stark am Konzept beteiligt. Als ich das Stück „House“ gesehen habe, war es übrigens auf einer Studiobühne, und die Gruppe trug ihre Trainingsklamotten. Ich bin gespannt, wie es jetzt in der Herrenhäuser Orangerie wirkt und mit diesen hautengen Ganzkörperanzügen – wohl ziemlich sexy. Und Hillel Kogans Tanzperformance „We Love Arabs” ist eine wunderbare Arbeit über den israelisch-palästinensischen Konflikt, in der auch gelacht werden darf. Dieses Stück wollte ich auf jeden Fall zeigen.

Warum?

Winter: Weil ich mich für Grenzüberschreitungen interessiere, seien es stilistische Grenzen, politische oder Grenzen im Kopf. Übrigens ist es gar nichts Ungewöhnliches, dass palästinensische Tänzer in israelischen Gruppen mitmachen – in der Kunst hat man da wohl einen anderen Zugang.

Ein sehr spezieller Programmpunkt scheint auch „Pour Ethan“ vom französischen Choreographen Mickaël Phelippeau zu sein.

Winter: Ja. Ethan ist ein 15-jähriger Junge, ein lupenreiner Amateur. Phelippeau hat ihn bei einem kleinen Festival erlebt und nun ein Stück entwickelt, in dem Ethan kleine persönliche Geschichten tanzt, über seine Angst vor Spinnen oder seinen geliebten Handballsport. Das hat in dieser Unmittelbarkeit und Selbstverständlichkeit einen unglaublichen Charme.

Festivalmottos gibt es bei Ihnen ja nur in Ausnahmefällen – in diesem Jahr ist nichts dergleichen zu erkennen.

Winter: Manchmal ergibt es sich, so wie vor einiger Zeit ein Schwerpunkt bei der Neubearbeitung von Tanzklassikern. Aber Mottos können das Programm schnell einengen. Und in diesem Jahr musste ich zum Teil weitere Kriterien zugrunde legen, weil einige unsere üblichen Veranstaltungsorte nicht zur Verfügung standen – in die Musikhochschule werden zum Beispiel neue Sitze eingebaut. Dafür habe ich erstmal die Cumberlandsche Bühne des Staatsschauspiels bekommen. Die ist aber sehr breit und hat wenig Tiefe, also musste ich schauen, welche Produktionen man dort überhaupt aufführen kann.

Der Vorverkauf hat begonnen. Tickets und nähere Informationen sind im Internet erhältlich unter: www.tanztheater-international.de.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Alena Gerber auf Ibiza: Fotos ihres September-Trips

Alena Gerber auf Ibiza: Fotos ihres September-Trips

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Was bringt Ridepooling wirklich?

Was bringt Ridepooling wirklich?

Meistgelesene Artikel

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Deutliche Worte

Deutliche Worte

Einmal Virtualität und zurück

Einmal Virtualität und zurück

Viel mehr als nur Realität

Viel mehr als nur Realität

Kommentare