Bruggaiers Kulturwochen

Liebe bis zum Sonnenaufgang

Die Bremer Innenstadt bei der "Großen Nachtmusik"

Was war? Was wird? "Bruggaiers Kulturwochen" schauen hin.

Was war?
Ach, ein schöner Urlaub und das Erlebnis traditioneller Konzertabende in griechischen Bergdörfern. Gesehen habe ich davon zwar wenig, von meinem Bett aus. Dafür umso mehr gehört. Auf der Bühne müssen eine Sängerin, ein Sänger sowie ein Klarinettist gestanden haben. Eine exakte Überprüfung war mir nicht möglich, da die Bühne im Bergdorf auf der anderen Talseite stand: zwanzig Kilometer Luftlinie. Fest steht, dass zu Beginn des Konzerts, also etwa eine Stunde vor Mitternacht, der Sänger auftrat. Titel seines Werks: „S‘agapo“ – „Ich liebe dich“. Gegen ein Uhr folgten die ersten Soloeinlagen des Klarinettisten, spektakuläre Läufe irgendwo zwischen Volkstanz und Freejazz. Um drei Uhr dann die Sängerin. Ihr Thema: „S‘agapo“ – „Ich liebe dich“. Um vier Uhr morgens fragte ich mich, woher die Künstler eigentlich ihre Einnahmen beziehen, wenn die halbe Peloponnes gratis zuhören darf. Die Antwort erhielt ich um fünf. Da zogen fliegende Händler von Dorf zu Dorf und warben über Megafon für einen CD-Erwerb. Um sechs gab es die Zugabe, von allen dreien gemeinsam: „S‘agapo“ – „Ich…“, Sie wissen schon. Danach ging die Sonne auf.

Was wird?
Die Sommerpause ist vorbei. Am Mittwoch startet in der Kunsthalle Bremen eine neue Ausstellung, und am Wochenende geht das Bremer Musikfest wieder los: mit der obligatorischen „Großen Nachtmusik“. Die Idee, die diesem Spektakel zugrunde liegt, ist eigentlich ganz nett. Der Besucher darf sich sein Konzertprogramm nämlich selbst zusammenpuzzeln. Wem ein ganzer Klassik-Abend mit dem „Cercle de L‘Harmonie“ im großen Saal der Glocke zu viel ist, der wechselt nach der ersten Pause einfach in den Dom, wo Musik aus dem Balkan gespielt wird. Oder zum Jazzabend in den Innenhof des Atlantic Hotels. Das Problem ist: Bis Mitternacht muss man in jedem Fall durchhalten. Damit ist die „Große Nachtmusik“ zwar deutlich einschlaffreundlicher als Konzerte in griechischen Bergdörfern. Dafür beginnt sie aber auch schon um halb acht.

Tipps
Mittwoch, 10 Uhr, Kunsthalle Bremen: Ausstellungseröffnung „Den Teufel im Leib. Affekt und Bewegung in der italienischen Grafik des 16. Jahrhunderts“. Öffnungszeiten: 10-17 Uhr. Samstag, 19.30 Uhr, Bremen: „Eine große Nachtmusik“, Eröffnung des Musikfests Bremen. Spielstätten: Glocke, St. Petri Dom, Obere Rathaushalle, Haus der Bürgerschaft, Unser Lieben Frauen Kirche, Haus Schütting, Atlantic Grand Hotel, Landgericht. Sonntag, 20 Uhr, Musical Theater Bremen: „Orfeo ed Euridice“ mit den Musiciens du Louvre Grenoble und dem Kammerchor des Palau de la Música Catalana.

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