Bruggaiers Kulturwochen

Kunst kostet

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Selbst Brunnenbeleuchtung hat ihren Preis – Kultur selbstverständlich auch.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war? 

Statt des bisherigen Modells „Pay what you want“, das die Höhe des Eintrittspreises dem Ermessen des Zuschauers anvertraut, gibt es an der Bremer Schwankhalle künftig wieder ganz normale Eintrittskarten. Sie möchte mit den Zuschauern „keine Debatte über den Wert von Kunst führen“, sagt die neue Leiterin, Pirkko Husemann. Keine Debatten mehr? Nur noch schnöder Kommerz? Und das im linksliberalen Bremen? Wie schön! Tatsächlich ist es höchste Zeit, die Leute mal wieder an die Regeln der freien Marktwirtschaft zu gewöhnen. Über Jahre hinweg hat sich die Kulturszene mit wahnsinnig innovativen Finanzierungskonzepten wie „Crowdfunding“, „Social Payments“ und flexiblen Eintrittspreisen zu einem Haufen Almosenempfänger heruntergewirtschaftet.

Mancher Veranstaltungsbesucher begreift es schon als Zumutung, wenn er nur mit der bloßen Idee einer kleinen freiwilligen Spende belästigt wird: Da wollen die auf der Bühne ihren Spaß tatsächlich auch noch bezahlt bekommen! Angeblich war man in den politischen Kreisen Bremens über Husemanns Entschluss nicht sehr glücklich. Weil das Prinzip der Freiwilligkeit „sozial gerechter“ sei und so weiter. Fragt sich nur, auf welcher Seite diese „soziale Gerechtigkeit“ vermutet wird. Aufseiten der Künstler bestimmt nicht: Deren Einkommensverhältnisse haben sich in den vergangenen Jahren sukzessive verschlechtert. Ohnehin scheint es mir, als versteckten sich hinter der hehren Sorge um Gerechtigkeit allzu oft eher mäßig fromme Tugenden wie Bequemlichkeit und Feigheit. Es gibt diese „Debatten um den Wert von Kunst“ nämlich gar nicht: Wer keinen verbindlichen Ticketpreis einfordert, der braucht auch nicht mit Beschwerden zu rechnen – hat ja niemand sein Geld versemmelt. So können Veranstalter mit vielen scheinbar zufriedenen Besuchern protzen und sich obendrein auch noch als Hüter der sozialen Gerechtigkeit feiern lassen. Während immer mehr Künstler mit Hartz IV aufstocken.

Was wird? 

Eines haben Spanien und die Schweiz gemeinsam: die Galionsfiguren ihrer Kulturgeschichte. Natürlich nicht die Figuren selbst, Carmen und Wilhelm Tell gleichen einander allenfalls in ihrem Stolz und Starrsinn. Beide aber, die rassige Spanierin wie auch der Urschweizer, sind bloße Erfindungen – zu allem Überfluss von Leuten, die selbst zeitlebens in Spanien beziehungsweise in die Schweiz nie einen Fuß gesetzt haben. Es ist deshalb so bequem wie fragwürdig, wenn wir unser Spanienbild seit Jahrhunderten aus der Musik des Franzosen Georges Bizet beziehen.

Bei „Sommer in Lesmona“ lässt sich das korrigieren: Auf dem Programm stehen auch spanische Werke abseits des Torero-Kitschs. Montag, 20 Uhr, Theater Bremen: Verleihung des Kurt-Hübner-Preises an Patrick Zielke. Freitag, 20.30 Uhr, Knoops Park: Eröffnung des Festivals „Sommer in Lesmona“. Samstag, 15 Uhr, Paula-Modersohn-Becker-Museum Bremen: Igelschnaubtanz, Performance mit Lili Fischer. Samstag, 16 Uhr, Künstlerhaus Bremen, Innenhof: Eröffnung der Ausstellung „Im Inneren der Stadt“.

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