Buniatishvili überzeugt in Hannover

Zart im Sturm

K. Buniatishvili ·
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K. Buniatishvili

Hannover - Von Jörg Worat. Um den Kuppelsaal blies der Sturm. Und auch innen herrschten erhöhte Windstärken vor – das Konzert des Russian National Orchestra mit der Solistin Khatia Buniatishvili hatte seine fulminanten Seiten.

Davon war allerdings zu Beginn noch wenig zu spüren. Ganz im Gegenteil wussten die Musiker und Dirigent Vasily Petrenko eine märchenhaft-magische Atmosphäre zu erzeugen: „Der verzauberte See“ von Anatoli Ljadow wurde zu einem sanft vor sich hinflirrenden, faszinierenden Klanggebilde.

Mit der Ruhe war es vorbei, als Khatia Buniatishvili die Bühne betrat. Schon mit ihrem roten Glitzerkleid signalisierte die georgische Pianistin, dass sie auf gar zu dezentes Understatement keinen Wert legt, und dies löste sich bei ihrer Interpretation von Sergei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert auch ein. Man kann sagen, dass Buniatishvili in die Vollen ging, aber die Formulierung, dass die Musikerin zum Übertreiben neigt, hätte ebenfalls ihre Berechtigung: In den heftigen Passagen flogen die Haare ebenso wie die Finger, während die sanfteren Momente in Richtung des Verhauchten drifteten.

Indes scheinen diese Eigenwilligkeiten hier mehr Stilmittel als Attitüde zu sein – wie immer man zu dieser Art des Vortrags stehen mag, sie ist offenbar aus innerer Überzeugung geboren. Das Publikum jedenfalls zeigte sich begeistert und bekam die Quittung in Form zweier Zugaben: Beim dritten Satz der siebten Sonate von Sergei Prokofjew schien die Pianistin neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen und nebenbei den Flügel in seine Einzelteile zerlegen zu wollen, das anschließende Händel-Menuett überzog sie hingegen mit zartem Schmelz.

Auch Dirigent Petrenko ist kein Kind von Traurigkeit, wie sich besonders nach der Pause bei Antonín Dvoráks neunte Symphonie herausstellte. Das klang streckenweise sehr schmissig, zwar nie wirklich grell, aber hier und da etwas hastig – gleichwohl ist es schon eine große Leistung, diesem alten Schlachtross von Symphonie überhaupt noch frische Züge abgewinnen zu können, und den deutlichen Willen zur Gestaltung verriet Petrenko allemal. Der Lohn: Jubel, einige Bravos, und ohne Zugaben kam auch das Orchester nicht von der Bühne. Von Buniatishvili mit ihren 26 Jahren ist für die Zukunft noch eine ganze Menge zu erwarten, und Petrenko, Jahrgang 1976, hat als Dirigent auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Hoffentlich verheizen sich diese beiden im Klassikzirkus nicht selbst.

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