Bruggaiers Kulturwochen

Was Paartherapeuten zur Verzweiflung treibt: Leben in verschiedenen Zeiten

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Früher war alles besser: der Himmel rosarot, der Strand noch leer und die Kindheit glücklich. Doch wer sich ständig nur erinnert, verpasst das eigene Leben.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Carmen liegt mal wieder in ihren letzten Zügen, und wie immer heißt der Mörder Don José, dieser von Eifersucht zerfressene Trottel. In der Bremer Produktion aber hat er einen Komplizen: die Zeit.

Don José nämlich – Gegensätze ziehen sich an – lebt in einer völlig anderen als sein Herzblatt Carmen. Es ist die Zeit der Vergangenheit, der sichere Hafen der Kindheitserinnerung, in dem alles seine Ordnung hat, von nirgendwo Veränderung droht. Carmen dagegen lebt für nichts als den Augenblick, und wer so lebt, der lässt sich von der Hoffnung leiten.

Hier Erinnerung, dort Hoffnung: zwei so unterschiedliche Lebensmodelle treiben jeden Paartherapeuten zur Verzweiflung. Mehr noch als die düsteren Aussichten dieser Beziehung interessiert mich allerdings, wer von den beiden denn nun recht hat. Womit lebt es sich besser: mit der Erinnerung oder mit der Hoffnung?

Der Philosoph Søren Kierkegaard sagt: mit nichts davon. Die Erinnerung sei „ein kümmerlicher Zehrpfennig, der nicht satt macht“, die Hoffnung zwar „eine lockende Frucht“ – die aber genauso wenig satt macht.

Teufel noch mal: Was macht denn dann satt? Ganz einfach, sagt Kierkegaard: die Wiederholung! „Sie kennt nicht die Unruhe der Hoffnung, aber auch nicht die Wehmut der Erinnerung.“ Wer nicht begreife, dass das Leben eine einzige Abfolge von Wiederholungen ist, und gerade darin seine Schönheit offenbart, der „verdient nichts Besseres, als dass er umkommt“. Wenn ich mir Carmens Ende so anschaue, habe ich das Gefühl: Der Mann hat recht.

Was wird?

Nach ihrer Uraufführung 1724 in der Leipziger Nikolaikirche war die Johannes-Passion schon bald für lange Zeit in Vergessenheit geraten – wie alles, was Johann Sebastian Bach geschrieben hatte. Bekanntlich dauerte es nach Bachs Tod fast achtzig Jahre, bis Felix Mendelssohn Bartholdy auf die Idee kam, sich den Nachlass dieses unbekannten Barockkomponisten doch einmal näher anzuschauen. Ohne seine legendäre Wiederentdeckung der Matthäus-Passion 1829, wer weiß, lagerten Bachs Partituren womöglich noch heute in irgendeinem staubigen Archiv.

Mendelssohns Auftritt mit der Sing-Akademie zu Berlin aber schlug seinerzeit ein wie eine Bombe, innerhalb kürzester Zeit kam ein Bach-Werk nach dem anderen zur Wiederaufführung. Auch die Johannes-Passion. Und zwar wo? Richtig, im St. Petri-Dom zu Bremen, 1832. Dort ist sie auch an diesem Karfreitag wieder zu hören.

Termine

Dienstag, 19.30 Uhr, Oper Hannover: „Morphed“, Gastspiel der Tero Saarinen Company (Helsinki) – Oster-Tanz-Tage.

Dienstag, 20 Uhr, Modernes: Olli Schulz & Band

Freitag, 20 Uhr, St. Petri-Dom Bremen: Johannes-Passion mit dem Bremer Domchor und Concerto Bremen.

Samstag, 19.30 Uhr, Oper Hannover: „Water Stains On The Wall“, Gastspiel des Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan – Oster-Tanz-Tage.

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