Bruggaiers Kulturwochen

Wahlumfragen gehören verboten

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Noch lacht die Mutti, aber laut der aktuellen Sonntagsumfrage wird die Luft für Angela Merkel merklich dünner.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Ohne Öffentlichkeit, so haben wir gelernt, gibt es keine Demokratie. Umso bedenkenswerter erscheint mir da, was jetzt der Philosoph Michael Pauen und der Soziologe Harald Welzer in ihrem jüngst erschienenen Buch „Die Autonomie“ postulieren: Bei zu viel Öffentlichkeit, so sagen sie, gibt es auch keine Demokratie.

Hintergrund ist ein Phänomen, das uns alle vier Jahre begegnet, und zwar jeweils in den Wochen vor der Bundestagswahl. Dann ringen die Damen und Herren Generalsekretäre um die Deutungshoheit über die demoskopischen Erhebungen der Meinungsforscher. Sachliche Argumente interessieren nicht mehr, stattdessen geht es um Rankings und Prozente, darum, auch die finsterste Wahlprognose dem Publikum noch als „positiven Trend“ zu verkaufen.

Politiker tun das, weil sie wissen, dass sich Menschen stets an ihren Nachbarn orientieren. Wählt eine Mehrheit Partei X, so wähle ich sie auch, denn was eine Majorität für richtig hält, kann so falsch nicht sein. Geselle ich mich aber zur ohnehin schon großen Gruppe der Partei-X-Wähler hinzu, so wird deren Anzahl nochmals erhöht, weshalb mein Nachbar erst recht dazu tendieren wird, sich meiner nur scheinbar autonomen Entscheidung anzuschließen.

Es spielt am Ende keine Rolle mehr, ob X für oder gegen eine Steuerreform ist, ob sie die Autobahnmaut will oder für eine Erhöhung des Kindergeldes wirbt: Was zählt, ist allein die Meinung der anderen. Zu Ende gedacht führt das aber in eine selbstverschuldete Diktatur. Was also ist zu tun? Der Bürger selbst, sagen Welzer und Pauen, kann nur sehr beschränkt Einfluss nehmen auf diesen Mechanismus. Weil in der Evolution nur überlebte, wer in der Lage war, mit dem Strom zu schwimmen, hat sich der Opportunismus tief in unsere Verhaltensstruktur eingegraben. Auch Personen, die sich eben noch ihrer Autonomie rühmten, entpuppen sich in sozialwissenschaftlichen Experimenten schnell als lupenreine Mitläufer.

Es gibt deshalb wohl nur eine Lösung, um eine Regierungsbildung zu garantieren, die auf Argumenten beruht statt auf sozialem Druck: Vor Wahlen gehört die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen verboten.

Was wird?

Das Theater denkt mal wieder groß. Um nichts weniger als unsere Zukunft soll es gehen in der Oldenburger Produktion „Utopoly“. Gesucht wird eine Gesellschaftsform, die den Klimawandel stoppt, das Finanzsystem reformiert, soziale Gerechtigkeit herstellt und was sich Leute am Theater sonst noch so alles erträumen. Mir bereitet so eine Verheißung des Schlaraffenlands Unbehagen: Mit aus Träumen geborenen radikalen Systemwechseln haben wir in unserer Geschichte schlechte Erfahrungen gemacht. Besser gefällt mir da schon die aus Realitätssinn geborene behutsame Weiterentwicklung.

Termine:

Donnerstag, 20 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater: „Utopoly“, Premiere (Schauspiel).

Samstag, 20 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater: „D-Man in the Waters / Generation Y“, Premiere (Ballett).

Sonntag, 18 Uhr, Theater Bremen: „María de Buenos Aires“, Premiere (Oper).

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