Konzert der Bremer Philharmoniker

Burschikos und knallig

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Überdimensionalen Klangwellen: Carlo Rizzi ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeEs ist gute Sitte bei den Bremer Philharmonikern, ein Doppelkonzert einem einzigen Komponisten zu widmen. Dieses Jahr war es Claude Debussy, der im August dieses Jahres einen 50.

Geburtstag gefeiert hätte. Debussy ist nicht nur einer der wichtigsten Komponisten des späten 19. Jahrhunderts, er ist auch einer, ohne dessen Denken und Einfluss die musikalische Moderne gar nicht denkbar wäre. Seine Ideen zu neuen Formen und Klangfarben, die ihn jegliche akademische Kompositionsausbildung nahezu hassen liessen, wurden von der Kompositionsjury des damaligen berühmten Rompreises aus als „bizarr, unverständlich und unaufführbar“ eingestuft und abgelehnt.

Mit der Wiedergabe der „Trois Nocturnes“, dem lyrischen Gedicht „La damoiselle élue“, der sinfonischen Dichtung „La Mer“, der „Fantasie für Klavier und Orchester“, den „Deux danses für Harfe und Orchester“ und den „Images“ für Orchester wurden repräsentative Werke von Debussys einzigartiger fantastischer und sensibler Kunst ausgewählt. Der Dirigent Carlo Rizzi steuerte die zum Teil riesig überdimensionalen Klangwellen mit großer Souveränität. Am zweiten Abend fehlte aber Raffinesse und geheimnisvolle Sensibilität in den Klangfarben. Dafür setzte der Dirigent sehr stark auf rhythmische Kraft, so dass das Gesamtergebnis recht knallig und burschikos war. Was nicht heißen soll, dass die bei Debussy besonders geforderten solistischen Orchesterstellen nicht brillant in die klingende Tat umgesetzt wurden: die Trompete, die Klarinette, die Sologeige.

Der Soloharfenist der Berliner Philharmoniker Andreas Mildner war der Solist der beiden Harfentänze, wobei das selten solistische zu hörende Instrument immer eine helle Freude in seiner Mischung aus zartesten Klangfarben und klaren Strukturen ist. Der brasilianische Pianist Jean Louis Steuermann spielte die hochvirtuose Fantasie für Klavier und Orchester wunderbar, machten aus betörenden Klangerfindungen wahre Skulpturen.

Die Komponisten sollen nicht nach Lehrbüchern arbeiten, sagte er einst, sondern der Natur zuhören, einen Sonnenaufgang studieren, das Meer und das javanische Schlagwerk. Das kam rüber, wenn auch nicht sensationell. Ein sehr gutes Konzert, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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