„KlangKörper 1“: Musik- und Tanzprojekt mobilisiert Menschen auf dem Land

Bürger in Bewegung

Bremen - Von Corinna LaubachIm Proberaum sind alle gleich. Egal, ob jung oder alt, behindert oder nicht. Sie tragen alle rote T-Shirts, vorn steht der Vorname auf der Brust, hinten „OpusEinhundert. Vielfalt bewegt“.

Freude am Tanz, am Ausdruck, an der Bewegung und nicht zuletzt an der Musik stehen im Zentrum des Projektes „KlangKörper 1“, dem ersten des noch jungen Bremer Kulturunternehmens „OpusEinhundert“. Seit Ende Oktober wird an unterschiedlichen Orten an dem generationsübergreifenden Musik- und Tanzprojekt in Niedersachsen und Bremen gearbeitet.

Leonie, Leana und Sina haben mit Bach eigentlich nichts am Hut. Kaum erklingen jedoch ein paar eingängige Töne aus dessen Orchestersuiten, bewegen sich die drei Freundinnen ganz selbstverständlich zu der barocken Musik. „Uns macht Tanzen einfach Spaß“, sagen die Grundschülerinnen. Die Drittklässlerinnen aus Ganderkesee (Landkreis Oldenburg) sind mit Begeisterung Teil von „KlangKörper 1“. Choreograf Alexander Hauer steht während eines großen zweiten Workshops am Reglerpult und spart nicht an Motivationsbekundungen. „Super, macht weiter so“, ruft er durchs Mikro.

Rund 130 Laientänzer proben regelmäßig für „KlangKörper 1“, erarbeiten die Choreografie zur Musik. In der Regel allein in der jeweiligen Gruppe, zwei Mal gab es bislang große Treffen aller Tänzer. „Wir vereinen vom Kleinkind bis zur Oma alle in diesem Vorhaben“, sagt Hauer. Nicht nur das ist eine Besonderheit, sondern auch der Ansatz, sich speziell Menschen auf dem Land zu widmen.

„In Städten gibt es eine Vielzahl an kulturellen Angeboten, die Menschen sind satt. Hier wird jetzt erstmals auch im ländlichen Raum die Möglichkeit zu einem solch übergreifenden Kulturprojekt geschaffen“, ergänzt Komponist Karsten Gundermann. Für ihn sei es einer der ausschlaggebenden Gründe gewesen, sich bei „KlangKörper 1“ zu engagieren. Vier Kompositionen hat der Hamburger bisher geschrieben, einen Brückenschlag aus 400 Jahren Musikgeschichte versucht, in der er mit Bach, harten Beats und Hip-Hop spielt. „Das hier ist kein musikwissenschaftlich gebildetes Publikum. Es gibt ehrliche Reaktionen auf meine Musik, das schätze ich enorm“, sagt Gundermann.

Die Teilnehmer fühlen sich ernstgenommen und begreifen sich als Teil einer Gesamtidee. Da hören die Grundschüler ebenso engagiert auf die Vorgaben von Alexander Hauer wie die Landfrauen Freudenberg-Bassum e.V. oder die Mitglieder der Tanzgruppe der Lebenshilfe Sulingen. Menschen zu vereinen, die im Alltag wenig Berührungspunkte haben, aber gemeinsam etwas in Bewegung setze können – auch dieser Ansatz steht hinter „KlangKörper 1“. So ist es vor allem Freude an Musik, Spaß am Ausdruck und Neugier auf Neues, was die höchst unterschiedlichen Teilnehmer eint. Mit dabei sind zudem Gymnasiasten aus Hannover oder Förderschüler aus Bremen.

Geschichten über

das Vergessen

   Hauer ist glücklich über die große Lust, die alle mitbringen. „Ich nehme sehr dankbar das an, was hier eingebracht wird. Wir versuchen die einzelnen Qualitäten zum Glänzen zu bringen“, erläutert der Choreograf. Er will in der Tanzperformance verschiedene Geschichten über das Vergessen erzählen lassen. Wie die genau aussehen werden, davon lässt auch er sich überraschen. Vorgeben will Hauer so wenig wie möglich. Er setzt auf die Kreativität, die durch das Aufeinandertreffen von Gegensätzen wie jung und alt, Stadt und Land, behindert und nicht behindert entsteht.

„KlangKörper 1“ ist das erste Vorhaben von „OpusEinhundert“. Projektleiterin Corinna Bruggaier und der künstlerische Leiter Alexander Hauer haben beide bereits seit vielen Jahren Erfahrungen in der kulturellen Projektarbeit mit Schülern gesammelt – bei und in Projekten mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Bruggaier hat dort maßgeblich das „Zukunftslabor“ mit konzipiert und aufgebaut. Über die dort absolvierte Arbeit konnten Hauer und Bruggaier sowohl Komponist Gundermann wie auch das Orchester für ihr erstes eigenständiges Projekt mit ins Boot holen. 20 Musiker des renommierten Orchesters werden die Vorführung der Laientänzer am Ende begleiten. „Dass die Kammerphilharmonie sich immer wieder Zeit für solche Projekte und Basisarbeit nimmt, das schätze ich sehr“, betont Hauer.

Im März 2012 feiert die einstündige Choreografie in Bremen und Hannover Premiere. Am 8. März wird das Stück im BLG-Forum in der Überseestadt gezeigt, am 10. März auf dem Expo-Gelände in Hannover. Dann wollen vor allem auch die Kleinen wie Leonie, Leana und Sina auf der Bühne zeigen, wie viel Spaß Tanz machen kann. Selbst zur Musik von Bach.

http://www.klangkoerper1.de

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