Bruggaiers Kulturwochen

Das Genie ist tot, es lebe der Mob!

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Auch eine Form von "Schwarmintelligenz": Fliegen auf Pferdedung.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Ich hatte gehofft, dass mit dem Untergang der Piratenpartei die bösesten Märchen der IT-Industrie auserzählt seien. Doch dann erfahre ich bei einer Podiumsdiskussion im Bremer Theater: Es gibt sie immer noch, die Phrasendrescher, die das Geschwätz eines digitalen Mobs zur „Schwarmintelligenz“ stilisieren und das Ende der alleinigen Autorschaft ausrufen.

Konkret geht es darum, dem Theater eine neue Struktur einzuimpfen. Es soll sich vom „Originalgenie als Künstler“ verabschieden, weil die „Herausforderungen der nächsten Gesellschaft zu komplex“ seien, als dass sie „von einem einzelnen definiert“ werden könnten. Stattdessen soll das Theater seine Texte und Inszenierungen im Kollektiv erarbeiten – die dazu nötige Software hat die Industrie netterweise schon parat.

Der Schöpfer der weltweit ältesten bekannten Theaterliteratur, der große Aischylos, hatte einst in Athen erst das Ende der 400 Jahre währenden Tyrannis erlebt und dann den Übergang in eine völlig neue, noch nie dagewesene Gesellschaftsform namens „Demokratie“. Er war Zeuge der totalen Zerstörung seiner Heimat gewesen ebenso wie deren Wiederaufbaus. Er hatte als Soldat gegen die Perser gekämpft und als Dichter um den Verstand. Der Schöpfer von Weltliteratur wie „Die Perser“ und „Die Orestie“: Er hatte wahrhaftig „komplexe Herausforderungen“ zu bewältigen, damals im 5. Jahrhundert vor Christus.

Aber das ist natürlich gar nichts im Vergleich zu den hochkomplexen Herausforderung der digitalen Daddel-Gesellschaft. Deren Probleme (Wann darf ich meine Lieblings-Fernsehserie endlich gratis runterladen?) sind so gewaltig, dass sie nur im Kollektiv bewältigt werden können. Als kleinster gemeinsamer Nenner einer Konsenstruppe. Als sorgsam demokratisch abgeschmeckte Mehrheitssoße. Als Schwarmblödsinn der Erregungsgesellschaft. Bevor mir schlecht wird: nächstes Thema.

Was wird?

Flüsse, sagte Victor Hugo einmal, „singen dem Ozean das Lied von der Schönheit der Erde, der Feldbestellung, der Pracht der Städte und der Menschen Ruhm“. Dem Menschen allerdings haben sie vor allem das Lied vom Tod gesungen, wenn nach der Schneeschmelze reißende Ströme Städte und Dörfer fluteten und nicht allein den Landwirten ihre Existenzgrundlage nahmen. Nicht zufällig ist es in der griechischen Mythologie ein Fluss, der die Ober- von der Unterwelt, dem Hades, trennt.

Wie es dahinter aussieht, hat bereits die Menschen in der Antike interessiert. Ein Besuch aber war schon damals nicht empfehlenswert: Wen Fährmann Charon einmal ins jenseits übersetzte, der ward nicht mehr gesehen – Orpheus und Eurydike einmal ausgenommen.

Einmal Tod mit Rückfahrkarte, diese Reise lässt sich nur im Theater buchen. Genauer gesagt am Stadttheater Bremerhaven. „Hadestour“ nennt sich die „Schiffsfahrt zu den letzten Dingen“. Auf der MS Geestemünde geht es durch die Wesermündung hinein ins Ungewisse. Kein Grund zur Beunruhigung: Anders als auf der MS Charon geht es ganz bestimmt auch wieder zurück.

Mittwoch, 20 Uhr, Glocke Bremen: Buika, mallorquinische Sängerin.

Donnerstag, 19 Uhr, St. Petri-Dom Bremen: „Spanisches Liederbuch“ von Hugo Wolf, mit Stefanie Golisch (Sopran) und Thomas Gravenhorst (Orgel).

Freitag, 20 Uhr, Staatsoper Hannover: „Der Prozess“, Ballett von Mauro Bigonzetti, Premiere.

Samstag, 20 Uhr, Anleger der MS Geestemünde, Bremerhaven: "Hadestour", Premiere.

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