Bruggaiers Kulturwochen

Musik und Kritik

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Ein Fall für sich: Musiker sind besonders kritikempfindlich.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Ein Musikkritiker aus Wiesbaden hat seine Internetseite nun um ein bemerkenswertes Kontaktangebot erweitert. Wer sich als Musiker über seine Berichterstattung beschweren möchte, bekommt hierzu gleich die gängigen Optionen zum Anklicken angeboten. Neben dem Feld „Als von Ihnen kritisierter Künstler fühle ich mich…“ darf er wählen zwischen: „schlecht behandelt“, „sehr schlecht behandelt“ und „persönlich diffamiert“. Zur Aussage „Ich frage mich ernsthaft, ob Sie…“ steht zur Auswahl: „schlecht hören“, „keine Ahnung haben“ oder „sich einfach nur produzieren wollen“.

Ich muss zugeben, dass mir dieses Angebot sehr gefallen hat. Dabei ist es bei näherer Betrachtung nicht ganz ohne. Denn natürlich versteckt sich dahinter der ausgestreckte Mittelfinger, das „Ihr könnt mich mal“ an all die beleidigten Künstlerseelen, die es zum schriftlichen Revanchefoul drängt. Dabei müsste doch ein Kritiker die Souveränität besitzen, sich einer Diskussion zu stellen.

Wenn es um bildende Kunst oder Theater geht, klappt das auch meistens. Doch wehe, die Debatte dreht sich um schiefe Töne oder zu schnelle Tempi! Dann reduziert sich die Gesprächsgrundlage ganz schnell auf: „Das Tempo war doch gar nicht zu schnell!“ Oder: „Haben Sie denn gar nicht mitbekommen, dass alle anderen es toll fanden?“ Man antwortet dann, dass es keine alleingültige Meinung über Tempi gibt. Und dass über dem Artikel der Name des Kritikers steht, nicht aber „alle anderen“. Doch das alles hilft selten etwas, jedenfalls nicht bei Musikern.

Ich habe mich oft gefragt, woran das liegt. Vielleicht, weil Schauspieler beispielsweise ganz selbstverständlich über die Sprache kommunizieren, während so ein sensibler Musiker tagein, tagaus auf nichts achtet als Intonation, Klangfarbe und Dynamik. Wenn dann jemand so ein fein ausbalanciertes Werk mit einem schnöden, kalten Wort wie „indisponiert“ abwatscht – das tut wahrscheinlich besonders weh.

Was wird?

Nein, es ist nicht wieder von Marcel Duchamp die Rede – auch wenn manches der gezeigten Objekte gewisse Ähnlichkeiten mit dessen berühmten Readymades aufweisen mag. Doch Karima Duchamp, mit dem guten Marcel weder verwandt noch verschwägert , hat ihre Stücke nicht gefunden, sondern aus Keramik selbst erschaffen: zu sehen im Oldenburgischen Landesmuseum.

Freitag, 19 Uhr, Niedersächsisches Landesmuseum Oldenburg: Eröffnung der Ausstellung „The Visible“ mit Werken von Karima Duchamp.

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