Bruggaiers Kulturwochen

Gut trainiert

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Das Training macht's: Einmal die Woche einer Oma über die Straße helfen und schon klappt's mit dem Gutmenschentum.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

In der Wiederholung, sagt Kierkegaard, besteht der Sinn unseres Daseins. Ich habe das vor ein paar Wochen auch geglaubt und dem armen Don José in Bizets „Carmen“ diese Erkenntnis zum Lebensmotto empfohlen. Seit der Premiere des beklemmenden Kriegsstücks „Das große Heft“ in Bremen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee war.

Zwei Zwillingsbrüder bedienen sich darin nämlich der Wiederholung, um sich gegen die Zumutungen ihrer Zeit abzuhärten: Immer schön aufeinander eindreschen, dann spürt man irgendwann nicht mehr den Schmerz. Auf den ersten Blick ist das nicht einmal die schlechteste Idee. Denn nur weil sie irgendwann tatsächlich nichts mehr spüren, gelingt es ihnen auch, über die Leiche des eigenen Vaters buchstäblich in die Freiheit und den Frieden zu stolpern.

Dass die beiden Wiederholungstäter mit dieser Freiheit auch ihr Seelenheil finden, möchte ich aber bezweifeln. Eher dürfte ihnen mit den Gefühlen auch das Leben selbst abhanden gekommen sein. Liegt Kierkegaard also falsch? Ich denke nicht. Man muss ihn nur mit Aristoteles zusammendenken. Der hatte schon einige Jahrtausende zuvor den Menschen als Gewohnheitstier beschrieben und ihm deshalb mit dem Loblied auf die Gewöhnung auch eine Aufgabe mit auf den Weg gegeben: Wer sich an das Schlechte gewöhnt, der wird damit womöglich besser zurande kommen. Er wird dabei aber zwangsläufig selbst ein schlechter Mensch. Nur wer sich in guten Handlungen trainiert, wird auch ein gutes Wesen. Und nur wer ein gutes Wesen ist, wird auch glücklich sein.

Was wird?

Sie ist eine der erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte, von Weber, Wagner und Rossini gleichermaßen enthusiastisch gefeiert, vom Publikum Jahrzehnte lang in den Pariser Gassen nachgeträllert und sogar mit einer eigens nach ihr benannten Buslinie in der französischen Hauptstadt gewürdigt. Heute kennt sie kaum jemand mehr. „La Dame Blanche“, dieser Blockbuster des 19. Jahrhunderts, geschrieben von einem Mann namens François Adrien Boieldieu, hat am Samstag im Oldenburgischen Staatstheater Premiere.

Termine:

Mittwoch, 19 Uhr, Kunsthalle Bremen: „Sentiment et coleur – Farben und Klänge in der Welt des Emile Bernard“ mit Ulrich Beckerhoff (Trompete) und Detlef Stein (Wort).

Donnerstag, 20 Uhr, Sendesaal Bremen: Lavinia Meijer (Harfe).

Samstag, 19.30 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater: „La Dame Blanche“ (Premiere Oper).

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