Druck raus mit "Möchte lieber nicht"

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Ihr könnt mich mal: Seinen Bedürfnissen zu folgen statt Argumenten, ist in unserer Gesellschaft ein Tabu.

Was war? Was wird? Bruggaiers Kulturwochen schauen hin.

Was war?

„Ich möchte lieber nicht“: Am Oldenburgischen Staatstheater stürzen diese vier Wörter eine ganze Anwaltskanzlei in den Ruin. Denn „Ich möchte lieber nicht“ zu sagen, ist so ziemlich die größte Ungeheurlichkeit, die man in unserer Gesellschaft begehen kann – schlimmer noch als „Ich weigere mich“.

Die Sprengkraft liegt ja nicht etwa im Widerspruch an sich begründet, der meist noch hingenommen wird, solange er wenigstens auf einer vernünftigen Begründung beruht. Skandalös ist vielmehr, wenn sich ein Schüler, ein Arbeitnehmer oder sonst irgendein Bürger dieses Landes erdreistet, einfach mal auf sein Bedürfnis zu hören statt auf ein Argument. Dann wird mit Strafarbeiten gedroht oder mit Kündigungen, damit der gefühlsduselige Bürger möglichst schnell wieder in die Spur unseres vollständig durchrationalisierten Alltags kommt.

Ich weiß nicht, ob es gesund ist, sein Leben in dieser Spur zu verbringen: ob die Bedürfnisse nicht dennoch ihr Recht auf Befriedigung einfordern – unkontrolliert und gewaltsam statt still und friedlich. Wer von früh bis spät dem turbokapitalistischen Pflicht- und Arbeitswahnsinn unserer Tage zu huldigen hat, der droht am inneren Druck zu ersticken. Gut ist, wenn er im Fußballstadion hinausgelassen wird, der Druck. Oder beim Karneval. Schlecht, wenn das bei Pegida-Aufmärschen oder vor Flüchtlingsheimen passiert.

Was wird?

Natürlich gab es mit der politischen Wende von 1990 auch eine Wende in der Kunst. Und wie es sich mit Wende-Ereignissen so verhält: Sie kommen meist überraschend. Bei der Kunst lag die Überraschung darin begründet, dass sie genau gegenläufig zu den politischen Kräfteverhältnissen ablief. Denn nicht die Konzeptkunst aus dem siegreichen Kapitalismus sollte einen Aufschwung erfahren, sondern die längst totgesagte Malerei aus dem Osten. An den Bildern der „Neuen Leipziger Schule“ – allen voran Neo Rauch – schätzten Sammler nicht zuletzt die sozialistisch realistischen Anmutungen. Eine Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zeigt, was sich nach dem Fall der Mauer in der Kunst getan hat.

Wohin?

Samstag, 10 Uhr, Kunsthalle Bremen: Eröffnung der Ausstellung „Enlight my space. Kunst nach 1990“.

Sonntag, 12 Uhr, Syker Vorwerk: Eröffnung der Ausstellung „Say Kimchi! Südkorea – Deutschland“.

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