Bruggaiers Kulturwochen:

Postdramatik nach Beckett

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Die Post ist da! Unter fünf Paketen macht es der Bote heute nur noch selten.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Die „Süddeutsche“ macht diese Woche in ihrem Feuilleton eine „Paketisierung der Welt“ aus. Pakete allerorten, ob von Zalando oder Amazon, über Hermes oder DHL: Karnickel seien gar nichts im Vergleich zur ständig neue Pakete gebärenden Weltwirtschaft. Ach, wenn es doch nur die Pakete wären! Wie die Karnickel nämlich vermehren sich auch die dazugehörigen Postlieferwagen. Mit den dazugehörigen Austrägern. Und deren dazugehörigen Winkehändchen. Mit denen nämlich werde ich mittlerweile allmorgendlich vertröstet, wenn mir in den engen Gassen meines Wohnviertels wieder mal so ein gelbes Monstrum den Weg zur Arbeit versperrt. Mit seinem winkenden Händchen sagt mir der Austräger: Ich weiß, dass ich zwei Meter weiter eine Parklücke gefunden hätte und du jetzt nur wegen mir zu spät zur Arbeit kommst. Ich weiß auch, dass der Adressat meiner Lieferung gar nicht zu Hause ist, sondern zwei Straßen weiter selbst hinter einem Postwagen steht und flucht. Das hält mich aber nicht davon ab, trotzdem eine halbe Stunde lang an seiner Haustür zu klingeln.

Apropos Karnickel. Am Abend ist bei mir oft schon der Osterhase da gewesen. „Wir haben die Sendung an Ihrem Wunschort hinterlegt“ heißt nämlich so viel wie: Du hast uns zwar den Geräteschuppen angegeben, wir haben das Paket heute trotzdem mal in den Kaminholzunterstand gelegt. Oder war‘s unter dem Terrassentisch? Vielleicht ist die „Paketisierung der Welt“ auch nur der Titel einer wunderbar absurden Komödie. Die Hauptdarsteller sind deutsche Verbraucher, die zur Zeitersparnis ihre Waren im Internet bestellen. Und die am Ende morgens im Stau stehen und abends durch den Garten hoppeln. Beckett hätte es sich nicht besser ausdenken können.

Was wird?

Als im vergangenen Februar schwerbewaffnete Polizisten in der Stadt patrouillierten, auf der Suche nach mutmaßlichen Terroristen, da kam es im Theater Bremen zu einem denkwürdigen Ereignis: Regisseur Alexander Riemenschneider, unter dessen Händen offenbar so ziemlich alles zu Gold wird, hatte „Medea“ inszeniert. Auch Euripides' rachedurstige Magierin ist ja in gewisser Weise eine Figur des Terrors, schließlich richtet sich ihr Morden nicht allein gegen den Mann, der ihr untreu geworden ist, sondern durchaus auch gegen den Staat, der diesem Mann eine Zuflucht gewährt. Auf der Bühne nun fand das Denken und Handeln dieser antiken Terroristin eine so nachfühlbare Erklärung, dass die diffuse Gefahr draußen auf der Straße plötzlich ein Gesicht erhielt. Jetzt hat am Theater Bremen „Pornographie“ Premiere, ein Stück von Simon Stephens, das angesiedelt ist zwischen G-8-Gipfel, Olympischen Sommerspielen und Terroranschlägen. Es gehe um die Grenze von Begierde und Gewalt, Erregung und Horror, heißt es in einer Vorankündigung, die ganz bewusst die Ereignisse vom Februar in Erinnerung ruft.

Donnerstag, 18 Uhr, Kunsthalle Bremen: „Letztes Jahr in Marienbad“, Ausstellungseröffnung. Donnerstag, 20 Uhr, Theater Bremen: „Pornographie“ von Simon Stephens, Premiere (Schauspiel). Donnerstag, 20 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater: „Eine nicht umerziehbare Frau“, Premiere (Schauspiel). Samstag, 19 Uhr, Theater Bremen, Moks: „Hikikomori“, Premiere (Jugendtheater). Sonntag, 16 Uhr, Theater Bremen: „Pünktchen und Anton“, Premiere (Familienstück).

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