Bruggaiers Kulturwochen vom 1. bis 7. Dezember

Mittel ist nicht Zweck

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Flüchtlinge an der Grenze zur spanischen Exklave Melilla in Marokko.

Was war? Was wird? "Bruggaiers Kulturwochen" schauen hin.

Was war?

Immer mehr Menschen sind auf der Flucht, und der Kulturbetrieb reagiert. Theaterabende und Performances, Podiumsdiskussionen und Lesungen: Man kann den Intendanten der Bühnen und Festivals nicht vorwerfen, vor dem Leid die Augen zu verschließen. Nach dezidiert der Flüchtlingsproblematik gewidmeten Abenden am Bremer Theater und in der Shakespeare Company war das Thema nun auch beim Literaturfestival „Globale“ virulent.

Vordergründig ist das alles natürlich gut und richtig. Allerdings würde ich mir manchmal mehr Mut zu Ehrlichkeit und Selbstkritik wünschen: Was interessiert uns wirklich an solchen Abenden?

In seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ verfeinert Immanuel Kant seinen Kategorischen Imperativ, indem er zwischen Mittel und Zweck unterscheidet. Abweichend von seiner Grundform lautet das Prinzip nun: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“

Ich muss an diese Unterscheidung manchmal denken, wenn ich Veranstaltungen besuche, die das Leid Anderer dokumentieren. Dann drängt sich mir mitunter der Verdacht auf, der eigentliche Zweck könnte nicht in produktiver Empathie bestehen, sondern lediglich im Mittel zur eigenen Selbstvergewisserung. Wenn aber ein Abend nichts weiter einbringt als das wohlige Gefühl, sich ob des eigenen Schicksals so richtig glücklich schätzen zu dürfen, dann sollte man ihn lieber bleiben lassen.

Was wird?

Am Freitag zeigt das Oldenburgische Staatstheater Lot Vekemans‘ Drama „Gift – Eine Ehegeschichte“. Um die Handlung dieses Stücks zu beschreiben, genügt ein einziger Satz. Und dieser Satz wiegt für jeden Vater, jede Mutter tonnenschwer: Zehn Jahre nach dem Tod des gemeinsamen Kindes begegnen die Eltern einander erstmals wieder.

Tipps

Mittwoch, 10 Uhr, Kunsthalle Bremen: Eröffnung der Sonderausstellung „Virtuos imitiert. Die Meisterstiche des Hendrick

Goltzius (1558–1617)“.

Donnerstag, 19 Uhr, Weserburg Bremen: Eröffnung der Ausstellung „Künstlerräume 02“.

Freitag, 20 Uhr, Oldenburgisches Staatstheater: Premiere „Gift – Eine Ehegeschichte“.

Sonntag, 18 Uhr, Sendesaal Bremen: Duo Klavitarre mit Werken von Piazzolla, Debussy, Middleton, Boccherini und Chopin.

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