Erste Premiere am Theaterlabor Bremen unter neuer Leitung: Maik Priebe inszeniert Schimmelpfennigs „Auf der Greifswalder Straße“

Bühnentatort Generatorenhalle

„Vereinsamung von Figuren, Fehlen von Verbindlichkeiten“: neue Themen am Theaterlabor Bremen. ·
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„Vereinsamung von Figuren, Fehlen von Verbindlichkeiten“: neue Themen am Theaterlabor Bremen. ·

Bremen - Von Andreas SchnellSeit seiner Gründung 2005 hat das Theaterlabor schon so einiges mitgemacht: Anfangs im Waldau-Theater zu Gast, zog das Labor wenig später in den alten Güterbahnhof und dann für ein paar Jahre in die Concordia an der Schwachhauser Heerstraße, dorthin also, wo einst George Tabori (übrigens unter dem Label Theaterlabor) radikale Theaterexperimente feierte.

Später zog das Theaterlabor wieder gen Westen in die Überseestadt, war dann eine Spielzeit zu Gast im Schlachthof, um in diesem Jahr im Volkshaus eine neue Heimat zu finden. Seit dieser Spielzeit hat das Theaterlabor auch eine neue Leitung: Alexander Hauer und Corinna Bruggaier führen jetzt die Geschicke des Projekts. Geblieben ist vor allem eines: Seit seiner Gründung bietet die Einrichtung Theaterschaffenden ohne festes Engagement die Möglichkeit, sich weiterzubilden und auszuprobieren, finanziert wird das Projekt über Bildungsgutscheine von der Bundesagentur für Arbeit. Eines von wenigen Projekten seiner Art in Deutschland.

Genau dieses Konzept hat den Kurt-Hübner-Regiepreisträger Maik Priebe gereizt, die erste Inszenierung des neuen Theaterlabors auf die Bühne zu bringen. „Ich finde das Projekt spannend. Ich bin hier Menschen begegnet, bei denen ich das Gefühl habe: Toll, denen begegnet zu sein!“ Dabei bedeutet ein Engagement am Theaterlabor für den Regisseur mehr Arbeit als an einem Stadttheater. Schon die Suche nach einem geeigneten Stück gestaltete sich aufwändig: „Wir haben die Konzeption erst entwickelt, nachdem die Schauspieler da waren. Wir haben Vorsprechen und Übungen gemacht“, erläutert Priebe. „Das war ein bisschen wie bei einem Casting. Danach haben wir Stücke gelesen, wieder verworfen, neue Stücke gesucht.“

Anders gehe es aber nicht. „Da kommen Menschen, die auf einem sehr unterschiedlichen Stand sind, handwerklich und emotional. Da kann man als Regisseur nicht sagen: Das ist die Idee, so geht’s. So arbeite ich grundsätzlich sowieso nicht, aber hier geht das überhaupt nicht, das geht völlig an den Teilnehmern vorbei.“ Dieser auch pädagogische Ansatz ist Priebe nicht fremd. „Das Theaterlabor ist sehr speziell, aber ich unterrichte auch an Schauspielschulen und arbeite mit Studenten. Das ist ähnliche Arbeit.“

Entschieden haben sich Priebe und das Ensemble des Theaterlabors schließlich für Roland Schimmelpfennigs „Auf der Greifswalder Straße“. Ein Werk, das einen Bruch mit den oft explizit politischen Stücken früherer Spielzeiten darzustellen scheint, die Patrick Schimanski für das Theaterlabor inszenierte. Priebe hält Schimmelpfennig allerdings „für einen sehr politischen Autor, natürlich ganz anders als Heiner Müller. Aber die Vereinsamung von Figuren, das Fehlen von Verbindlichkeiten, das ist ja ein politischer Vorgang.“

Die Generatorenhalle in der Energieleitzentrale bildet dafür einen spannenden Rahmen. Gerade weil der Raum keineswegs prädestiniert ist für Theater: Regelrecht nackt präsentiert er sich dem Publikum, und Priebe will ihn genau so, gezaubert wird nicht, dafür hat das Theaterlabor auch nicht die finanziellen Mittel. Schimmelpfennigs Stück will er möglichst pur auf die Bühne bringen. Was den Kern des Stücks vielleicht umso plastischer hervortreten lässt. Denn auf der Ausfallstraße, die in nordöstlicher Richtung aus Berlin heraus und nach Berlin hineinführt, geschehen märchenhafte, schreckliche, seltsame Dinge. Geradezu magischer Realismus: Alles kann passieren.

Premiere morgen, 20 Uhr, Generatorenhalle (ELZ, Am Speicher 11), weitere Aufführungen: Freitag und Samstag,

jeweils 20 Uhr,

http://www.theaterlabor-bremen.de

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